Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol https://www.tirolbayern.de Reportagen + Bilder Mon, 20 Apr 2020 16:34:37 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.4.1 https://i0.wp.com/www.tirolbayern.de/wp-content/uploads/2019/07/cropped-grenzgaenger_tirolbayern_512_512.jpg?fit=32%2C32&ssl=1 Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol https://www.tirolbayern.de 32 32 144418615 Ein Grenzgänger sagt Pfia Gott nach Bayern und Tirol https://www.tirolbayern.de/2019/11/29/ein-grenzgaenger-sagt-pfia-gott-nach-bayern-und-tirol/ https://www.tirolbayern.de/2019/11/29/ein-grenzgaenger-sagt-pfia-gott-nach-bayern-und-tirol/#respond Fri, 29 Nov 2019 12:56:15 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=25915 Ein Blogger verabschiedet sich, die Freunde und die mit ihnen verbundenen Erinnerungen bleiben. Nach fünf Jahren sagt ein Grenzgänger Pfia Gott nach Bayern und Tirol. Es wird Zeit zum Aufbruch.

Der Beitrag Ein Grenzgänger sagt Pfia Gott nach Bayern und Tirol erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
Auf der Suche nach neuen Wegen. Der Grenzgänger #tirolbayern sagt allen, die vor und hinter den Kulissen mit dabei waren, danke für die gute Zeit und wir sehen uns wieder. Irgendwann, irgendwo.

Bettina Blaß, eine Pionierin der Blogosphäre beschrieb kürzlich für ein Einsteigerportal, „was Blogger jenseits der 35 so drauf haben“. Die Kollegin schreibt in „Fit für Journalismus“, einem Blog von Timo Stoppacher:

„Neulich habe ich irgendwo in diesem Internet gelesen, es gäbe nur wenige Blogger, die älter als 35 sind. Und ich habe laut gelacht. Und den Kopf geschüttelt. Und dann beschlossen, einen Gegenartikel zu schreiben, in dem ich Blogger vorstelle, die älter als 35 sind. Ich selbst gehe ja schon hart auf die 50 zu. Und ich blogge ungefähr seit 1998.“

Man müsse gar nicht viel Zeit mit Recherche verbringen, um gleich auf ein ganzes Netzwerk an Blogger*innen zu stoßen, die längst die 35 hinter sich gelassen haben – und sehr umtriebig in diesem Internet sind, so Bettina Blaß.

Unabhängig von diesem lesenswerten  Beitrag, haben vergleichbare Überlegungen mit dazu beigetragen, meinen Blog „Grenzgänger #tirolbayern“ noch vor dem Jahreswechsel zu verabschieden. Bevor uns eine dynamischere Welt die „Lizenz zum Bloggen“ entzieht.  Weil wir aus deren Sicht nun aber wirklich „in die Jahre“ gekommen sind und nicht mehr so wahnsinnig cool rüberkommen.

Auf den Gipfeln dieser Welt war unser Auftreten vergleichsweise zurückhaltend.

Fünf Jahre haben wir Nachbarn in Tirol und Bayern miteinander ins Gespräch gebracht und dabei viel lernen dürfen. Bayern und Tiroler sind sich vielfach ähnlich und deshalb war es auch so sinnvoll, diesen Blog vor fünf Jahren ins Leben zu rufen.

Da bekanntlich aber alles seine Zeit hat, schließen wir heute das Grenzgänger-Tagebuch.

Keineswegs deshalb, weil uns die Themen ausgehen könnten oder wir die Lust an den Begegnungen verloren hätten, sondern weil es vergleichbare Blogs zuhauf gibt, die als Gipfelstürmer „outdoor“ unterwegs sind und uns schreiben, wo man gerade mal sein müsste.

Seit langem plagt den Grenzgänger in diesem Zusammenhang, mit verantwortlich für den aktuell viel beklagten „Overtourism“ zu sein. Unser Anspruch an Bildern und Inhalten war stets qualitätsorientiert. Deshalb tragen wir mit Schuld, wenn die Menschen in ländlichen Alpenregionen unter der Last des Ansturms überfordert sind.

Staus auf den Zubringer-Autobahnen, überfüllte Busse und Bahnen am Wochenende – die Dörfer entlang der Transitwege ins jeweilige Bergabenteuer sind dem Ansturm kaum noch gewachsen.

Das ist nicht der Moment von Schuldzuweisungen. Wir haben alle unseren Anteil an dieser Entwicklung. Der Tourismus, die Alpen- und Berglervereine und alle, die ihre Freizeit am liebsten naturnah verbringen möchten.

Viele wünschen sich, dass unsere Natur- und Kulturlandschaften schön bleiben. Dass man ihnen nicht die Würde nimmt, indem man sie zur Müllhalde unterschiedlicher Outdoor-Egoismen macht.

Der Grenzgänger #tirolbayern wird weiterhin alle Bemühungen unterstützen, die das verhindern. Ab heute allerdings meist mehr oder weniger hinter den Kulissen.

Mit der Bitte um Verständnis.

Danke und Vergelt’s Gott allen, die eine gute Idee mit auf den Weg gebracht haben. Wir waren immer auf der Suche nach Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der Nachbarn in Bayern und Tirol.

Vielleicht gibt es ja wen, der das Projekt fortführt? Mit neuem Elan und konstruktiven Gedanken? Falls wir behilflich sein dürfen, immer gerne.

In diesem Sinne, bis dahin –  sagt der „Grenzgänger #tirolbayern“.

Der Beitrag Ein Grenzgänger sagt Pfia Gott nach Bayern und Tirol erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/11/29/ein-grenzgaenger-sagt-pfia-gott-nach-bayern-und-tirol/feed/ 0 25915
„BERG 2020“ – DAV-Jahrbuch mit Schwerpunkt Eis und Klimaerwärmung https://www.tirolbayern.de/2019/10/07/berg-2020-dav-jahrbuch-mit-schwerpunkt-eis-und-klimaerwaermung/ https://www.tirolbayern.de/2019/10/07/berg-2020-dav-jahrbuch-mit-schwerpunkt-eis-und-klimaerwaermung/#respond Mon, 07 Oct 2019 06:37:30 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=28373 Das Alpenvereinsjahrbuch „BERG 2020“ wird von den Alpenvereinen in Österreich, Deutschland und Südtirol veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich unter anderem mit der Bergregion Arlberg, dem Eis im Gebirge und der Dynamik der Klimaerwärmung.

Der Beitrag „BERG 2020“ – DAV-Jahrbuch mit Schwerpunkt Eis und Klimaerwärmung erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
Die DAV-Kalender „Welt der Berge“ und „High“ begleiten durch das kommende Jahr – mit atemberaubenden Landschaften und luftigen Extremsportaufnahmen auf zwölf großformatigen Seiten.

Die Rubrik BergWelten befasst sich mit einer der Skiregionen der Alpen schlechthin – dem Arlberg. Denn dieser Landstrich hat so viel mehr zu bieten – der Kalk der Lechtaler im Norden und das Urgestein des Verwall im Süden bilden einen vielfältigen Lebens- und Naturraum. BergWelten beleuchtet die Gebirgsregion aus den unterschiedlichsten Perspektiven: Auf der einen Seite die Bedeutung und Entwicklung des Skifahrens und die damit verbundenen Erschließungen, auf der anderen Seite der wilde Oberlauf des Lechs mit seiner unberührten Natur.

Eis im Gebirge ist das Thema der Rubrik BergFokus. Die Gletscher schmelzen, der Permafrost taut auf – welche Auswirkungen das auf den Klimawandel und den Naturraum Alpen hat, bringt dieses Kapitel eindrucksvoll näher. Von der weiteren Entwicklung der Gletscher abhängig ist nicht nur der Betrieb der dort ansässigen Skigebiete. Auch das Eisklettern hat, obwohl die legendären Nordwände der Alpen inzwischen abgeschmolzen sind, nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt.

Beim BergSteigen steht das Eisklettern aus einer physikalischen Perspektive im Vordergrund. Der Beitrag stimmt ein auf das Hauptthema „Risiken am Berg“. Wie viel Risiko sein darf und muss, zeigen die Ausbildungskurse „YOUNGSTERS“ der Alpenvereinsjugend Österreich. Gewisse Risiken gehören zum Bergerlebnis dazu, wichtig ist eine gesunde Einschätzung und Reflexion. Der Rückblick auf die Expeditionen des vergangenen Jahres verdeutlicht, dass auch die erfahrensten und talentiertesten Ausnahmealpinisten vor den Risiken nicht gefeit sind.

Biathletin Laura Dahlmeier, zweifache Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin, ist im Herzen eine Vollblut-Alpinistin. Im Gespräch mit Klaus Vestewig erzählt sie, was für sie den Reiz der Berge ausmacht, wie sie mit Extremsituationen umgeht und wie sie nach dem Ende ihrer Profikarriere zum Biathlon steht. Außerdem stellt die Rubrik BergMenschen weitere spannende Persönlichkeiten vor, wie zum Beispiel den Neo-Bergbauern Kaspar Nickles, der in ein kleines Bergdorf im Friaul gezogen ist, um dort mit seiner Familie ein nachhaltiges Leben in zeitgemäß interpretierter Tradition zu führen.

In BergWissen zeigt Patagonien-Spezialistin Dörte Pietron anhand wissenschaftlicher Daten und eigener Erfahrungen, wie grundlegend die globale Erwärmung das Klima und damit auch das Bergsteigen in Patagonien verändert hat. Außerdem geht es auf Zeitreise in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts: Pit Schubert berichtet eindringlich über erfolgreiche und missglückte „Schleusungen“ von DDR-Bürgern über das Elbsandsteingebirge in den Westen.

BergKultur setzt mit drei Erzählungen von Robert Renzler, Nicholas Mailänder und Rudolf Alexander Mayr einen außergewöhnlichen literarischen Schwerpunkt. Auch die Bergfilmwelt findet Erwähnung – von Arnold Fanck, über Luis Trenker bis zu den aktuellen Bergfilmen und den dazugehörigen Festivals. Dabei wird durchaus auch aus einer kritischen Perspektive auf die Bergsport und -filmwelt sowie deren Akteure und Sponsoren gesehen.

„Die Berge und wir“ – Ausstellung zum Jubiläum des Alpenvereins in München

Weblinks:

 

Fotos: DAV/ÖAV/AVS

[See image gallery at tirolbayern.de]

Alpenvereinsjahrbuch „BERG 2020“ – Herausgeber: Deutscher Alpenverein (DAV), Österreichischer Alpenverein (ÖAV) und Alpenverein Südtirol (AVS); Redaktion: Anette Köhler, Tyrolia-Verlag Innsbruck, 256 Seiten, ca. 280 Farb- und viele SW-Abbildungen, 21 x 26 cm, gebunden. ISBN 978-3-7022-3810-0 € 20,90. Erschienen im September 2019

Der Beitrag „BERG 2020“ – DAV-Jahrbuch mit Schwerpunkt Eis und Klimaerwärmung erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/10/07/berg-2020-dav-jahrbuch-mit-schwerpunkt-eis-und-klimaerwaermung/feed/ 0 28373
Sterbebilder erzählen – „Tot ist nur, wer vergessen wird“ https://www.tirolbayern.de/2019/09/28/sterbebilder-erzaehlen-tot-ist-nur-wer-vergessen-wird/ https://www.tirolbayern.de/2019/09/28/sterbebilder-erzaehlen-tot-ist-nur-wer-vergessen-wird/#respond Sat, 28 Sep 2019 13:04:34 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=22526 "Tot ist nur, wer vergessen wird", mahnte Gemeinderätin Sabine Ortner zur Begrüßung ihrer Gäste. Vom Chronik-Team in Obsteig wurden vor diesem Hintergrund rund 500 Sterbebilder aus den Jahren von 1872 bis 2018 zusammengetragen.

Der Beitrag Sterbebilder erzählen – „Tot ist nur, wer vergessen wird“ erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
Mit der Ausstellung sollen Menschen geehrt werden, die in der Tiroler Gemeinde Obsteig Spuren hinterlassen haben. Unterschiedliche Tafeln setzten Akzente. In Sterbejahren organisiert und gewidmet (u.a.) im speziellen dem Larchhof, der Burg Klamm, Schneggenhausen, dem Fremdenverkehr, populären Wirtshäusern und engagierten Frauen.

Die dreitägige Ausstellung im Stadel Schneggenhausen wurde am Freitag, dem 27. September 2019 eröffnet und ist nur noch bis Sonntag, 29. September zu sehen. Öffnungszeiten von 9 bis 17 Uhr.

„Der Ideengeber zu unserer Ausstellung war Hansjörg Bader aus Hall mit seinem Buch »Sterbebilder – Vom Gebetsaufruf zur Erinnerung«“, erzählt Sabine Ortner im Gespräch mit #tirolbayern.

Der heute 70jährige Dr. Hansjörg Bader war Bibliothekar des Tiroler Volkskunstmuseums in Innsbruck. Für sein Buch untersuchte Bader Tausende Sterbebilder. „Die Sterbebilder erzählen Ortsgeschichten, eignen sich zur Ahnenforschung und sind nicht zuletzt auch begehrte Sammlerobjekte.“ Das habe die Chronisten aus Obsteig motiviert, ebenfalls auf Spurensuche zu gehen, so Ortner.

Dazu sagt Hansjörg Bader: „In gut 200 Jahren, in denen es Sterbebilder in Tirol gibt, hat sich deren Gestaltung und Funktion sehr stark verändert. Nachdem sie vor etwa 50 Jahren fast von der Bildfläche verschwunden waren, erleben sie heute anscheinend eine Wiedergeburt.“

Die Gemeinde Obsteig zählt aktuell über 1340 Einwohner und gehört politisch zum Bezirk Imst des österreichischen Bundeslandes Tirol. Obsteig ist die westlichste Gemeinde am Mieminger Plateaus, oberhalb des Oberinntals. Mit Blick auf die Mieminger Berge.

Bürgermeister Hermann Föger lobte zur Ausstellungseröffnung sein Chronik-Team. „Die haben vor ein paar Jahren die Arbeit unseres früheren Dorfchronisten Hubert Stecher wieder aufgenommen und sich seither in zeitgemäßer Weise mit der Geschichte unserer Gemeinde beschäftigt. Damit Jung und Alt erreicht.“

Unter den Zuhörern waren u.a. auch die Bürgermeister der Nachbargemeinden. Hermann Föger begrüßte aus Mieming Dr. Franz Dengg und aus Wildermieming Klaus Stocker. Die Politiker zeigten offensichtliches Interesse am Obsteiger Weg.

Die Vorbereitungen zur Ausstellung wurden vom ganzen Dorf unterstützt. Sabine Ortner: „Hilfreich beim Einstieg war das Totenbuch der Gemeinde Obsteig. Rund 500 „Obstoager Leit“ stehen drin. Sie prägten unsere Gemeinde.“ Die Überlassung der Sterbebilder, meist aus privatem Besitz, verdiene großen Respekt. „Das ist verständlicherweise eine sehr sensible Angelegenheit, das war uns immer bewusst“, so Sabine Ortner.

Aus den Sterbebildern erfuhr man früher wie heute, wer die Toten im realen Leben waren. Auch und vor allem, was sie beruflich gemacht haben. Darunter finden sich – für den ländlichen Raum nicht überraschend – viele Bauern. Aber auch Postmeister, Schneidermeister, Pfarrer, Mesner, Schmiede, Tischler, Sägewerker, Zimmerer, Baumeister, Förster, Imker und Gastwirte. Unter den Berufsangaben finden sich auch eher ausgefallenere Tätigkeiten wie der Wünschelrutengeher oder der Harfenmacher. Und auch – ob man es nun glaubt oder nicht – ein Nordpolfahrer.

Der „Nordpolfahrer“ war Johann Haller – von 1872 bis 1874 auf Expedition. Haller lebte von 1844 bis 1906 und verdiente seinen Lebensunterhalt als kaiserlich-königlicher Förster. 

Nicht wenige Sterbebilder lassen Rückschlüsse auf die Charaktereigenschaften der Verstorbenen zu. Johann Riser erblickte am 23. Dezember 1889 das Licht der Welt und starb am 25. September 1980. Drei Monate nach seinem Tod, an Heiligabend hätte er noch seinen 91. Geburtstag feiern können. Das war ihm nicht mehr vergönnt. Seine Hinterbliebenen vermerkten auf seinem Sterbebild: „Sein Leben war Ehre und tapfere Pflicht, war Liebe und Güte oft selbstlos und schlicht.“

Starke Frauen gab es auch schon immer in Obsteig. Die Ausstellung lässt in diesem Zusammenhang u.a. auch die Hebammen des Dorfes hochleben. Darunter Filomena Rappold, Katharina Wolff, Josef Falbesonder, Aloisia Rappold, Maria Hann und Maria Katharina Gassler. Die meisten Obsteigerinnen und Obsteiger verdanken wohl einer dieser Geburtshelferinnen ihr Leben. Sie haben ihrem Dorf – nicht nur im übertragenen Sinne – im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte auf die Beine geholfen.

Eine starke Frau war sicherlich auch Justina Sonnweber, Hausname „Stöckl“. Sie lebte von 1837 bis 1905, war Bäuerin und Krämerin. Justina führte mit ihrem Mann die vielleicht erste Krämerei in Obsteig. Später einen Laden beim Postmeister und schließlich bei Barbara Gabl eine Gemischtwarenhandlung. Ihr Sohn, Mathias Sonnweber (der „Stöckl Hiasl“), war Vorsteher (heute heißt das Bürgermeister) von Obsteig. Von 1912 bis 1922.

Als „Weißlerin“ machte sich Maria Höpperger einen Namen. Maria, Hausname „Tobian“, lebte von 1890 bis 1966 und war in ihrer Zeit Expertin für das Ausmalen der Häuser. Dazu benutzte sie Schablonen und Musterwalzen für Ornamente und farbige Verzierungen. Ihr Ansuchen um das Botengewerbe wurde abgelehnt. Marias Bruder, Joseph Höpperger, war von 1927 ab Besitzer des ersten elektrisch betriebenen Sägewerkes in Obsteig.

Chronist Toni Riser steht vor der Tafel „Schneggenhausen“ und erklärt seinem interessierten Publikum, welche Berühmtheiten darauf präsentiert werden. „Schaut mal hier, das ist das Bild unseres früheren Postmeisters Josef Föger.“ Die Heimatzeitung schrieb seinerzeit, etwas Vergleichbares wie sein Begräbnis habe man noch nie zuvor in Obsteig erlebt. Da waren alle da. Mit und ohne Rang.

„Des Postmeisters Vereine, allen voran die Musikkapelle, der Kirchenchor und die Feuerwehr. Der Josef half bei der Kirchenrenovierung und bei der Beschaffung der Glocken. Sogar die St. Josefsglocke läutete im Hintergrund mit ihrem hellem Klang zur Grabrede des Pfarrers.“ Josef Föger brachte es auf stattliche 87 Jahre. Viele Obsteiger wurden damals über 90 Jahre alt. Nachzulesen ist auch das im Totenbuch der Gemeinde.

Schneggenhausen selbst war und ist Teil der Geschichte Obsteigs, hat sie seit Jahrhunderten mit beeinflusst. Das frühere Gut Schneggenhausen, aus vormals kaiserlichem Besitz, war in zeitgeschichtlich jüngerer Vergangenheit u.a. das ehemalige Postamt. Seither bei den Obsteigern bekannt, als das Haus „beim Postmeister“. Das blieb es bis zum Neubau des Gemeindehauses im Jahre 1980. Die Gemeinde-Chronik vermerkt: „Das Postamt Obsteig wurde am 20. Juni 1871 gegründet und am 24. Juni 2005 geschlossen.“

Für das „Haus Schneggenhausen“ stehen bekannte Obsteiger Namen, die sich u.a. in der Sterbebilder-Ausstellung wiederfinden. Darunter der legendäre Lehrer Franz Gassler, der seiner Gemeinde und Pfarre stolze 61 Jahre lang als Lehrer, Organist und Mesner diente. Er löste im Jahre 1867 das Lehen aus kaiserlichem Besitz ab. Franz – so ist in der Chronik nachzulesen – hatte drei Töchter, von denen eine, die Agnes, den Löwenwirtssohn Ingenuin Föger heiratete. Bis vor kurzem trugen daher viele Besitzer den Namen Föger. Ingenuin Föger brachte im Haus Schneggenhausen die Poststelle unter. Das Gasthaus „Löwenwirt“ musste dem Neubau eines Supermarktes weichen.

Das Haus Schneggenhausen – gegenüber der Kirche – wurde 2003 von der Gemeinde Obsteig gekauft und  von 2018 bis 2019 restauriert. Es wird zum Wohnen und als Kinderhort genutzt. Das Anwesen ist seit vielen Jahrhunderten ununterbrochen bewohnt und bewirtschaftet. Ein erster Eintrag über das Anwesen findet sich im Stamser Urbar von 1336. In einem Vermerk zu lesen ist, das „Chunrads Sohn von Snekkenhusen“ dem Stift für sein Seelenheil einen Geldbetrag spendierte.

In den landesfürstlichen Lehenamtsbüchern im Tiroler Landesarchiv findet sich das direkt vom Landesfürsten vergebene Lehen Schneggenhausen neben zahlreichen anderen bekannten Ansitzen und Burgen in Nord- und Südtirol. Die erste schriftliche Belehnung eines Mannes mit Schneggenhausen stammt aus dem Jahr 1425, es folgten weitere Eintragungen in den Büchern bis zum Jahr 1867.

Die ausgestellten Sterbebilder im somit legendären Stadel Schneggenhausen offenbaren die wechselhafte Geschichte Obsteigs. Das interessiert auch ortsfremde Besucherinnen und Besucher.

Die Ausstellung bietet sehr viel Hintergrundinformation zum Thema „Sterbebild“. Hansjörg Bader schreibt in seinem Buch: „Die ursprüngliche Aufgabe von Sterbebildchen war der Aufruf zum Gebet. Hinterbliebene konnten für den Verstorbenen dessen Zeit im Fegefeuer verkürzen, indem sie durch Gebete einen Ablass in unterschiedlicher Länge bewirkten.“

Bader dokumentierte die Entwicklung von zur Herstellung der Sterbebilder von 1871 bis heute: „In Zeiten zunehmender Digitalisierung sind gedruckte Sterbebilder noch immer wertvolle Medien zur Erinnerung. Auch für Menschen mit schwächerer religiöser Bindung.“

Nicht zuletzt unterliegen die Sterbebilder einem historischen Wandel. Ulrike Fink hat sich in ihrem Beitrag für den ORF-Tirol damit beschäftigt. Sie schreibt: „Seit mehr als 200 Jahren transportieren die Sterbebilder neben der Religion auch politische Propaganda. Heute verdrängen allerdings zeitgenössische Kunst und Individualität die Religion auf dem Sterbebild.“

Vor gut 50 Jahren wären Sterbebilder in Tirol fast ausgestorben. In der Heute-Zeit feiern sie erfreulicherweise eine Renaissance. Der Grund ist leicht zu verstehen, meint Hansjörg Bader: „Werden für einen Verstorbenen nur wenige Dutzend Bilder bestellt, ist das für Druckereien nicht wirtschaftlich. Die übliche Auflage liegt meist zwischen 20 und 100 Bildern.“

„Wir würden uns freuen“, sagte Chronistin Sabine Ortner, „wenn sich unserem Engagement auch andere Gemeinden anschließen würden. Mit der Analyse von Sterbebildern lässt sich nämlich sehr gut die Entwicklung der Gemeinden dokumentieren. Wir leisten damit außerdem einen Beitrag gegen das Vergessen.“

Die Obsteiger Chronisten möchten bei ihrer Spurensuche weitermachen. „Einer unserer Planungsgedanken wäre ja vielleicht auch ein Buch“, verrät Sabine Ortner am Ende eines erfolgreichen Ausstellungstages. „Dafür brauchen wir aber viel Unterstützung. In jeder Hinsicht. Interessierte dürfen sich uns zur Verwirklichung der Idee gerne anschließen.“

Reichlich Applaus bekamen Margit Offer, Margit und Peter Reich für ihren spontanen Liedvortrag zur Ausstellungseröffnung. Die Idee dazu kam von Peter Reich, der gemeinsam mit Margit Offer im Chor singt.

Warum bist du gekommen
Wenn du schon wieder gehst,
Hast mir mein Herz genommen
Und wirfst es wieder weg,
Ich bin kein Bajazzo,
Bin auch ein Mensch wie du,
und leise schlägt mein Herz dir zu.

„Irgendwie passt das Lied zur Ausstellung“, meinte Sabine Ortner.

Margit Offer zum Hintergrund: „Die Opernfigur aus dem Bajazzo von Leoncavallo war möglicherweise der Ideengeber für das beliebte, mittlerweile zum Volkslied gewordene Lied «Warum bist Du gekommen«. Lorenz Maierhofer hat zu diesem Ohrwurm ein eindrucksvolles Chorarrangement geschrieben, das Sänger und Publikum immer wieder begeistern kann.“

Von den Besuchern war viel Zustimmung zur Sterbebilder-Ausstellung im Stadel Schneggenhausen zu hören. Dieser Einschätzung schließt sich #tirolbayern gerne an und gratuliert allen, vor und hinter den Kulissen, zu der sehr gut präsentierten Ausstellung.

Lob und Anerkennung geht insgesamt an das Chronikteam der Gemeinde Obsteig. Das sind neben Leiterin Sabine Ortner, Hannes Faimann, Herbert Krug, Toni Riser, Klaus Rieser und Martha Witsch.

Aus den privaten Sammlungen von Johannes M. Faimann und Klaus Rieser stammen die meisten Ausstellungsobjekte.

Spuren des Tirolers Hermann Rieser – Vom Tellerwäscher zum gefeierten Bildhauer

Quellenhinweise:

  • Dr. Hansjörg Bader, Sterbebilder, Vom Gebetsaufruf zur Erinnerung, Edition Tirol.
  • Sterbebilder zwischen Politik und Individualität,Ulrike Finkenstedt ORF-Tirol
  • Die Wiedergeburt des Sterbebilds, Judith Sam, Tiroler Tageszeitung
  • Lebendige Geschichte von Schneggenhausen am Mieminger Plateau, Ein Haus im Wandel der Zeit, von Clemens Perktold, meinbezirk.at/Bezirksblätter

Weblinks:

Fotos: Knut Kuckel

[See image gallery at tirolbayern.de]

Der Beitrag Sterbebilder erzählen – „Tot ist nur, wer vergessen wird“ erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/09/28/sterbebilder-erzaehlen-tot-ist-nur-wer-vergessen-wird/feed/ 0 22526
„Gefallen für Gott und Vaterland“ – Gedenktafeln mahnen zum Frieden https://www.tirolbayern.de/2019/09/20/gefallen-fuer-gott-und-vaterland-gedenktafeln-mahnen-zum-frieden/ https://www.tirolbayern.de/2019/09/20/gefallen-fuer-gott-und-vaterland-gedenktafeln-mahnen-zum-frieden/#respond Fri, 20 Sep 2019 11:36:13 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=22024 Die 265 Gedenktafeln der Gefallenen oder vermissten Soldaten zweier Weltkriege an den Aufgängen zur Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen stimmen nachdenklich. Jede Tafel steht für ein verlorenes Menschenleben, ist ein Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges.

Der Beitrag „Gefallen für Gott und Vaterland“ – Gedenktafeln mahnen zum Frieden erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
„Gefallen für Kaiser, Gott und Vaterland“, lese ich auf der Gedenktafel eines Soldaten, der sein Leben im 1. Weltkrieg verlor. Darauf stehen Aussagen wie „Im Gedenken unserer Helden“ oder „Fern von der Heimat und den Lieben, ruht in fremder Erde…“.

In Kriegszeiten hatte der ein oder andere auch „sein hoffnungsreiches Leben für’s Vaterland geopfert“. Dieses und Ähnliches ist auf vielen Tafeln zu lesen. Zu sehen sind meist auch Bilder der Gefallenen oder Vermissten Soldaten.

Jede Tafel ist ein kleines Denkmal.

Vor diesem Hintergrund fragt man sich, passt die Erkenntnis von der Sinnlosigkeit des Krieges nicht auch zu den aktuellen Kriegsschauplätzen dieser Welt?

In Afghanistan, Syrien, im Jemen, Nigeria, Somalia, in der Ukraine, im Südsudan, in Nordwest-Pakistan, Libyen, dem Sinai, Mali und anderswo. Die Liste der aktuellen Kriege und Konflikte bleibt umfangreich. 

Beim Fotografieren der Tafeln, vor der Kirche, die dem Hl. Antonius gewidmet wurde, kommt man mit Menschen ins Gespräch. In allen Gesprächen steht die Sinnlosigkeit von Kriegen im Vordergrund. Die Kirche selbst verdankt Kriegen und Scharmützeln ihre Existenz. Bayern gegen Tirol und umgekehrt und mehr. Weil bei den letzen Erbfolgekriegen die siegreichen Österreicher auf Plünderungen in Garmisch und Partenkirchen verzichteten, brachten einflussreiche Bürger ihren Dank zum Ausdruck, indem sie oberhalb von Partenkirchen ein Kirchlein bauten.

Eine 82jährige Partenkirchnerin, die es schon in jungen Jahren nach Murnau verschlagen hatte, erinnerte sich an die letzten Jahre des 2. Weltkriegs. „Ich war noch ein Kind, zu Kriegsende gerade mal acht Jahre alt. Weiß aber noch, dass alle Familien damals jemanden vermissten. Unsere auch.“

Wann immer es sich einrichten ließe, käme sie mit dem Bus hier her. Zur Familie hätte sie keinen Kontakt mehr, aber das Elternhaus gäbe es noch. Unweit von St. Anton. „Mir wurde immer erzählt, die Zeit heilt alle Wunden. Das stimmt aber nicht. Wenn ich das hier sehe, sind alle Erinnerungen wieder da.“

Und immer wieder werde ich gefragt, weshalb ich die Tafeln fotografiere? Dann sage ich, meine Fotos sollen mahnen und nachdenklich machen. Jedes einzelne Bild erzählt die Geschichte einer ganzen Familie. Die Mütter der Gefallenen und Vermissten der Weltkriege haben ihre Kinder verloren. Wozu? Für wen?

Die meisten Tafeln bitten um ein „Gedenken im Gebet“. Vor jeder Tafel zu beten, scheint mir an nur einem Tag unmöglich zu sein. Bei allem Respekt vor dem Schicksal des Einzelnen. Hier und da versuche ich es. Lese, was drauf steht und stelle mir vor, wie es wohl war, als die Hinterbliebenen der rund 300 Soldaten all die Gedenktafeln an den westlichen Aufgängen zu St. Anton anbrachten?

Daran denkend, spiegeln meine Gedanken laufende Bilder. Wie in einem Film. Mütter, Väter, Großmütter – Tanten, Onkel, Nichten und Neffen – all die Verwandten, für die der Aufgang zur Kirche Ersatz für eine Grabstelle war. Jeder wollte für den verlorenen Angehörigen einen guten Platz finden. Sie kamen wohl alle mit kleinem Werkzeug. Hammer und Nagel. Hier und da auch ein wenig mehr. Montierten die zuvor von einem Handwerker geschnitzten tafelgroßen Denkmäler.

Gedenktafel für Gedenktafel. Jede einzelne ein Zeugnis der Dummheit derer, die sie in diese sinnlosen Kriege entsandt hatten. Damals waren es Kaiser oder Führer, heute sind es Präsidenten, Mullahs, Despoten – all die geistigen Führer einer nach wie vor kriegslüsternen Welt.

Sie führen Kriege im Namen einer Religion oder schlicht aus Hass auf den Nachbarn. Im wahrsten Sinne des Wortes, wahnsinnige, eiskalte Menschen. Besessene, denen es um so Vergängliches wie Macht, Geld oder Einfluss geht.

Mir fällt ein, dass ich als Schüler meinen Geschichtslehrer fragte, warum wir „Geschichte“ lernen sollten? „Damit wir aus der Geschichte lernen“, war seine Antwort. Heute würde ich ihn gerne fragen, was wir – bitteschön – aus der Geschichte gelernt haben?

„Solange es Menschen gibt“, sagt ein älterer Herr, „wird sich daran nichts ändern.“ Das Wort „Blutzoll“ fällt. In kleiner Runde erzählt der Mann, dass er als früherer Finanzdienstleister vielen Menschen mit Einfluss begegnete. Vierzig Jahre lang sagt er, in den meisten Ländern dieser Welt. „Heute bin ich wieder daheim und frage mich, was wir davon haben? Wir zerstören, bauen wieder auf und so weiter und so fort. Denen, die daran verdienen, gehts dabei ganz gut. Alle anderen bezahlen dafür. Viele mit ihrem Leben.“

Über die Begegnungen und Gespräche vor den vielen Gedenktafeln der Gefallenen und Vermissten auf den Stufen von St. Anton in Partenkirchen habe ich im Freundeskreis berichtet. Eine Freundin sagte, sie möchte nicht, dass eines ihrer Kinder eines Tages zum Militär geht. „Sie sollen den Menschen im Leben beistehen, meinetwegen auch, wenn sie sich von dieser Welt verabschieden. Aber nicht ihr Leben auf irgendeinem Schlachtfeld hergeben. Fern von daheim.“

Ich habe ihr meine Bilder gezeigt. Die Stimmung war bedrückend. Ich frage, ob ich die denn wirklich veröffentlichen soll? Macht das denn Sinn, wenn sich ja ohnehin nichts ändert?

Die Freundin sagt dazu: „Gerade deshalb. Als Mahnung vor Krieg und Terror. Vor all dem Wahnsinn, den uns jeden Tag die Medien zeigen.“

Sie lebt in Österreich. Ihr Land hat viele Kriege geführt. Das will man heute und in Zukunft nie wieder. In Wikipedia lese ich dazu: Die Neutralität ist seit ihrer Beschlussfassung am 26. Oktober 1955 – dem Tag, an dem zum ersten Mal keine Besatzungstruppen nach dem Krieg mehr im Lande waren – ein grundlegendes Element in der österreichischen Außenpolitik. Seit 1965 ist der 26. Oktober in Erinnerung daran der Nationalfeiertag Österreichs.

In einem Informationskasten der Kirchenverwaltung von St. Anton wird mit einem Plakat um Spenden für die Kriegsflüchtlinge aus Syrien aufgerufen. Das Plakat titelt: „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“. Ich fotografiere das Plakat und denke, dass passt zum Beitrag. Beinahe würde ich sagen, wie bestellt.

Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen – Dank Dir „Schlampertoni“

Fotos: Knut Kuckel

[See image gallery at tirolbayern.de]

Der Beitrag „Gefallen für Gott und Vaterland“ – Gedenktafeln mahnen zum Frieden erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/09/20/gefallen-fuer-gott-und-vaterland-gedenktafeln-mahnen-zum-frieden/feed/ 0 22024
„92 Grenzsteine und Felszeichen“ – Das Werdenfelser Land symbolisiert eine Burgruine https://www.tirolbayern.de/2019/08/29/92-grenzsteine-und-felszeichen-das-werdenfelser-land-symbolisiert-eine-burgruine/ https://www.tirolbayern.de/2019/08/29/92-grenzsteine-und-felszeichen-das-werdenfelser-land-symbolisiert-eine-burgruine/#respond Thu, 29 Aug 2019 07:27:56 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=21311 "I bin am liabstn dahoam!" sagt der alte Werdenfelser. Zwingen ihn Geschäfte oder Behördengänge sein "Dahoam" kurzzeitig zu verlassen, verkündet er kurz angebunden "Mir fahrn ins Boarland naus". Dann gehts häufig nur nach Murnau, Weilheim oder München.

Der Beitrag „92 Grenzsteine und Felszeichen“ – Das Werdenfelser Land symbolisiert eine Burgruine erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
Selbstbewusstsein ist das Markenzeichen des Werdenfelsers. Das ist sozusagen genetisch vorbestimmt. Heutzutage ist der Alteingesessene zwar schon Bayer, aber in erster Linie noch immer Werdenfelser. Daheim im Werdenfelser Land. Dazu gehören die Gemeinden Mittenwald, Krün, Wallgau, Grainau und Farchant. Seine kulturellen Wurzeln hat der Werdenfelser – wenns hoch kommt – in Partenkirchen.

Für die Werdenfelser waren Murnau und Kochel, Oberammergau, Ettal und Oberau Ausland. Erst mit den Umbrüchen der napoleonischen Zeit kam diese Region zu Bayern.

„Werdenfelser Land“ ist der Name für den Südteil des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Die Region erstreckt sich im Norden bis Farchant, im Osten bis Mittenwald und im Süden und Westen bis an die Grenze Österreichs.

Wenn man die Leute heute im Raum Garmisch-Partenkirchen befragt, woher das „Werdenfelser Land“ seinen Namen hat, zeigen sie nach Farchant, zur Burgruine Werdenfels. Die mittelalterliche Burg Werdenfels gilt als Namensgeberin des Werdenfelser Landes.

Der österreichische Historiker Michael Henker hat sich als in Deutschland tätiger Museumsmann mit der „Geschichte der Grafschaft Werdenfels“ beschäftigt und stellte dabei u.a. fest, dass zu einer Grafschaft auch ein Graf gehören müsse und es einen „Grafen von Werdenfels“ strenggenommen niemals gab.

Michael Henker: „Nur einen einzigen „Grafen von Werdenfels“ kennen die Akten: Der spätere König Ludwig I. von Bayern benutzte als Erbprinz auf seiner Italienreise 1804 diesen Namen als Pseudonym.“

Der Schriftsteller Ludwig Aurbacher, Sohn eines Nagelschmieds in Türkheim, hat mit seiner 1834 veröffentlichten Sage „Die Ruine Werdenfels – Das Fräulein von Schroffenstein“ dem Werdenfelser ein literarisches Denkmal gesetzt. Bei ihm stirbt der reiche Graf von Werdenfels kinderlos, nachdem das Fräulein von Schroffenstein durch eine List, statt seiner, den Grafen von Eschenlohe geheiratet hat und sein ganzer Besitz fällt diesem Grafen von Eschenlohe zu.

Historisch belegt ist, dass Graf Berthold III. von Eschenlohe, der letzte männliche Vertreter der Familie, im Jahre 1294 seine Grafschaften Partenkirchen und Mittenwald an Bischof Emicho von Freising verkaufte.

Die Freisinger sicherten sich das Gebiet und die Rechte der Grafschaft Werdenfels. Sie ließen 1305 eine erste Grenzbeschreibung verfassen. Erst einmal in lateinischer Sprache: „Fines et mete adtinentes praescripto dominio in werdenvels et districtui domini Episcopi pertinente Castro Werdenfels“. Die deutsche Ausfertigung folgte 1316.

Damaligem Brauch entsprechend, enthielten die Grenzbeschreibungen nicht den exakten Verlauf einer Grenzlinie, sondern nur die Angabe markanter Punkte, entlang derer sich der eigene Besitz erstreckte.

Michael Henker: „Ein gravierender Mangel war es freilich, dass 1305 und 1316 nur die freisingische Sicht niedergeschrieben wurde, was den beiden mächtigen Nachbarn Tirol und Bayern in der Folgezeit Gelegenheit gab, Freising besonders im 14. und 15. Jahrhundert großflächig zurückzudrängen. So verlor die Grafschaft Werdenfels an Bayern Gebiete im Loisachtal bei Oberau, im Isartal bei Fall und Vorderriß sowie an Tirol weite Teile des Karwendels, des Leutaschtals und des Seefelder Sattels.“

Zahlreiche Grenzverträge schrieben diese Entwicklungen fest, bis 1768 die Vermarktung endgültig abgeschlossen war. Michael Henker schreibt dazu: „92 Grenzsteine und Felszeichen und 103 Marchbäume markierten nun die Grenzen des Territoriums der Grafschaft Werdenfels.“

Die Freisinger mussten die Anlage schon im 15. Jahrhundert aus Geldnot mehrmals verpfänden.

Ab 1676 beutete man die Veste als Steinbruch aus. Burgsteine wurden nachweislich beim Neubau der barocken Pfarrkirchen von Farchant und Garmisch wiederverwendet. Um den Erhalt der Anlage kümmert sich heute der Verein Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Burgruine Werdenfels.

Im Zuge der Säkularisation kamen Burg und Grafschaft 1802 an das Königreich Bayern. Die etwa 5000 Bewohner der ehemals reichsunmittelbaren Herrschaft konnten sich anfangs nur schwer an ihre neuen Herren gewöhnen. Aus dem Jahr 1806 ist die Klage eines Münchner Beamten überliefert, dass „viele Werdenfelßer noch keine Bairischen Herzen haben!“

1822 erwarb der bayerische Staatsrat Ignaz von Rudhart die Ruine, die sich seitdem in Privatbesitz befindet.

Ackerbau war in der Grafschaft Werdenfels wenig verbreitet. Auch die Viehzucht brachte nur geringe Erträge. Dafür spielten Handel und Gewerbe eine wichtige Rolle für die Menschen. Schon die alten Römer machten aus Mittenwald und Partenkirchen bedeutende Handelsniederlassungen. Zur Blüte gelangten die beiden Gemeinden in der Zeit vom 15. bis zum 17. Jahrhundert.

Die wichtige Straße nach Süden brachte allerdings nicht nur Vorteile, sie diente auch immer mal wieder als Heerstraße. So befestigte Tirol 1632 und 1648 dauerhaft die Talenge bei Scharnitz als Abwehr gegen die Schweden auf Werdenfelser Gebiet. An der Nordgrenze, beim so genannten „Steinernen Brückl“ wurde 1646/48 eine Schwedenschanze errichtet.

Ab 1796 schließlich erlebte Werdenfels wechselnde militärische Besatzungen und Kriegshandlungen von Österreichern, Franzosen und Bayern.

Die Bedeutung der Grafschaft als Nachbar Tirols hatte bereits am 19. August 1802 zur Besetzung durch bayerische Truppen geführt, ehe im November 1802 die kurfürstliche Besitzergreifung das Ende der über 500-jährigen bischöflichen Herrschaft über die Grafschaft Werdenfels markierte.

Seit 1808 unterstand das Landgericht Werdenfels dem Isarkreis, wurde 1810 dem Innkreis und 1814 erneut dem Isarkreis zugeteilt, aus dem 1837 der Regierungsbezirk Oberbayern hervorging.

Und so, wie das Werdenfelser Land erst 200 Jahre bayerisch ist, ist sein weltberühmtes Aushängeschild Garmisch-Partenkirchen erst seit seit 84 Jahren eine Gemeinde. Am 1. Januar 1935 wurde die Vereinigung der beiden benachbarten Orte Garmisch und Partenkirchen zu einer Marktgemeinde von den Nationalsolzialisten wegen der anstehenden Olympischen Winterspiele 1936 erzwungen.

Doch schon 1889 nannte die königlich-bayerische Eisenbahndirektion in weiser Voraussicht den Bahnhof, der zwischen beiden Orten gebaut wurde, „Garmisch-Partenkirchen“. Auch wenn man sich inzwischen aneinander gewöhnt hat, zeigen sich bei näherem Hinschauen noch viele Eigenständigkeiten. Vieles gibt es doppelt. Ski-Clubs, Trachtenerhaltungsvereine, Musikkapellen, Kurparkanlagen und mehr.

Wanderern und Ausflüglern zur Burgruine Werdenfels empfehlen wir zur Einkehr die 770 Meter hoch gelegene Werdenfelser Hütte. Von dort hat man einen schönen Ausblick auf das Loisachtal, Ester- und Wettersteingebirge.

Megscht mitlousn?

Zur Einstimmung empfehlen wir den nachstehenden Film über den Dialekt im Werdenfelder Land und im Innsbrucker Land aus der Sendung vom Bayerischen Rundfunk: Unter unserem Himmel, vom 29. April 2018, Dialekt im Werdenfelser Land und in Nordtirol (44 Min.).

Quellen:

Weblink: hoehenrausch.de/Werdenfelser Hütte

Fotos: Knut Kuckel / #tirolbayern

[See image gallery at tirolbayern.de]

Der Beitrag „92 Grenzsteine und Felszeichen“ – Das Werdenfelser Land symbolisiert eine Burgruine erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/08/29/92-grenzsteine-und-felszeichen-das-werdenfelser-land-symbolisiert-eine-burgruine/feed/ 0 21311
Hochwasserschutz am Faukenbach – Becken und Böschungen wurden gesichert https://www.tirolbayern.de/2019/08/17/hochwasserschutz-am-faukenbach-becken-und-boeschungen-wurden-gesichert/ https://www.tirolbayern.de/2019/08/17/hochwasserschutz-am-faukenbach-becken-und-boeschungen-wurden-gesichert/#respond Sat, 17 Aug 2019 15:57:55 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=20444 Wer sich auf den Weg zum Wank macht, hat oberhalb der Schalmeischlucht einen prominenten Blick auf die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und Wetterstein. Talwärts fließt der Faukenbach in die Ober- und Unterwelt von Partenkirchen.

Der Beitrag Hochwasserschutz am Faukenbach – Becken und Böschungen wurden gesichert erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
Gut gepflegte Wanderwege führen unterhalb der Hacker-Pschorr-Brücke in zwei Richtungen durch Fauken- oder Schalmeischlucht. Heute kaum vorstellbar, wie das Umfeld unter der Faukenschlucht noch vor 14 Jahren aussah.

Viel ist zwischen 2012 und 2015 am Fauken-Oberlauf passiert: Gestaffelte Sperren wurden oberhalb Partenkirchens eingebaut, Hänge stabilisiert, ein Rückhaltebecken erweitert. Eine vorherige Sperre am Talausgang wurde erhöht.

Auch wenn noch immer einiges zu tun ist, die Hochwasserschutz-Projekte in Garmisch-Partenkirchen machen sichtbare Fortschritte. Für den Landkreis ist Horst Hofmann für Hochwasserschutz zuständig. In einem Gespräch mit dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt sagte er noch vor kurzem: „Am Fauken muss dringend etwas passieren. Und zwar noch mehr, als schon passiert ist.“

Oberhalb des Gebirgsbaches haben sich Fachleute intensiv mit Murenabgängen und Hangrutschen befasst, die schon zu starken Überflutungen im Ortsteil Partenkirchen geführt haben. „Vom Rathaus aufwärts, mussten wir durchs Wasser gehen,“ erinnert sich eine Anwohnerin an das Hochwasser im August 2005. Dort, wo sie wohnt, war „Land unter“.

Starke Niederschläge und Hochwasser führten entlang der Gebirgsbäche Kanker, Partnach und Fauken zu Hangrutschen und Murenabgängen. Heute ist Garmisch-Partenkirchen besser gerüstet. Ein Rückhaltebecken sorgt dafür, dass die Wassermassen erst gar nicht in den Ort kommen.

Die Wildbäche, die mitten durch die Marktgemeinde fließen, wurden zum Teil schon tiefer gelegt und die Läufe mit Beton ausgekleidet, damit sich kein Holz mehr verkeilt. Doch der Komplettausbau ist noch nicht vollzogen.

Rund 30 Millionen Euro wurden seither in Bayerns größtes Hochwasserschutzprojekt investiert. Land und Marktgemeinde teilen sich die Zuständigkeit. Oberirdisch trägt das Land Bayern Verantwortung, unterirdisch wird Garmisch-Partenkirchen in Anspruch genommen.

Die Marktgemeinde hat Ende 2018 ein Ingenieurbüro beauftragt, Planungsvorschläge für den Ausbau zu machen. Im Oberlauf habe man seine Hausaufgaben gemacht, sagten die Verantwortlichen vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim,

Die Wildbäche, die mitten durch die Marktgemeinde fließen, wurden zum Teil schon tiefer gelegt und die Läufe mit Beton ausgekleidet, damit sich kein Holz mehr verkeilt. Doch der Komplettausbau ist noch nicht vollzogen.

Wer in Partenkirchen statt über das Hasental, den Schalmeiweg Wank aufwärts wählt, kann im Hochwasserschutzbereich auf Informationstafeln nachlesen, was vor Ort getan wurde. Das ist nicht wenig.

In einer Sofortmaßnahme wurde nach dem Hochwasser im Sommer 2005 ca. 6000 m³ Geschiebe und Wildholz entfernt. Becken und Böschungen wurden mit Wasserbausteinen gesichert.
Seit Sommer 2012 wurden vier Gabionensperren und eine Betonsperre errichtet. Gabionenwände sind mit Stein gefüllte Drahtkörbe. Im Stecksystem beliebig erweiterbar.

Weblink:
 Hochwasserschutz Faukenbach, Garmisch-Partenkirchen, Wasserwirtschaftsamt Weilheim

Fotos: Knut Kuckel / #tirolbayern

[See image gallery at tirolbayern.de]

Der Beitrag Hochwasserschutz am Faukenbach – Becken und Böschungen wurden gesichert erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/08/17/hochwasserschutz-am-faukenbach-becken-und-boeschungen-wurden-gesichert/feed/ 0 20444
400 Jahre Salzgeschichte im Chiemgau – Höhepunkt ist der historische Samerzug https://www.tirolbayern.de/2019/08/09/400-jahre-salzgeschichte-im-chiemgau-hoehepunkt-ist-der-historische-samerzug/ https://www.tirolbayern.de/2019/08/09/400-jahre-salzgeschichte-im-chiemgau-hoehepunkt-ist-der-historische-samerzug/#comments Fri, 09 Aug 2019 16:16:11 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=19971 Der historische Samerzug hat Tradition. Gefeiert wird heuer „400 Jahre Salzgeschiche“. Jubiläumsauftakt war im Holzknechtmuseum in der Ruhpoldinger Laubau. Das Salz und die Holzwirtschaft prägen den Chiemgau. Heute wie damals.

Der Beitrag 400 Jahre Salzgeschichte im Chiemgau – Höhepunkt ist der historische Samerzug erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
Die älteste „Pipeline“ der Welt wurde vor 400 Jahren gebaut. Sie transportierte Salz und machte die früheren Salzfuhrleute, überflüssig. Die treibenden Kräfte waren zu jener Zeit sieben neu entwickelte Pumpwerke. So überwand „die erste Pipeline der Welt“ einen Höhenunterschied von 250 Metern nach Traunstein. In der waldreichen Region gab es genügend Holz, um die Siedepfannen zu befeuern.

Am Freitag, dem 9. August 2019 trafen sich alle Beteiligten zum Jubiläumsauftakt bei den Ruhpoldingern Holzknechten in der Schneckenbach Stub’n. Die Stube wurde im Jahr 1879 erbaut und stand ursprünglich im Rachelgraben, bei Reit im Winkel. Im Holzknechtmuseum fand die Schneckenbach Stub’n ein bleibendes Zuhause und wird seither auch für Feierlichkeiten und zu besonderen Anlässen genutzt.

Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid begrüßte die Gäste. „Wir lassen Euch ohne Stärkung nicht auf den beschwerlichen Weg gehen“, sagte die Gastgeberin.

Am Holzofen wurde ein echtes „Holzknecht-Muas“ zubereitet. Ein einfaches und schnell zubereitetes Pfannengericht. Zwei Urgesteine des Vinzenzi-Vereins zeigten, wie man das kocht. Georg Bichler, der aktuelle Vorstandsvorsitzende des Holzknechtvereins und Josef Egger – mehr als 46 Jahre aktiv für seinen Verein – standen am Herd und waren mit der Zubereitung des Pfannengerichtes beschäftigt.

Sprachkundige sind sich uneins. Heißt es „Mues“ oder „Muas“? Dazu war auf alle Nachfragen hin, keine verlässliche Auskunft zu bekommen. Auch nicht von den beiden leibhaftigen Urgesteinen der Holzknechte. Deshalb behaupten wir – bis uns jemand vom Gegenteil überzeugt – in der oberbayerischen Sprache darf es so oder so geschrieben werden. Für die Holzknechte im Chiemgau war das „Muas“ jedenfalls eine Kraftnahrung. Die brauchten sie, um in den Bergwäldern ihre Schwerstarbeit zu verrichten.

„Es war das traditionelle Essen der Holzknechte“, sagt Georg Bichler, der Vorstand des legendären Ruhpoldinger Holzknechtvereins. Und alles musste damals schnell gehn. „In einer Stunde war die Sache erledigt. Dann ging es wieder in den Wald.“

Der „Muas“ war eine einfache Mahlzeit. Hauptbestandteile waren Wasser, Butterschmalz, Weizenmehl und Salz. Das musste reichen. Dreimal täglich gab es den „Holzknechtmuas“. Tagein, tagaus. Jahr für Jahr.

Für die hart arbeitenden Waldarbeiter musste das genügen. Zwischendurch gab es mal etwas extra.

Zur Erinnerung: der Holzknechtverein feierte erst im Frühjahr sein 400jähriges Jubiläum. Die Salzgeschichte der Region ist ohne die Leistung der Waldarbeiter kaum vorstellbar. Sie schlugen das Holz, das für die Saline in Traunstein und andernorts gebraucht wurde.

Holzknechtverein feierte 400-Jahr-Jubiläum – „Nachwuchs gesichert“

Christl Paretzke und Hans Sattlberger präsentierten den Jodler „Üblbacher“ zum Frühstück. Anschließend überbrachte der „Kirabiche Viergsang“ ein Ständchen. Die Gesangsgruppe ist regional bekannt. Zu ihr gehören Bürgermeister Claus Pichler, Pastoralreferent Georg Gruber, Bauamtsleiter Hans Hechenbichler und Kirchenpfleger Konrad Fegg.

Mit von der Partie waren auch Mitglieder vom Theaterverein Siegsdorf, die zur Eröffnung des historischen Samerzuges mit dem Stück „Aufruhr der Salzfuhrleute“ sozialkritischen Einblick in die Geschichte der Samer vor 400 Jahren gewährten. Das Bühnenstück schrieb Sepp Knott, Maria Mader war für das Arrangement verantwortlich. Dem begeisterten Publikum wurde mit dem Stück und die Vergangenheit auf in die Heute-Zeit übersetzt. Informativ und unterhaltsam.

Der Autor des Stück war unter den Gästen in der Schneckenbach Stub’n. Bei Führungen erzählt Josef Knott als „Salzmaier“ Geschichten über das Leben und die Arbeit in der Saline Traunstein. Seine Geschichten spielen in der Zeit um das Jahr 1800. Für die Stadt und die Menschen war das Salz in dieser Zeit das „weiße Gold“. Aus ihrer Sicht von unschätzbarer Bedeutung. Der „Salzmeier“ und die Samer lassen die Salzgeschichte des Chiemgaus wieder aufleben.

Wer weiß denn noch heute, was die Samer so alles zu tun hatten? Früher hieß das Verfrachten von Lasten „Säumen“. Die Samer (Säumer) transportierten auf ihren Pferden neben anderen Gütern auch das Salz der Saline in Reichenhall in den Chiemgau. Ab 1619 übernahm diese Aufgabe die Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein.

Die Gemeinden Ruhpolding, Inzell, Siegsdorf und die Kreisstadt Traunstein waren Veranstalter des Samerzuges.

Bürgermeister Claus Pichler (Ruhpolding) begrüßte seine Gäste. Darunter Oberbürgermeister Christian Kegel aus Traunstein, sein Siegsdorfer Kollege Thomas Kamm und Hans Egger, 1. Bürgermeister von Inzell.

Ein paar Worte zur Begrüßung sprach auch Herbert Ringsgwandl, Leiter der Tourist-Info Ruhpolding. Er ist der Bruder von Hildegard Ringsgwandl, die als Ärztin im populären Dokumentationsfilm „Alpgeister“ mitwirkt. Getroffen haben wir darüber hinaus auch bekannte Journalistinnen und Journalisten, darunter ein Team vom Bayerischen Rundfunk.

Nach dem Festakt mit Bühnenstück machten sich die Samer auf den Weg. Insgesamt elf Salzfuhrleute wanderteten mit ihren sieben bepackten Saumrössern über Inzell und Siegsdorf in die einstige Salinenstadt Traunstein. Der Samerzug wurde von Michi Sattelberger geführt, der von seinem Bruder, Hans Sattelberger, vor kurzem die Leitung des Zuges übernommen hat.

Und so gehts weiter: Die Ruhpoldinger Samer werden am Samstag mit ihren Pferden gegen 14 Uhr am Wochinger Spitz in Traunstein erwartet und vom Fanfarenzug der Veitsgroma Zunft zum neu eröffneten Salinenpark begleitet. Dort wird weiter gefeiert: So wird mit einer großen Sudpfanne, die aus Bad Reichenhall ausgeliehen wurde, das alte Handwerk des Salzsiedens vorgeführt. Das Salz kann in kleinen Säckchen gekauft werden.

Das „weiße Gold“ prägte über viele Jahrhunderte hinweg die Kulturgeschichte Südostbayerns. Das Lebens-, Würz- und Konservierungsmittel war unverzichtbar und wurde teuer gehandelt.

Neben den Pferdegespannen der Samer und dem Festwagen zum Deichelbau, treten Gruppen von Holzknechten und Eisenarbeitern, die Schäffler sowie die Nicolaibruderschaft aus Wasserburg bei den Feierlichkeiten auf.

Weblinks:

Fotos: Knut Kuckel

[See image gallery at tirolbayern.de]

Der Beitrag 400 Jahre Salzgeschichte im Chiemgau – Höhepunkt ist der historische Samerzug erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/08/09/400-jahre-salzgeschichte-im-chiemgau-hoehepunkt-ist-der-historische-samerzug/feed/ 4 19971
„Haftie“ zum siebten Gebot – „In der Kirche klaut man nicht“ https://www.tirolbayern.de/2019/08/07/haftie-zum-siebten-gebot-in-der-kirche-klaut-man-nicht/ https://www.tirolbayern.de/2019/08/07/haftie-zum-siebten-gebot-in-der-kirche-klaut-man-nicht/#respond Wed, 07 Aug 2019 02:45:54 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=19687 Sooft es geht, besuche ich bei mir daheim St. Anton. Nicht nur unter Wallfahrern und Andacht suchenden ein geschätztes Gotteshaus, leider wohl auch bei Ganoven. Ein „Haftie“ über den Auslagen lässt diese Vermutung zu.

Der Beitrag „Haftie“ zum siebten Gebot – „In der Kirche klaut man nicht“ erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
Bevor man die Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen verlässt, hat man die Möglichkeit, noch etwas mitzunehmen. Für kleines Geld. Ganz legal. Ein Kreuz und eine Alltagsbibel, Postkarten mit dem Motiv des Heiligen Antonius oder vergleichbar andere schöne Dinge.

„Lieber Dieb, in der Kirche klaut man nicht!“ haben die Hausherren der schönen Kirche auf einen Klebezettel über diese Auslagen geschrieben. Umgangssprachlich – wohl in der Hoffnung, so besser von der Zielgruppe verstanden zu werden. Die Bitte, an diesem Ort das Stehlen zu unterlassen, berührt und macht nachdenklich.

Das Antoniuskirchlein in Partenkirchen wird von Franziskanern behütet. Sie werden gute Gründe für ihre Aktion haben. Sie kämen ansonsten wohl kaum auf die Idee, solch einen Hinweis über Kerzen und Kreuze zu hängen?

Die freundlichen Ordensleute können die hohe Kostenbelastung zum Erhalt der Kirche verständlicherweise nicht alleine tragen. Ohne Spenden und andere Einnahmen gäbe es Kirchen wie die ihre nicht mehr. Umso verständlicher ist es, dass die Partenkirchner Franziskaner jene bitten, die wenig Respekt vor dem Eigentum anderer haben, auf das Klauen in ihrem Hause freundlicherweise zu verzichten.

Könnte ja sein, dass der ein oder andere Dieb nach Lektüre des Klebezettels überraschenderweise bekehrt umkehrt und auf das Klauen verzichtet. Ja, ich weiß, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber vorschnell aufzugeben, macht ja auch keinen Sinn.

Obwohl weniger Kunstgegenstände als früher gestohlen werden, „klauen sie in Gottes Häusern noch immer wie die Teufel“, sagen dazu Bayerns Kunstfahnder. Immer weniger Menschen würden sich heute noch Heilige ins Wohnzimmer hängen, hört man, das sei wohl der Grund, für die Rückläufigkeit der Straftaten.

Kleine Kirchen und Kapellen stehen bei Dieben hoch im Kurs, weil sie sich dort – meist unbeobachtet – ihrem schändlichen Tun hingeben können. Im oberbayerischen Murnau wurden vor wenigen Wochen gleich zwei kirchliche Einrichtungen überfallen. In der Riedhauser Kapelle wurde der Opferstock kurzerhand mit Hilfe eines Feuerlöschers geknackt. Geschätzte 80 Prozent der Diebstähle in Kirchen entfielen auf Opferstöcke, sagte LKA-Fahnder Franz Weber kürzlich im Münchner Kirchenradio.

Bei den Dieben handelte es sich in der Vergangenheit oft um Einzeltäter oder um kleine Banden, so der Polizeibeamte. Meist ist der Geldwert des Diebesguts gering. Anders in der Murnauer Christuskirche, dort schätzt man den Verlust nach einem kürzlichen Einbruch auf 500 bis 1000 Euro.

Dr. Peter Kottlorz, Senderbeauftragter der Katholischen Kirche am Südwestrundfunk, beschäftigt sich gelegentlich mit der Thematik in seinen Radiosendungen. Als es dabei einmal um das siebte Gebot ging, meinte Pfarrer Kottlorz: „Es gibt Menschen die klauen aus Wut. Aus Wut darüber, dass sie ungerecht behandelt werden. Manche Menschen klauen aus Not, aus materieller oder seelischer Not. Und manche klauen einfach aus Bosheit.“

Achten wir also ein wenig aufeinander, damit es gar nicht so weit kommt. Und denken gelegentlich auch an das siebte Gebot: „Du sollst nicht stehlen!“

Radio-Pfarrer Peter Kottlorz zum 7. von insgesamt zehn Geboten: „Ein so uraltes wie sinnvolles Gebot. Denn wenn das Eigentum des Anderen nicht unangetastet bleibt, dann gibt es Hauen und Stechen oder bestenfalls Chaos.“

Das Gebot gilt nach gültiger Rechtssprechung übrigens auch für Atheisten. Sich darauf zu berufen, nicht an Gott zu glauben, macht in diesem Zusammenhang somit wenig Sinn.

Aber mal unterstellt, die Menschen würden sich in ihrer Mehrheit an die zehn Gebote halten – egal, ob sie an Gott glauben oder nicht, wäre unsere Welt vermutlich ein „Himmelreich“ auf Erden.

Ich meine, selbst in dem Wissen, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, können wir den Dieben und anderen Fehlgeleiteten dieser Welt noch so viele Vorschläge für ein aufrechtes Leben machen, sie werden unsere Empfehlungen nicht lesen.

Auch dann nicht, wenn wir ihnen versprechen, dass Geben wirklich seliger ist denn nehmen.

Wer Antonius verehrt, glaubt u.a., dass der Heilige beim Wiederauffinden verlorener Gegenstände behilflich sein könnte. In Bayern hat er sich in diesem Sinne als Schutzpatron der „Schlamperten“ verdient gemacht, im Rheinland als „Schussels Tünn“.

Im Glauben daran, könnten die Fahnder ja gelegentlich dem Antonius die ein oder andere Kerze widmen. Oder am besten gleich bei ihm sitzen bleiben. Das schreckt ganz sicher Diebe und andre Ungustl ab.

Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen – Dank Dir „Schlampertoni“

Fotos: Knut Kuckel / #tirolbayern

[See image gallery at tirolbayern.de]

Der Beitrag „Haftie“ zum siebten Gebot – „In der Kirche klaut man nicht“ erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/08/07/haftie-zum-siebten-gebot-in-der-kirche-klaut-man-nicht/feed/ 0 19687
Tour zum Sonnenberg im Werdenfelser Land – „Gipfelgespräche“ am Wank https://www.tirolbayern.de/2019/07/31/tour-zum-sonnenberg-im-werdenfelser-land-tirolerisch-bayerische-gipfelgespraeche-am-wank/ https://www.tirolbayern.de/2019/07/31/tour-zum-sonnenberg-im-werdenfelser-land-tirolerisch-bayerische-gipfelgespraeche-am-wank/#respond Wed, 31 Jul 2019 13:56:19 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=19486 Wir wollten mal wieder in aller Ruhe über all das reden, was Tiroler und Bayern seit ein paar Wochen bewegt. „Und dabei möchten wir von Dir auch dorthin geführt werden, wo Du in Deiner neuen Heimat am liebsten bist", schlägt der Freund aus dem Nachbarland vor.

Der Beitrag Tour zum Sonnenberg im Werdenfelser Land – „Gipfelgespräche“ am Wank erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
So kam es zu den „Tirolerisch-Bayerischen Gipfelgesprächen“ am Wank in Partenkirchen. „Gipfelgespräche“ in Be­zug auf den rund 18-hundert Meter hohen Wankgipfel, den wir uns als Etappenziel ausgesucht hatten.

Die Kapellers aus Mieming gehören zu meinen besten Freunden. Nicht nur in Tirol, sondern auch darüber hinaus. Ich bin mit Daniela, Martin und ihren Kindern Theresa und Manuel schon seit ein paar Wochen verabredet. Bei mir daheim, in Partenkirchen, waren sie in den vergangenen zwölf Monaten schon häufiger auf Besuch.

„Unser Vieh ist seit Mitte Juli auf der Hochfeldern Alm, die Kinder haben Sommerferien, jetzt könnten wir uns mal wieder treffen“, schlug Martin vor. Als wir zuletzt miteinander telefonierten, ging es – wie immer – auch um Aktuelles. Themen, die den Menschen unserer beider Länder auf den Nägeln brennen und täglich für Schlagzeilen sorgen.

„Wie reagiert man in Bayern auf die Tiroler Verkehrspolitik?“ Die Frage stellte mir Martin Kapeller, kurz nachdem sich Deutschland und Österreich auf einen Maßnahmen-Plan für eine Entlastung des ständig wachsenden Transitverkehrs einigten.

Meine Antwort war: „Ich denke, das jüngste Treffen unserer beider Länder in Berlin, ist vom Ergebnis her mit dem Begriff „Eintracht“ auf den Punkt gebracht. Ein wenig.“

So geht’s hin und her. Dann fragt mich Martin, wie denn die Stimmung sei, bezüglich der Tiroler Blockabfertigungen. Der Fahrverbote auf den alten Landstraßen am Brenner und darüber hinaus?

„Ich habe mir, in Vorbereitung auf unser Gespräch, um die 200 Kommentare zu einem ARD-Tagesschau-Beitrag zum Transitgipfel in Berlin durchgelesen“, so meine Antwort. „Die Kommentarschreiber hatten vielfach Verständnis für die Tiroler Verkehrspolitik. Der Tenor: Österreich tut was und Deutschland redet nur.“

Wir unterhalten uns aber nicht nur über Politik, dass wäre hier und heute Zeitverschwendung.

Nach einer Tasse Kaffee bei mir daheim, machen wir uns auf den Weg zur Wankbahn-Talstation. Besuchen vorab die Wallfahrtskirche St. Anton. Die liegt auf dem Weg zur Talstation. Dort angekommen, zünden wir am Altar vom Heiligen Antonius ein paar Kerzen an und beten. Jeder für sich. Ich erkläre, weshalb man den „Antoni“ in Partenkirchen auch Schlampertoni“ nennt. Die Geschichte war mal Thema in #tirolbayern.

Dann schauen wir uns gemeinsam einen Teil der insgesamt 265 geschnitzten Gedenktafeln der Gefallenen oder vermissten Partenkirchner Soldaten der letzten Weltkriege an. Die hängen im westlichen Aufgang zur Kirche. Mehrheitlich junge Menschen. Todesursache: Heldentod. Gefallen fürs Vaterland. Wir stehen davor und fragen uns, wozu sind Kriege da?

Daniela meint, man könne doch eine jährliche Wallfahrt zu den Tafeln der Kirche St. Anton anregen, um friedlich gegen alle Kriege und Gewaltmonopolisten dieser Welt zu protestieren.

Ich verspreche, mich schon bald einmal ausführlich mit diesem sinnvollen Vorschlag zu beschäftigen. Wir gehen weiter und sprechen über aktuelle Gesellschaftsfragen. Woran das wohl liegen mag, dass Gier und Egoismus anscheinend zunehmen? Wird die Masse der Gesellschaft wirklich dümmer? Oder kommt uns das nur so vor?

Wir bekommen Berg- und Talkarten für die Wankbahn, machen noch ein paar Erinnerungsfotos und steigen ein. Martin und die Kinder vorne, Daniela und ich, in der Gondel dahinter.

Die Fahrt bis zur Mittelstation dauert nur ein paar Minuten, die wir zur Fortsetzung unserer Talgespräche nutzen. Wir reden über persönliche Erlebnisse, die einem Demut abverlangen. Daniela sucht auf ihrem Handy dazu ein passendes Foto aus. Über einem Gipfelkreuz öffnet sich der Himmel. Beim Betrachten des Bildes stimme ich zu, „beim Anblick dieses Bildes sind wir mit all unseren großen und kleinen Sorgen ziemlich unbedeutend.“

Wir passieren die Mittelstation und sehen dann auch schon den Wankgipfel. Die Bergstation mit Sonnenalm hinter uns lassend, gehen wir die wenigen Schritte weiter zum Wankgipfelhaus. Von dem Rundum-Panorama sind wir alle überwältigt.

Ich erzähle vom ersten Wankbahn-Plakat, mit dem die Partenkirchner vor 90 Jahren Sommerfrischler und „Brettlbesitzer“ auf ihren 1780 Meter hohen Hausberg lockten. Nachdrucke könne man noch heute – hier und da – kaufen.

Auf dem Plakat war eine, der ersten Kabinen abgebildet und vor der Kulisse von Alp- und Zugspitze stand in Großbuchstaben „PARTENKIRCHEN – RUNDBLICK AUF 400 ALPENGIPFEL“. Niemand von uns hatte Lust, nachzuzählen, ob wir hier oben, wirklich 400 Gipfel sehen können. Wir waren uns aber einig, das muss so sein.

Die Wank-Bahn wurde am 4. Mai 1929 eröffnet. Peter Blath zitiert in seinem Buch „Gipfelstürmer im Werdenfelser Land“ den Verfasser der ersten Presseinformationen. Der schrieb damals: „In schmucken Kabinen fährt man an einer Seillänge von 2.670 m absolut betriebssicher – ein Reißen der aus 115 Stahldrähten bestehenden, 47,5 Millimeter Durchmesser betragenden Tragseile, ist unmöglich – in zehn Minuten auf den Wank – den Sonnenberg des Werdenfelser Landes.“

Etwa zur gleichen Zeit wurde durch den Volkstrachten-Verein Werdenfelser Heimat Partenkirchen auch das „Gipfelkreuz mit großer Kraftanstrengung auf den Wank gebracht und dort errichtet.“ Für meinen Beitrag in #tirolbayern bitte ich meine Freunde, ein Gipfelkreuz-Foto machen zu dürfen.

1960 erwarb die Alpenvereins-Sektion Garmisch-Partenkirchen das Grundstück, auf dem heute das Wankhaus steht, für 52-tausend Mark von der Bayerischen Forstverwaltung und ist seitdem Eigentümer der Fläche auf dem Wankgipfel.

Ein Kuriosum, in diesem Zusmmenhang: der Tiroler Martin Kapeller erzählte mir die Geschichte des Wankhauses im oberbayerischen Partenkirchen. Am Stiegenaufgang, unter dem Schild, das sowohl auf den Eigentümer, den Deutschen Alpenverein verweist als auch auf den heutigen Namensgeber, Alois Huber, erzählt mein Freund, dass die damalige Hüttenwirtin, Susanne Riesch, das frühere Wankhaus in „Alois-Huber-Haus“ umbenannte.

„Heute würde wir sagen, der Wank war schon zur damaligen Zeit ein Publikumsmagnet. Voran ging es besonders Anfang der 1900er Jahre. Damals war Alois Huber Schatzmeister und Hüttenreferent der örtlichen Alpenvereins-Sektion. Sein Einkommen verdiente er sich als Schnitzschul-Fachlehrer. Von ihm stammte wohl auch die erste Inneneinrichtung.“

Alois Huber sei heute noch vielen Berglern in Tirol bekannt. Dazu gehörten auch Menschen seiner Generation, erzählt mir der 43jährige Martin Kapeller.

Von der Terrasse schauen wir auf das Alpenvorland und sind für einen Moment ganz still. Die Aussicht bewegt. „

Schön ist es hier, wo wir leben“, sagte Martin spontan und blättert dabei in der Speisekarte des Wankhauses. Dann lacht er plötzlich laut auf und bittet mich, von einem Eintrag der Hüttenwirtin Martina Simon ein Foto zu machen. „Das glaubt mir daheim sonst wieder kein Mensch!“

Für alle nachlesbar in der nachfolgenden Bilder-Galerie zu diesem Beitrag.

Der humorvolle Eintrag der Hüttenwirtin zielt auf Vieles ab, was in unseren Gesprächen schon thematisiert wurde.

Wir bedanken uns bei der freundlichen Kellnerin, für das sehr gute Essen und den zugewandten Service. Bei über 200 Gästen – mehr als anerkennenswert.

Auf der Terrasse und im Hüttengasthaus saßen um uns herum, zum Teil aufgeregte und gestresst wirkende Menschen, mit kleinen und großen Kindern, Hunden und vergleichbaren Haustieren, an langen und kurzen Leinen, die offensichtlich alle keine Zeit hatten und mehrheitlich um eine rasche Bedienung baten.

Atmosphärisch umgab uns ein scheinbar undurchdringbares Stimmengewirr.

Die Zeit verging und mit Blick auf den sich ankündigenden Wetterumschwung, machten wir uns auf den Rückweg. Von der Mittelstation wählten wir für den Abstieg den Fußweg, der zwar für Menschen meiner Kondition etwas beschwerlich war, aber dafür viel Vergnügen machte.

Die Kapellers waren ja, Gottseidank, meine fürsorglichen Begleiter. Sie stützten mich in der ein oder anderen Kehre. Ihre Stöcke gaben mir zusätzlichen Halt und dank ihrer Wasservorräte war ich nie in Gefahr, zu dehydrieren. Die Glocken der Werdenfelser Milchkühe hörten wir beim Eintreffen am Josefsbichl.

Nachdem wir uns am „Gute-Hirtn“-Brunnen (unterhalb des nahen Partenkirchner Hasentals) frisch machten, durfte ich mich später in Garmisch bei allen für ihre Hilfe mit einer Runde Eisbecher bedanken.

Heute spüre ich noch jeden Muskel, worüber ich mich freue. Das war nämlich ein ganz besonders schöner Tag, gestern, am „Sonnenberg im Werdenfelser Land“.

Hochwasserschutz am Faukenbach – Becken und Böschungen wurden gesichert

Weblinks:

Fotos: Knut Kuckel / #tirolbayern

[See image gallery at tirolbayern.de]

Der Beitrag Tour zum Sonnenberg im Werdenfelser Land – „Gipfelgespräche“ am Wank erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/07/31/tour-zum-sonnenberg-im-werdenfelser-land-tirolerisch-bayerische-gipfelgespraeche-am-wank/feed/ 0 19486
Tiroler Volksschauspiele – Erfolgreiche Uraufführung von Mitterers “Verkaufte Heimat” https://www.tirolbayern.de/2019/07/27/tiroler-volksschauspiele-erfolgreich-urauffuehrung-von-mitterers-verkaufte-heimat/ https://www.tirolbayern.de/2019/07/27/tiroler-volksschauspiele-erfolgreich-urauffuehrung-von-mitterers-verkaufte-heimat/#respond Sat, 27 Jul 2019 07:22:20 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=17228 Großer Premierenerfolg von Felix Mitterers „Verkaufte Heimat“ bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs. Das Stück bringt Licht ins Dunkel der Tiroler Zeitgeschichte, setzt ein Zeichen wider das Vergessen. Mitterer hatte sein TV-Stück „Das Gedächtnis der Häuser“ für die Bühne umgeschrieben.

Der Beitrag Tiroler Volksschauspiele – Erfolgreiche Uraufführung von Mitterers “Verkaufte Heimat” erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
Uraufführung war am Donnerstag, dem 25. Juli 2019. Spielzeit ist noch bis 31. August. Als außergewöhnlicher Aufführungsort steht den Theaterleuten die Südtiroler Siedlung in Telfs zur Verfügung.

Die Tiroler Tageszeitung schreibt zur Premiere: „Brillant in seiner Bösartigkeit ist Oliver Jaksch als Oberfaschist Podestá, der kein deutsches Wort duldet. Und Francesco Cirolini ist als Wirt Paul Kofler begnadetes Schlitzohr, Plappermaul und Aufwiegler in Personalunion.“

Seit 1919 gehört Südtirol zu Italien. Deutschsprachige mussten sich 20 Jahre später entscheiden: Bleiben oder auswandern. Der Bruch in der Gesellschaft ging quer durch die Dörfer.

Felix Mitterer zum Hintergrund: „Vor 100 Jahren, nach dem 1. Weltkrieg, kam Südtirol zu Italien. Im Faschismus wurden Abertausende von Italienern ins „Alto Adige“ geschickt, die Bozner Industriezone errichtet, Wohnungen nur für die Zuzügler erbaut sowie die deutsche Sprache verboten.“

Rückblick: Im Friedensvertrag von Saint-Germain 1919 nach dem Ersten Weltkrieg wurde unter anderem Tirol geteilt, Südtirol gehört seither zu Italien.

Auf Grund des Hitler-Mussolini-Abkommens mussten sich die Südtiroler 1939 entscheiden, ob sie bleiben und sich als italienische Staatsbürger bekennen möchten, oder ob sie ins „Deutsche Reich“ auswandern und deutsche Staatsbürger werden wollen. Hitler und Mussolini begannen sofort, mit ihrer Propaganda-Maschinerie auf die Südtiroler einzutrommeln.

Felix Mitterer: „Abstimmen durften nur die Familienväter. Die einen wollten gehen, die anderen bleiben. Gute Nachbarschaften hatten ein Ende, die Dableiber galten als „walsche Verräter“, die Geher als „Heimatverräter“.“

Ende 1939 hatten sich 86% der Südtiroler fürs Gehen entschieden.

1940 begann man, in mehreren Tiroler Gemeinden Südtiroler-Siedlungen zu bauen, so auch in Telfs. Die Auswanderer kamen, die jungen Männer wurden bereits am Bahnhof Innsbruck zum Kriegsdienst einberufen. Die Familien bezogen die für sie gebauten Wohnsiedlungen. Hier hörte der Konflikt nicht auf, denn die Häuser waren für damalige Begriffe sehr luxuriös, hatten Wasser, Toiletten und Bäder in den Wohnungen. Die Einheimischen waren empört und ließen die Südtiroler das auch spüren.

1989, zum 50-Jahre-Gedenken, wurde über die Option unter dem Titel „Verkaufte Heimat“ ein Zweiteiler im Fernsehen gezeigt; ich durfte die Bücher schreiben, Karin Brandauer führte Regie.

Nach diesen Drehbüchern schrieb ich nun für 2019 zum 80-Jahre-Gedenken an die Option ein Theaterstück für die Tiroler Volksschauspiele. Aufführungsort ist die Telfer Südtiroler-Siedlung, die gerade von der „Neuen Heimat“ etappenweise abgebrochen und neu erbaut wird. Eine der ausgewanderten Familien zieht nun (was im Drehbuch nicht vorkam) in die Siedlung ein. Die Idee zu diesem Großprojekt hatte Markus Völlenklee, die „Neue Heimat“ unterstützt uns dabei tatkräftig. Klaus Rohrmoser führt Regie. Er sagt: „Wir erzählen die Geschichte eines kleinen Volkes, das von der Politik unterdrückt und manipuliert wurde, bis es nicht mehr wusste, wie ihm geschah.“

Markus Völlenklee (Obmann Tiroler Volksschauspiele): „Die Tiroler Volksschauspiele sind weit über die Grenzen Tirols hinaus für ihre ungewöhnlichen Locations berühmt und Felix Mitterer ist der deutschsprachige Theaterautor, der die historische Wahrheit sogar über den theatralischen Effekt stellt. Was für ein Zusammentreffen von Bautätigkeit, Jahrtagen und Künstlern. Da sehen sich die Tiroler Volksschauspiele in Telfs natürlich in der Pflicht, die Geschehnisse von damals, auch als Beitrag zu aktuellen Diskussionen, theatralisch nachzuzeichnen. „Verkaufte Heimat – das Gedächtnis der Häuser“ ist das bislang größte aller Projekte, das die Volksschauspiele je geschultert haben.“

Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Theaterfestival, das jährlich im Juli und August in Telfs in Tirol stattfindet. Es gibt keine feste Spielstätte, es werden Spielorte für die jeweiligen Stücke gesucht, die dann für die Inszenierung adaptiert werden. Die Zusammenarbeit von Profis und Laien wird seit Beginn gepflegt. Der Spielplan ist einerseits der Pflege des Volkstheatererbes verpflichtet, andererseits auf die Entwicklung eines modernen Volkstheaters ausgerichtet.

Der Schauspieler Kurt Weinzierl hatte die Idee, die im deutschsprachigen Raum arbeitenden Tiroler Profischauspieler, Bühnenbildner, Komponisten etc. nach Tirol zu bringen, um unser heimatliches Volkstheater gemeinsam mit den dortigen Künstlern neu zu beleben. Kurt Weinzierl war ein österreichischer Schauspieler, Kabarettist und Regisseur. Er starb im Oktober 2008 in München.

„Die Tiroler Volksschauspiele Telfs wollen sich in der Spielsaison vom 25. Juli bis 31. August auf ihre Kernkompetenz – die Verarbeitung lokaler Zeitgeschichte – konzentrieren“, sagt Obmann Markus Völlenklee. Schauplatz des Mitterer-Stücks sind Originalwohnungen in der Telfer Südtirolersiedlung sein. 40 Schauspieler wirken mit. Für die Aufführung sollte man etwas Zeit einplanen. Spielzeit ca. drei-einhalb Stunden. “Verkaufte Heimat” wird 26-mal zu sehen sein und alle Kräfte beanspruchen — “eine große Nummer”, wie es Klaus Rohrmoser formuliert, der Regie führt. „Für ein zweites Stück ist da nicht mehr Platz.“

Fotos: Günther Egger

[See image gallery at tirolbayern.de]

Ticket-Service der Tiroler Volksschauspiele

Felix Mitterer

Felix Mitterer. Foto: Günther Egger
Felix Mitterer. Foto: Günther Egger

Felix Mitterers Stücke zählen zu den meistgespielten in Österreich. Wie kaum jemand sonst versteht er es, ungewöhnliche Schicksale dramaturgisch in Szene zu setzen. Geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, ist Mitterer seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor, mitunter auch selbst Schauspieler. Sein Blick gilt oft den Außenseitern, den sozial Randständigen und jenen, die den Mut aufbringen, gegen den Strom zu schwimmen. Seit 1987 erscheinen Mitterers Stücke und Drehbücher im Haymon Verlag, einzeln sowie gesammelt in bisher fünf Bänden. Zu seinem 70. Geburtstag im Februar 2018 erschien seine Autobiographie „Mein Lebenslauf“.

Der Beitrag Tiroler Volksschauspiele – Erfolgreiche Uraufführung von Mitterers “Verkaufte Heimat” erschien zuerst auf Grenzgänger #tirolbayern | Bayern trifft Tirol.

]]>
https://www.tirolbayern.de/2019/07/27/tiroler-volksschauspiele-erfolgreich-urauffuehrung-von-mitterers-verkaufte-heimat/feed/ 0 17228