Grenzgänger TirolBayern https://www.tirolbayern.de Erlebnisse und Begegnungen Thu, 10 Sep 2020 11:29:31 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.5.1 https://www.tirolbayern.de/wp-content/uploads/2020/07/grenzgaenger_tirolbayern_500_500-214x214.jpg Grenzgänger TirolBayern https://www.tirolbayern.de 32 32 144418615 Holzknechtmuseum startet in eine neue Ära – Bayern und EU fördern Neugestaltung https://www.tirolbayern.de/2020/09/10/holzknechtmuseum-startet-in-eine-neue-aera-bayern-und-eu-foerdern-neugestaltung/ https://www.tirolbayern.de/2020/09/10/holzknechtmuseum-startet-in-eine-neue-aera-bayern-und-eu-foerdern-neugestaltung/#respond Thu, 10 Sep 2020 11:18:31 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=40164 Für das deutschlandweit einzigartige Holzknechtmuseum in Ruhpolding sind die Weichen der Zukunft neu gestellt. Damit die historische und zugleich auch die moderne Forstwirtschaft in der Region noch lebendiger und attraktiver erlebt werden kann, hat Forstministerin Michaela Kaniber den Förderbescheid zur Modernisierung an den Zweckverband des Holzknechtmuseums überreicht.

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Das Forstministerium unterstützt das eine Million Euro teure Vorhaben der Neugestaltung mit rund 420.000 Euro aus Mitteln des EU-Programms LEADER und zusätzlich einem direkten Zuschuss in Höhe von rund 250.000 Euro.

„Das Holzknechtmuseum ist wahrlich einmalig. Mit der Neugestaltung hin zu einer modernen und interaktiven Ausstellung können die Besucher noch intensiver miterleben wie die Holzarbeit früher war und wie moderne, nachhaltige Forstwirtschaft heute funktioniert“, sagte die Ministerin. Durch eine neue didaktische Aufbereitung der Informationen solle vor allem die jüngere Generation angesprochen werden. Gerade in Zeiten des Klimawandels sei der Wald, besonders der Bergwald, wichtiger denn je. Denn er sorge für Schutz vor Naturgefahren.

Das Museum erzählt seit 1988 über das Leben und die Arbeit der Holzknechte. Durch die mühsame und gefährliche Arbeit im Bergwald sorgten die Holzknechte früher dafür, dass ausreichend Holz für die Salinen im Gebiet Traunstein zur Verfügung stand und Salz gewonnen werden konnte. Mit ihrer Arbeit prägten sie maßgeblich die heutige Ausprägung des Bergwalds.

Im Museum soll künftig die Geschichte der Forstwirtschaft aufgezeigt werden. Die Ausstellung wird sowohl inklusiv als auch barrierefrei gestaltet.

Weblink: Holzknechtmuseum Ruhpolding

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200 Jahre Zugspitze – Erstbesteiger war ein Tiroler https://www.tirolbayern.de/2020/08/19/200-jahre-zugspitze-erstbesteiger-war-wohl-ein-tiroler/ https://www.tirolbayern.de/2020/08/19/200-jahre-zugspitze-erstbesteiger-war-wohl-ein-tiroler/#respond Wed, 19 Aug 2020 10:55:57 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=39984 Am 27. August jährt sich die Erstbesteigung der Zugspitze zum 200. Mal. Damals wie heute: Die Faszination des höchsten Berges in Deutschland ist ungebrochen. Der Tiroler Josef Naus gilt mit zwei Weggefährten als Erstbesteiger der Zugspitze.

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Zum runden Geburtstag gibt es zahlreiche Jubiläumsangebote der Alpenvereine. In Garmisch-Partenkirchen wird vier Tage lang das Jubiläum mit unterschiedlichen Programmangeboten gewürdigt.

Seit 1851 steht auf der Zugspitze ein Gipfelkreuz. Während der Jubiläumsfeiern kann man neben der Kirche Maria Himmelfahrt an der Ludwigstraße in Partenkirchen eine Nachbildung bewundern. Die Bergwacht zeigt, wie das Gipfelkreuz aufgestellt wurde. Foto: Knut Kuckel
Seit 1851 steht auf der Zugspitze ein Gipfelkreuz. Während der Jubiläumsfeiern kann man neben der Kirche Maria Himmelfahrt an der Ludwigstraße in Partenkirchen eine Nachbildung bewundern. Die Bergwacht zeigt, wie das Gipfelkreuz aufgestellt wurde. Foto: Knut Kuckel

Die Zugspitze ist in vieler Hinsicht faszinierend und etwas ganz Besonderes: Sie ist der höchste Berg in Deutschland. Ihr Gipfel wird – weltweit einzigartig – von drei Bergbahnen erschlossen. Entsprechend voll ist es dort oben das ganze Jahr über. Unweit vom höchsten Punkt können Bergsteigerinnen und Bergsteiger aber auch Einsamkeit in schwierigen Routen erleben. Kaum irgendwo sonst in den Alpen liegen intensiv genutzte Flächen und wildes Hochgebirge so nahe beieinander. Und kaum irgendwo sonst ist alpine Erschließungsgeschichte so präsent.

An der Zugspitze sind touristische und alpinistische Entwicklungen, die sich in den gesamten Alpen abspielen, wie unter einem Brennglas sichtbar. 

„Da kimmt ma ned nauf!“, meinten Einheimische bis ins 19. Jahrhundert. Dabei immer im Blick, die fast senkrechten, scheinbar unbezwingbaren rund 3000 Meter hohen Felsspitzen.

Vor 200 Jahren, im August 1820, wagte sich der Tiroler Josef Naus gemeinsam mit zwei Weggefährten auf die Erstbesteigung des „Zugspitz“. Josef Naus war beauftragt, die Zugspitze zu vermessen. Begleitet wurde er von seinem Gehilfen Maier und dem Partenkirchner Bergführer Johann Georg Tauschl. Ihnen gelang die erste nachgewiesene Besteigung der Zugspitze.

Im September 2006 gab der Deutsche Alpenverein (DAV) bekannt, dass eine Erstbesteigung der Zugspitze bereits vor der Mitte des 18. Jahrhunderts gelungen sein könnte. Grundlage dieser Spekulationen war die Wiederentdeckung einer historischen Karte aus dem 18. Jahrhundert, die die Zugspitzregion abbildet. Darauf befinden sich Wege bis in die Gipfelregionen, jedoch nicht eindeutig auf den Zugspitzgipfel. 

Naus, Tauschl und Maier wählten den Aufstieg über die Reintalroute und erreichten einen Tag später, am 27. August 1820, um 11.45 Uhr, den Westgipfel. 

Damals war von der späteren Erschließung mit mehreren Bergbahnen und zahlreichen Gästen noch nichts zu ahnen, einzig ein rotes Sacktuch, befestigt an einem Wanderstock, wehte auf dem Gipfel – als Symbol für die erfolgreiche Erstbegehung.

Naus selbst schreibt in seinem Tagebuch von „einigen Lebensgefahren und außerordentlichen Mühen“. Kleidung, Ausrüstung und alpine Bergkenntnisse waren noch nicht fortgeschritten, nicht einmal eine besondere Technik hatten sich Bergsteiger zu diesem Zeitpunkt angeeignet. Und die alpinen Gefahren waren damals deutlich größer als heute – man denke nur an einen ernstzunehmenden Gletscher und fehlende Sicherungen im Gipfelbereich. Brenzlig wurde es dann wohl auch im Abstieg: So berichtete Joseph Naus von einem Wettersturz, der die Bergsteiger zu einem zügigen Aufbruch zwang und den Weg zurück ins Tal recht riskant verlaufen ließ.

„Den größten Unterschied machen die Schuhe“, meint Georg Hohenester, Chefredakteur des DAV-Mitgliedermagazins Panorama und der Website alpenverein.de. „Die waren früher genagelt, steif und schwer. Spürbaren Kontakt zum Untergrund hatte man nicht.“ Hohenester muss es wissen: Im Jahr 2009 war er in historischer Kluft auf der Zugspitze. Die Faszination des Berges spürte er damals, und er fühlt sie auch heute noch. “Ich bin sehr froh darüber, dass wir die wechselvolle und reichhaltige Geschichte des Berges jetzt in einer schönen multimedialen Story erzählen dürfen.” In dieser Story kommt das Publikum nicht nur an wichtigen Zugspitz-Meilensteinen vorbei, sondern auch an vielen Anekdoten und dramatischen oder heiteren Begebenheiten. Zahlreiche Fotos und Videos begleiten die kompakten Texte, zusammengetragen und geschrieben von Expertinnen und Experten. Die Zugspitz-Story gibt es hier.

Mehr als eine halbe Million Besucher jährlich zieht es jedes Jahr auf die Zugspitze – per Seil- und Zahnradbahn. Reizvoll ist der prominenteste deutsche Berg trotzdem auch für jene geblieben, die mit eigener Kraft hinauf wollen. Wie man sicher auf die Zugspitze steigt, hat der DAV in einem Online-Special zusammengefasst. Die exakten Tourenbeschreibungen gibt es außerdem auf alpenvereinaktiv.com, dem Tourenportal der Alpenvereine.

Die Sektion München des Deutschen Alpenvereins feiert dieses Jubiläum übrigens auf ganz besondere Art: bei einer Jubiläumsbesteigung – auf dem Originalweg, an den Originaltagen der Erstbesteigung und zur Originalzeit am Gipfel.

Fotos: Deutscher Alpenverein/DAV

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Veronika Gerber: “In meinen Bildern gehe ich spazieren” https://www.tirolbayern.de/2020/08/06/veronika-gerber-in-meinen-bildern-gehe-ich-spazieren/ https://www.tirolbayern.de/2020/08/06/veronika-gerber-in-meinen-bildern-gehe-ich-spazieren/#respond Thu, 06 Aug 2020 16:47:15 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=38146 Von der Afra-Benefiz-Lithographie „Porto San Nicolo“ stehen 140 gerahmte Bilder abholbereit im Keller der Steindrucker in Affenhausen. Im Atelier arbeitet Veronika Gerber an ihrer neuen Lithographie am Stein. Am liebsten hört sie dabei Mozarts Klavierkonzerte.

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Ausstellungen der Bilder Veronika Gerbers gibt es mal in Wien, mal in Innsbruck. „Das organisiert seit 30 Jahren mein Galerist Peter Augustin“, erzählt die Tiroler Künstlerin. “Uns verbindet eine Zusammenarbeit, die von tiefem Vertrauen geprägt ist.”

Die Kunst des Druckens am Stein ist die Königsdisziplin aller künstlerischer Drucktechniken.

Das gilt heute mehr denn je, bestätigt Veronika Gerber. Die gebürtige Hallerin studierte bei Prof. Peter Prandstetter am Mozarteum. Der Heiligenkreuzer war an der Salzburger Universität von 1976 bis 1993 Hochschulprofessor für Malerei.

„Was von Hand gemacht wird, hatte bei jungen Studierenden schon immer einen hohen Stellenwert. Sie wissen, dass in der Blütezeit digitaler Techniken ein traditionell überliefertes Wissen von unschätzbarem Wert ist.“

Für den Steindruck nutzt man das Gegensätzliche von Fett und Wasser. Die Künstler malen oder zeichnen mit fetthaltiger Tusche oder Kreide direkt auf den Stein. Das speziell beschichtete Papier nimmt die Druckfarben an. Der Steindrucker muss vor und nach jedem Einfärben den Lithographiestein mit Wasser befeuchten. Dazu verwendet Günther Stecher einen Schwamm. “Der Stein darf nicht trocknen,” erklärt er dabei. “Dadurch wird verhindert, dass die fetthaltige Druckfarbe beim Einfärben auf dem gesamten Stein haften bleibt.”

Für den Lithographie-Druck wird ein Stein aus dem niederbayerischen Altmühljura  verwendet. Der Solnhofener Plattenkalk gilt nach wie vor als das beste Lithographie-Gestein. Günther Stecher streicht mit seiner rechten Hand über den Stein und beschreibt die Qualität des Natursteins. “Er ist glatt. Ohne Strukturen und gut zu polieren.” 

Nach dem Druck werden die Steinplatten abgeschliffen. Jede signierte und nummerierte Lithographie hat deshalb einen exklusiven Wert.

Affenhausen ist für Kunstliebhaber längst kein Geheimtipp mehr. Immer häufiger trifft man hier auch auf gestandene Drucker, die vor Ort ihr Wissen um die Steindruck-Technik vertiefen möchten.

„Mein Fachwissen ist dabei reine Kopfsache“, erzählt der Steindrucker. „Das sollte ich gelegentlich für die Nachwelt aufschreiben.“ Seine Familie engagiert sich schon seit Jahrzehnten für den Erhalt der alten Drucktechnik.

Günther Stecher lernte sein Handwerk bei Prof. Carlo Ceci in Urbino. Die kleine italienische Stadt, zwischen den Tälern des Metauro und des Foglia, ist ein viel gerühmtes Druckerzentrum.

Der Steindrucker hält jetzt eine Palette mit Ölfarben in seiner Hand. Die Grundtöne sind überwiegend gelb. Wenn Günther Stecher und Veronika Gerber passende Farben für eine neue Lithographie aussuchen, fühlt man ihre Nähe zueinander. Fachlich wie menschlich.

Die Beziehung zwischen Künstler und Drucker ist vor diesem Hintergrund eine sehr sensible Angelegenheit. Denn nur die gemeinsame Arbeit auf Augenhöhe entscheidet, ob das Werk letztlich gelingt oder nicht.

Eine Lithographie am Stein zu gestalten, ist für berufene Künstlerinnen und Künstler immer eine Herzensangelegenheit.

„Deshalb stimmen wir zu, wenn man uns anbietet, am Stein zu arbeiten. Das sind Höhepunkte im Schaffen kreativer Menschen.“

Das Malen auf Leinwand ist im vergleichbar zur Arbeit am Stein einfach. „Du musst absolut konzentriert sein“, erklärt Veronika Gerber.

„Bei der Ölmalerei übermalst Du einen Fehler ganz einfach. Am Stein darf Dir aber kein Fehler passieren.”

Beim Erzählen schaut die Künstlerin auf ihre Vorlage und zeichnet mit dem Kreidestift dunkle Schraffuren auf den Kalkstein.

Die Malerin wirkt in gleicher Weise konzentriert wie entspannt. „Das ist spannend, weil ich in meinen Bildern immer wieder aufs Neue spazieren gehe. Das ist ein stetes Schauen und Genießen.“

Ihre Aufmerksamkeit gilt einem Weg zum Monte Brione. Mit seinen drei Zinnen überragt er das nördliche Gardaseeufer. „Das ist zwischen Torbole und Riva.“ Die Landschaft charakterisieren Felsen, Berge, Wasser und Zitronen. Name und Farben der neuen Lithographie scheinen vorgegeben.

„Eine gelbe Gardaseelandschaft“, will Veronika Gerber unter ihr nächstes Bild schreiben. Während Sie ihre Gedanken ausspricht, wird sie für einen Moment sehr privat.

„Meine Großmutter stammt aus der Gegend. Aus dem Trentino, aus Arco. Deshalb fühle ich mich dort auch so daheim. Ich mag die Menschen und ihre Lebensweise“, sagt sie, ohne dabei ihre Arbeit zu unterbrechen.

Wenn Veronika Gerber von ihrem Trentino spricht, meint sie die Provinz Trient. Das Trentino gilt noch heute als Kronland Südtirols. “Kronländer” – gehörten noch vor ca. 200 Jahren zur Habsburgermonarchie.

Und ihr gefühltes Zuhause, wo ist das? Die Antwort der Malerin klingt etwas verwinkelt. Passt zur Künstlerin, die wir hier und heute getroffen haben.

“Ich lebe in Salzburg. In Bregenz habe ich lange gewohnt. Mein Geburtsort war Hall und ich komme aus Innsbruck. Hier ist meine angestammte Heimat. Die Nummer Eins. Mit Hall und Arco.”

Die Nähe zum Land und seinen Leuten spiegeln ihre Bilder immer wieder. Sie zeigen eine sehr private, intime Welt. Die Künstlerin malt gerne Blumen, Früchte, Landschaften. Auch Gebrauchsgegenstände.

“Ihre Arbeiten charakterisieren eine herbe Poesie,” meint Galerist Peter Augustin. „Die Bilder sind immer streng angelegt. In fast sachlicher Weise reduziert zu großen Formen. Dabei darf das Alltägliche in den Hintergrund treten.“

Starke Farben haben dabei einen großen Gestaltungsanteil. Die Farben werden in Affenhausen noch von Hand gemischt. Die Steindrucker suchen nach den besten Farben weltweit.

 „Die ursprünglichsten Pigmentfarben haben die weiteste Anreise“, erklärt Günther Stecher, „viele kommen aus den Anden in Südamerika zu uns in die Tiroler Berge.“

Bei Pigmenten kommt die Farbe direkt aus den bunten Steinen, Metallen und Mineralien.

“Die werden von uns ganz fein gemahlen und dann in Lösungsmitteln aufgelöst.”

Steindrucker Günther Stecher hat sein Handwerk vom Vater gelernt. Über der Werkbank hängt eine Karikatur von ihm. So hätte ihn auch Goscinny oder Uderzo gezeichnet. Walter Stecher, wie man ihn kennt. Humorvoll. Etwas verschmitzt dreinblickend, mit vielsagendem Augenaufschlag.

„Ich bin mir nicht sicher“, sagt der Sohn und zeigt auf das Bild, „kann sein, dass Leander Kaiser ihn so skizziert hat? Vielleicht ja beim Farbmischen.“

Der Innsbrucker hat neben vielen anderen auch schon im Kelleratelier der Familie Stecher lithographiert.

Mit Leander Kaiser waren das so prominente Künstler wie Paul Flora, Herbert Danler, Chryseldis Hofer-Mitterer, Franz Pöhacker, Jos Pirkner, Nino Malfatti, Elmar Kopp, Franz Mölk, August Stimpfl, Patricia Karg, Walter Nagl, Robert Scherer, Anton Christian, und Reiner Schiestl.

Seit August 2020 gehört nun auch Veronika Gerber zu den Afra-Lithographen, die der Kunst am Stein zu bemerkenswerter Popularität verhelfen.

Wie nebenbei beschäftigt sich Günther Stecher mit dem Rahmen der letzten Afra-Lithographie von Veronika Gerber. „Porto San Nicolo“ wurde von ihr im Frühjahr auf 14 Steinen gemalt. Die limitierte Gesamtauflage von 140 Exemplaren war in nur wenigen Tagen ausverkauft. “Vergleichbares haben wir so noch nicht erlebt”, sagt Annaliese Stecher beim Rundgang durch Werkstatt und Atelier.

An der Wand hängen hinter einer alten Druckerpresse ein paar Holzrahmen. „Seit über zehn Jahren arbeiten wir mit der Bild- und Rahmen-Werkstatt Auer in Landeck zusammen. Wir passen gut zusammen“, sagt Günther Stecher und greift nach einem Passepartout.

Das legt er in den Auer’schen Rahmen und passt die aktuelle Afra-Lithographie ein. Günther Stecher verklebt das Bild auf seiner Rückseite mit einem Schutzblatt und dem Zertifikat. Unterzeichnet von Veronika Gerber und Günther Stecher. Zum Schluss wird noch ein Nagel fürs Aufhängen eingeklebt.

„Das ist das berühmte Mehr an Schlagobers auf dem Kaffee“, scherzt der Steindrucker. Er hält die gerahmte Lithographie gegen das Licht und prüft, ob noch irgendwo eine unsaubere Stelle zu sehen ist. Dann wird der Rahmen wieder geöffnet, alles noch einmal gründlich gereinigt. Fertig. “Solange, bis es passt.”

Bevor wir uns von diesem freundlichen Ort verabschieden, schauen wir noch kurz bei dem Urgestein der Tiroler Steindruckergilde vorbei. Mit Walter Stecher und seiner Frau Paula sitzen wir auf der Bank vor ihrem Haus. Im Blickfeld die Afra-Kapelle. Wir reden über all das, was man sich nach längerer Zeit so zu sagen hat.

Dann besuchen wir gemeinsam die Kapelle und danken der Heiligen Afra für den freundlichen Tag. Die Sonne scheint durch die wunderschönen Fenster. Gestaltet von Chryseldis Hofer-Mitterer. Die holzgeschnitzte Maria auf dem Altar ist ein Werk von Walter Stecher.

“Die Heilige Afra gilt als Namensgeberin von Affenhausen, sagt er. “Deshalb haben wir ihr diese Kapelle gewidmet.” Erbaut wurde sie im 18. Jahrhundert.

Die Grenzgänger TirolBayern bedanken sich für die herzliche Aufnahme bei Annaliese und Günther Stecher. Ganz besonders auch bei Veronika Gerber für ihre zugewandte Offenheit und Geduld.

Wir versprechen wiederzukommen.

OPEN HOUSE – Afra-Benefiz-Lithographie 2020 von Veronika Gerber

Kontakt:
Steindruckerei Stecher & Stecher
6413 Wildermieming/Affenhausen
Leite 12
Österreich
Tel: +43 5264 5196
Mail: steindruck@stecher-stecher.at
Web: steindruck.stecher-stecher.at

Weblink:
→ www.veronikagerber.at

Fotos: Knut Kuckel

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Holzknechtmuseum Ruhpolding – Tiroler Holzarbeiter auf Saison in Bayern https://www.tirolbayern.de/2020/07/04/holzknechtmuseum-ruhpolding-tiroler-holzarbeiter-auf-saison-in-bayern/ https://www.tirolbayern.de/2020/07/04/holzknechtmuseum-ruhpolding-tiroler-holzarbeiter-auf-saison-in-bayern/#respond Sat, 04 Jul 2020 10:26:51 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=30318 Bilder des Pitztaler Bauernfotografen Josef Schöpf zeigt in diesem Sommer das Holzknechtmuseum in Ruhpolding. Darunter auch Fotos von Wanderarbeitern aus Tirol, die in den Wäldern Bayerns zum Einsatz kamen.

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Die Sonderausstellung im gerade umgebauten Holzknechtmuseum zeigt rund 30 historische Aufnahmen von Josef Schöpf.

Josef Schöpf wurde am 23. Dezember 1886 in St. Leonhard im Pitztal geboren. Nach der Einberufung in den Ersten Weltkrieg 1914, starb der damals 28-Jährige ein Jahr später. Am 3. Mai 1915, an der Ostfront, in der Schlacht bei Gorlice-Tarnów.

Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid geht bei unserem Rundgang durch die Ausstellung auf die Besonderheiten des Bauern- und Wanderfotografen ein. „Was auffällt, ist die große Offenheit, mit denen sich die Portraitierten von Josef Schöpf arrangieren und fotografieren lassen. Das war damals keineswegs selbstverständlich.“

Von Willi Pechtl aus Tarrenz (Oberinntal) stammen die Fotos zur Ausstellung im Holzknechtmuseum. Der Künstler und Fotohistoriker schreibt in seinem aktuellen Buch “Wanderjahre” über den “Störgänger Josef Schöpf” und seine Foto-Leidenschaft. Für das im Herbst des vergangenen Jahres erschienene Buch produzierte Pechtl Fotoglasplatten wie Josef Schöpf und führte Gespräche mit Zeitzeugen über dessen Leben. Das Buch ist der Geschichte der Fotografie im alpinen Raum gewidmet.

„Die alten Fotografien haben für die heutige Zeit auch deshalb so große Bedeutung, weil sie die Veränderungen sichtbar machen“, sagt Willi Pechtl. Seine Erzählungen, Briefe und Dokumente verweisen auf die Kreativität mancher Fotopioniere. Darunter Bauern- und Wanderfotografen wie Josef Schöpf.

“Zum Glück wurde sein umfangreicher Nachlass an Glasnegativen im 1912 errichteten Stadel am Schrofen aufbewahrt. Ganz wenige Originalabzüge haben sich in Privathäusern erhalten.”

Josef Schöpf stammte aus armen, bäuerlichen Verhältnissen. Das Errichten von Rindenhütten, die Wilderei und die Waldarbeit waren Schöpf von Kindheit an vertraut. Er war als Flickschuster und Holzarbeiter auf der Stör unterwegs, baute Fahrräder zusammen und beschäftigte sich mit elektrischem Licht.

Mit seinem Fahrrad der Marke Eigenbau zog es ihn über die Alpenpässe bis nach Trient. Im Gepäck hatte Schöpf seine Plattenkamera, mit der er Menschen fotografierte, die ihm auf seiner Wanderschaft begegneten. Darunter Holzfäller im Wald, Wilddiebe, Wirtshausbesucher, Kellnerinnen, Zimmerer oder Sargtischler. Aber auch Bauernfamilien, Sommerfrischler und erste Bergtouristen.

“Nur wenige wagten sich zu jener Zeit mit schwerem Gerät in die Gletscherregionen”, erzählt Willi Pechtl. “Josef Schöpf war mit seiner Kamera fast überall zur Stelle.” Die Fotografien von ihm sind auch deshalb künstlerisch und ästhetisch von besonderem Wert.

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Fotos: Knut Kuckel / Sammlung Willi Pechtl

Ein Seh- und Hörerlebnis in der Fotoausstellung bietet auch ein Video von Inge Pechtl. Es zeigt Holzarbeiter bei einer Holzbringung im eisigen Winterwald.

Neben der aktuellen Sonderausstellung mit großformatigen Josef-Schöpf-Fotografien laufen im Holzknechtmuseum zurzeit die Vorarbeiten für ein weiteres Großprojekt. Im Sommer des kommenden Jahres soll die mehr als 30 Jahre alte Dauerausstellung auf 350 Quadratmetern Fläche in vollkommen neuer Architektur vorgestellt werden.

Der Bergwald wird in mehrdimensionaler Weise erlebbar gemacht. Museumsleiterin Ingeborg Schmid zum Umgestaltungskonzept: „Die Welt der Holzknechte mit ihren besonderen Herausforderungen ist heute noch viel mehr als in den 1980er Jahren von den Erfahrungen der Museumsbesucher entfernt. Dem wollen wir Rechnung tragen.“

[See image gallery at tirolbayern.de] Die Schwerpunkte verlagern sich von der Technik auf sozialgeschichtliche Aspekte. Dabei sind Identität der Waldarbeiter ebenso von Bedeutung wie die Entwicklung der Holzwirtschaft.

Das Museum kooperiert dabei eng mit dem benachbarten Forstlichen Bildungszentrum in der Laubau, der wohl ältesten Waldarbeiterschule Deutschlands. Eine Bildungseinrichtung der Bayerischen Staatsforsten.

Seit Monaten laufen schon die Vorbereitungen für die neue Dauerausstellung über das Leben der Holzknechte auf vollen Touren. Die Eröffnung soll im Frühjahr 2021 stattfinden.

In großem Umfang wurde zwischenzeitlich das Museumsarchiv digitalisiert. Darunter finden sich rund 170 Stunden Zeitzeugen-Interviews, die der Volkskundler und Naturschützer Dr. Josef Paukner im Rahmen seiner Dissertation über „Holzarbeiter im Chiemgau“ in den 1970er Jahren zusammentrug.

Josef Paukner dokumentierte im Buch Holzknechtmuseum Ruhpolding die Entwicklung der Waldarbeit vom Beginn der Salinenzeit bis heute (→  Josef Paukner (Verf.), Walter Fuger (Hrsg.): Holzknechtmuseum Ruhpolding. Bayerische Museen, Band 21. Weltkunst-Verlag, München 1994).

Die Tondokumente werden in die neue Dauerausstellung integriert. „Im Forum der Gegenwart“ sollen kontroverse und aktuelle Themen digital aufgearbeitet angeboten werden. Der Begriff “Holzknechte” hat im Chiemgau, und dort besonders rund um Ruhpolding, schon seit Jahrhunderten einen hohen Stellenwert. “Wir möchten ihn zeitunabhängig kultivieren”, verspricht Ingeborg Schmid. “Wir bearbeiten im Holzknechtmuseum konzeptionell unterschiedlichste Vorschläge und prüfen, wie wir die besten davon zeitgemäß umsetzen können.”

[See image gallery at tirolbayern.de] Fotos: Knut Kuckel

Nach dem vorläufigen Umbau ist das Holzknechtmuseum in der Laubau seit kurzem wieder geöffnet. Zu sehen gibt es im Haupthaus aktuell zwei Sonderausstellungen.

Sonderausstellungen 2020 im Holzknechtmuseum. Foto: Knut Kuckel

“Endlich: Über Grenzen hinweg”, beschreibt Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid die diesjährigen Sonderausstellungen im Holzknechtmuseum Ruhpolding.

“Fast hätten wir ja schon nicht mehr daran geglaubt. Nun gehen die Grenzen auf und wir können unsere beiden Sonderausstellungen ins Land holen. Die eine erzählt von einer frühen tirolisch-bayerischen Beziehungsgeschichte, die andere von einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Salzburg und Bayern.”

Die Ausstellungen sind während der Museumssaison zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen

Holzknechtmuseum Ruhpolding
Laubau 12
D 83324 Ruhpolding
Tel. 0049 8663 639
www.holzknechtmuseum.com

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Mieminger Berge in Flammen – Sonnwendfeuer zu Herz-Jesu https://www.tirolbayern.de/2020/06/21/mieminger-berge-in-flammen-sonnwendfeuer-zu-herz-jesu/ https://www.tirolbayern.de/2020/06/21/mieminger-berge-in-flammen-sonnwendfeuer-zu-herz-jesu/#respond Sun, 21 Jun 2020 16:48:00 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=39750 Wenn der längste Tag auf die kürzeste Nacht trifft, wird der Sommer im alpenländischen Raum mit Bergfeuern begrüßt. In Tirol ist das seit dem Mittelalter Brauch. Am 20. Juni machen sich bergerfahrene Leute auf den Weg, um bei Einbruch der Dunkelheit die Feuer zu entzünden.

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Vielerorts wird in Tirol auch das Herz-Jesu-Feuer entzündet. Dieser Brauch geht auf den Herz-Jesu-Schwur im Jahr 1796 zurück, mit dem die Tiroler Einheit im Kampf gegen Franzosen und Bayern hergestellt werden sollte. Zum Zeichen des Schwurs wurden damals Bergfeuer entfacht.

In Mieming machte sich schon gegen Mittag eine Gruppe von rund 20 jungen Leuten auf den Weg, um am Abend mit Höhenfeuern die Sonnenwende im Mieminger Gebirge zu feiern. 

Aus Mieming erreichen uns Fotos und ein Video von Elias Kapeller. Sie dokumentieren das Geschehen in beeindruckender Weise.

Die Bilder nehmen ihre Betrachter mit auf die Mieminger Berge. Sie gewähren Ein- und Ausblicke, die unterhalb von Grießspitze- und Hochplattig-Kamm ansonsten nur Bergkletterern vergönnt sind.

Andreas Fischer beschreibt das Geschehen im Gebirge:

Im Rucksack trug jeder 30 Fackeln. Für zusätzliches Gewicht sorgten noch Werkzeug und Ausrüstung. Nach weniger als eineinhalb Stunden, durch Wald und steiles, felsiges Gelände, hatten die Mieminger ihr Ziel erreicht.

Ein Kreuz von 130 mal 70 Meter und ein Herz von 80 mal 60 Meter sollen am späten Abend entzündet werden. 

In den Wochen zuvor kam man zusammen, um das Vorhaben bis ins Detail zu planen. Das Ausmessen der  Symbole und das Aufstellen der Fackeln am Berg erfordern neben Trittsicherheit und Orientierung eine ganz besondere Sorgfalt.

Der Brauch, im Juni Feuer zu entzünden, geht auf die Johannis- und Sonnwendfeuer ab dem 12. Jahrhundert zurück.  600 Jahre später wurden Bergfeuer zur Kommunikation mit den Tiroler Landsleuten in Kriegszeiten entzündet.

Heute noch gibt es in der Nähe des Locherboden, bei Mötz, einen „Kreidefeuer-Platz“. In der Nähe stand eine Hütte. Dort wohnte der Feuerwart. Er allein war für die Entzündung des Kreidefeuers verantwortlich.

1796 traf der Krieg das Land Tirol vollkommen überraschend und unvorbereitet.  Der damalige Pfarrer von Wildermieming, Anton Paufler, und der Stamser Abt Sebastian Stöckl schlugen dem Tiroler Landtag vor, das Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ anzuvertrauen und so göttlichen Beistand zu erhalten.

Als daraufhin die wiedererstarkten Tiroler Truppen die Franzosen überraschend besiegten, wurde der Herz-Jesu-Sonntag zum hohen Feiertag.

Diese Tradition wird heute noch gepflegt und der Landesbund, mit dem Herzen Jesu, jedes Jahr erneuert.

Nach Fertigstellung der Motive hieß es warten, bis zur Dunkelheit. Für das Anzünden der Fackeln bleibt dann wenig Zeit. Aber jeder wusste, was zu tun ist. Die Kletterer entzündeten ihre Herz-Jesu- und Sonnwendfeuer auf dem Unterplattig, unterhalb der Mieminger Kette.

Zu sehen waren spektakuläre Bergfeuer mit unterschiedlichen Motiven und Symbolen.

In Kooperation mit Mieming.online

Fotos/Video: Elias Kapeller

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„Almenland am Miemingerberg“ – Geschichten bäuerlicher Lebensformen https://www.tirolbayern.de/2020/06/21/almenland-am-miemingerberg-geschichten-baeuerlicher-lebensformen/ https://www.tirolbayern.de/2020/06/21/almenland-am-miemingerberg-geschichten-baeuerlicher-lebensformen/#respond Sun, 21 Jun 2020 08:44:50 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=30253 Europas Geschichte steht auf den Schultern der Bauern. Bäuerliche Lebensformen prägen seit Jahrhunderten die soziale Wirklichkeit unserer Gesellschaft. Die Menschen der Mieminger Almen sind Grundlage einer geplanten Dokumentation.

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Zur Vorbereitung sammelt das digitale Tagebuch “MiemingerAlmen” Geschichten der Bauern am Miemingerberg.

In alten Urkunden taucht der Gemeindename “Miemingerberg” im Jahre 1318 zum ersten Mal auf. Dazu gehörten die heute selbstständigen Gemeinden Obsteig, Mieming, Wildermieming und Mötz. 1833 wurden daraus eigenverantwortliche Gemeinden.

Seit über 700 Jahren bewirtschaften Bauern der heutigen Gemeinden Mieming, Obsteig und Wildermieming die Almen hinter den Mieminger Bergen. Zum “Almenland am Miemingerberg” gehören noch heute die Hochfeldernalm, Marienbergalm, Simmeringalm und die Tillfussalm.

Die geplante Dokumentation wird sich mit der verbrieften Geschichte der vier Almen nördlich des Mieminger Gebirges beschäftigen. Vor allem aber mit dem Alltag der Tiroler Bergbauern, damals wie heute.

Das Buch “Almenland am Miemingerberg” (Hrsg. Knut Kuckel) soll in dieser Form ein geschichtlich wertvolles Nachschlagewerk der Almwirtschaft werden. Zu Wort kommen zahlreiche Zeitzeugen, gewürdigt wird die Leistung vieler Almbauern vergangener Tage und hilfreich dabei ist die Unterstützung aller Experten.

Verfasst in einer zeitgemäßen Sprache will das Buch Einblick in das Leben der Bergbauern geben. Erfolgreich wäre es – so der Herausgeber und Autor – wenn es die Gesellschaft zusammenbringt.

Für den Tourismus am Mieminger Plateau eröffnen sich neue Möglichkeiten. Statt vordergründig die Spaß- und Abenteuer-Zielgruppen zu bedienen, hin zum Erlebnis und Miterleben einer Alm-und Waldbauern-Kultur.

Almenland am Miemingerberg – Alltag wetterfester Menschen

Weblink: www.miemingeralmen.tirol

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Sterbebilder erzählen – “Tot ist nur, wer vergessen wird” https://www.tirolbayern.de/2019/09/28/sterbebilder-erzaehlen-tot-ist-nur-wer-vergessen-wird/ https://www.tirolbayern.de/2019/09/28/sterbebilder-erzaehlen-tot-ist-nur-wer-vergessen-wird/#respond Sat, 28 Sep 2019 13:04:34 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=22526 "Tot ist nur, wer vergessen wird", mahnte Gemeinderätin Sabine Ortner zur Begrüßung ihrer Gäste. Vom Chronik-Team in Obsteig wurden vor diesem Hintergrund rund 500 Sterbebilder aus den Jahren von 1872 bis 2018 zusammengetragen.

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Mit der Ausstellung sollen Menschen geehrt werden, die in der Tiroler Gemeinde Obsteig Spuren hinterlassen haben. Unterschiedliche Tafeln setzten Akzente. In Sterbejahren organisiert und gewidmet (u.a.) im speziellen dem Larchhof, der Burg Klamm, Schneggenhausen, dem Fremdenverkehr, populären Wirtshäusern und engagierten Frauen.

Die dreitägige Ausstellung im Stadel Schneggenhausen wurde am Freitag, dem 27. September 2019 eröffnet und ist nur noch bis Sonntag, 29. September zu sehen. Öffnungszeiten von 9 bis 17 Uhr.

“Der Ideengeber zu unserer Ausstellung war Hansjörg Bader aus Hall mit seinem Buch »Sterbebilder – Vom Gebetsaufruf zur Erinnerung«”, erzählt Sabine Ortner im Gespräch mit #tirolbayern.

Der heute 70jährige Dr. Hansjörg Bader war Bibliothekar des Tiroler Volkskunstmuseums in Innsbruck. Für sein Buch untersuchte Bader Tausende Sterbebilder. “Die Sterbebilder erzählen Ortsgeschichten, eignen sich zur Ahnenforschung und sind nicht zuletzt auch begehrte Sammlerobjekte.” Das habe die Chronisten aus Obsteig motiviert, ebenfalls auf Spurensuche zu gehen, so Ortner.

Dazu sagt Hansjörg Bader: “In gut 200 Jahren, in denen es Sterbebilder in Tirol gibt, hat sich deren Gestaltung und Funktion sehr stark verändert. Nachdem sie vor etwa 50 Jahren fast von der Bildfläche verschwunden waren, erleben sie heute anscheinend eine Wiedergeburt.”

Die Gemeinde Obsteig zählt aktuell über 1340 Einwohner und gehört politisch zum Bezirk Imst des österreichischen Bundeslandes Tirol. Obsteig ist die westlichste Gemeinde am Mieminger Plateaus, oberhalb des Oberinntals. Mit Blick auf die Mieminger Berge.

Bürgermeister Hermann Föger lobte zur Ausstellungseröffnung sein Chronik-Team. “Die haben vor ein paar Jahren die Arbeit unseres früheren Dorfchronisten Hubert Stecher wieder aufgenommen und sich seither in zeitgemäßer Weise mit der Geschichte unserer Gemeinde beschäftigt. Damit Jung und Alt erreicht.”

Unter den Zuhörern waren u.a. auch die Bürgermeister der Nachbargemeinden. Hermann Föger begrüßte aus Mieming Dr. Franz Dengg und aus Wildermieming Klaus Stocker. Die Politiker zeigten offensichtliches Interesse am Obsteiger Weg.

Die Vorbereitungen zur Ausstellung wurden vom ganzen Dorf unterstützt. Sabine Ortner: “Hilfreich beim Einstieg war das Totenbuch der Gemeinde Obsteig. Rund 500 “Obstoager Leit” stehen drin. Sie prägten unsere Gemeinde.” Die Überlassung der Sterbebilder, meist aus privatem Besitz, verdiene großen Respekt. “Das ist verständlicherweise eine sehr sensible Angelegenheit, das war uns immer bewusst”, so Sabine Ortner.

Aus den Sterbebildern erfuhr man früher wie heute, wer die Toten im realen Leben waren. Auch und vor allem, was sie beruflich gemacht haben. Darunter finden sich – für den ländlichen Raum nicht überraschend – viele Bauern. Aber auch Postmeister, Schneidermeister, Pfarrer, Mesner, Schmiede, Tischler, Sägewerker, Zimmerer, Baumeister, Förster, Imker und Gastwirte. Unter den Berufsangaben finden sich auch eher ausgefallenere Tätigkeiten wie der Wünschelrutengeher oder der Harfenmacher. Und auch – ob man es nun glaubt oder nicht – ein Nordpolfahrer.

Der “Nordpolfahrer” war Johann Haller – von 1872 bis 1874 auf Expedition. Haller lebte von 1844 bis 1906 und verdiente seinen Lebensunterhalt als kaiserlich-königlicher Förster. 

Nicht wenige Sterbebilder lassen Rückschlüsse auf die Charaktereigenschaften der Verstorbenen zu. Johann Riser erblickte am 23. Dezember 1889 das Licht der Welt und starb am 25. September 1980. Drei Monate nach seinem Tod, an Heiligabend hätte er noch seinen 91. Geburtstag feiern können. Das war ihm nicht mehr vergönnt. Seine Hinterbliebenen vermerkten auf seinem Sterbebild: “Sein Leben war Ehre und tapfere Pflicht, war Liebe und Güte oft selbstlos und schlicht.”

Starke Frauen gab es auch schon immer in Obsteig. Die Ausstellung lässt in diesem Zusammenhang u.a. auch die Hebammen des Dorfes hochleben. Darunter Filomena Rappold, Katharina Wolff, Josef Falbesonder, Aloisia Rappold, Maria Hann und Maria Katharina Gassler. Die meisten Obsteigerinnen und Obsteiger verdanken wohl einer dieser Geburtshelferinnen ihr Leben. Sie haben ihrem Dorf – nicht nur im übertragenen Sinne – im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte auf die Beine geholfen.

Eine starke Frau war sicherlich auch Justina Sonnweber, Hausname “Stöckl”. Sie lebte von 1837 bis 1905, war Bäuerin und Krämerin. Justina führte mit ihrem Mann die vielleicht erste Krämerei in Obsteig. Später einen Laden beim Postmeister und schließlich bei Barbara Gabl eine Gemischtwarenhandlung. Ihr Sohn, Mathias Sonnweber (der “Stöckl Hiasl”), war Vorsteher (heute heißt das Bürgermeister) von Obsteig. Von 1912 bis 1922.

Als “Weißlerin” machte sich Maria Höpperger einen Namen. Maria, Hausname “Tobian”, lebte von 1890 bis 1966 und war in ihrer Zeit Expertin für das Ausmalen der Häuser. Dazu benutzte sie Schablonen und Musterwalzen für Ornamente und farbige Verzierungen. Ihr Ansuchen um das Botengewerbe wurde abgelehnt. Marias Bruder, Joseph Höpperger, war von 1927 ab Besitzer des ersten elektrisch betriebenen Sägewerkes in Obsteig.

Chronist Toni Riser steht vor der Tafel “Schneggenhausen” und erklärt seinem interessierten Publikum, welche Berühmtheiten darauf präsentiert werden. “Schaut mal hier, das ist das Bild unseres früheren Postmeisters Josef Föger.” Die Heimatzeitung schrieb seinerzeit, etwas Vergleichbares wie sein Begräbnis habe man noch nie zuvor in Obsteig erlebt. Da waren alle da. Mit und ohne Rang.

“Des Postmeisters Vereine, allen voran die Musikkapelle, der Kirchenchor und die Feuerwehr. Der Josef half bei der Kirchenrenovierung und bei der Beschaffung der Glocken. Sogar die St. Josefsglocke läutete im Hintergrund mit ihrem hellem Klang zur Grabrede des Pfarrers.” Josef Föger brachte es auf stattliche 87 Jahre. Viele Obsteiger wurden damals über 90 Jahre alt. Nachzulesen ist auch das im Totenbuch der Gemeinde.

Schneggenhausen selbst war und ist Teil der Geschichte Obsteigs, hat sie seit Jahrhunderten mit beeinflusst. Das frühere Gut Schneggenhausen, aus vormals kaiserlichem Besitz, war in zeitgeschichtlich jüngerer Vergangenheit u.a. das ehemalige Postamt. Seither bei den Obsteigern bekannt, als das Haus “beim Postmeister”. Das blieb es bis zum Neubau des Gemeindehauses im Jahre 1980. Die Gemeinde-Chronik vermerkt: “Das Postamt Obsteig wurde am 20. Juni 1871 gegründet und am 24. Juni 2005 geschlossen.”

Für das “Haus Schneggenhausen” stehen bekannte Obsteiger Namen, die sich u.a. in der Sterbebilder-Ausstellung wiederfinden. Darunter der legendäre Lehrer Franz Gassler, der seiner Gemeinde und Pfarre stolze 61 Jahre lang als Lehrer, Organist und Mesner diente. Er löste im Jahre 1867 das Lehen aus kaiserlichem Besitz ab. Franz – so ist in der Chronik nachzulesen – hatte drei Töchter, von denen eine, die Agnes, den Löwenwirtssohn Ingenuin Föger heiratete. Bis vor kurzem trugen daher viele Besitzer den Namen Föger. Ingenuin Föger brachte im Haus Schneggenhausen die Poststelle unter. Das Gasthaus “Löwenwirt” musste dem Neubau eines Supermarktes weichen.

Das Haus Schneggenhausen – gegenüber der Kirche – wurde 2003 von der Gemeinde Obsteig gekauft und  von 2018 bis 2019 restauriert. Es wird zum Wohnen und als Kinderhort genutzt. Das Anwesen ist seit vielen Jahrhunderten ununterbrochen bewohnt und bewirtschaftet. Ein erster Eintrag über das Anwesen findet sich im Stamser Urbar von 1336. In einem Vermerk zu lesen ist, das „Chunrads Sohn von Snekkenhusen“ dem Stift für sein Seelenheil einen Geldbetrag spendierte.

In den landesfürstlichen Lehenamtsbüchern im Tiroler Landesarchiv findet sich das direkt vom Landesfürsten vergebene Lehen Schneggenhausen neben zahlreichen anderen bekannten Ansitzen und Burgen in Nord- und Südtirol. Die erste schriftliche Belehnung eines Mannes mit Schneggenhausen stammt aus dem Jahr 1425, es folgten weitere Eintragungen in den Büchern bis zum Jahr 1867.

Die ausgestellten Sterbebilder im somit legendären Stadel Schneggenhausen offenbaren die wechselhafte Geschichte Obsteigs. Das interessiert auch ortsfremde Besucherinnen und Besucher.

Die Ausstellung bietet sehr viel Hintergrundinformation zum Thema “Sterbebild”. Hansjörg Bader schreibt in seinem Buch: “Die ursprüngliche Aufgabe von Sterbebildchen war der Aufruf zum Gebet. Hinterbliebene konnten für den Verstorbenen dessen Zeit im Fegefeuer verkürzen, indem sie durch Gebete einen Ablass in unterschiedlicher Länge bewirkten.”

Bader dokumentierte die Entwicklung von zur Herstellung der Sterbebilder von 1871 bis heute: “In Zeiten zunehmender Digitalisierung sind gedruckte Sterbebilder noch immer wertvolle Medien zur Erinnerung. Auch für Menschen mit schwächerer religiöser Bindung.”

Nicht zuletzt unterliegen die Sterbebilder einem historischen Wandel. Ulrike Fink hat sich in ihrem Beitrag für den ORF-Tirol damit beschäftigt. Sie schreibt: “Seit mehr als 200 Jahren transportieren die Sterbebilder neben der Religion auch politische Propaganda. Heute verdrängen allerdings zeitgenössische Kunst und Individualität die Religion auf dem Sterbebild.”

Vor gut 50 Jahren wären Sterbebilder in Tirol fast ausgestorben. In der Heute-Zeit feiern sie erfreulicherweise eine Renaissance. Der Grund ist leicht zu verstehen, meint Hansjörg Bader: “Werden für einen Verstorbenen nur wenige Dutzend Bilder bestellt, ist das für Druckereien nicht wirtschaftlich. Die übliche Auflage liegt meist zwischen 20 und 100 Bildern.”

“Wir würden uns freuen”, sagte Chronistin Sabine Ortner, “wenn sich unserem Engagement auch andere Gemeinden anschließen würden. Mit der Analyse von Sterbebildern lässt sich nämlich sehr gut die Entwicklung der Gemeinden dokumentieren. Wir leisten damit außerdem einen Beitrag gegen das Vergessen.”

Die Obsteiger Chronisten möchten bei ihrer Spurensuche weitermachen. “Einer unserer Planungsgedanken wäre ja vielleicht auch ein Buch”, verrät Sabine Ortner am Ende eines erfolgreichen Ausstellungstages. “Dafür brauchen wir aber viel Unterstützung. In jeder Hinsicht. Interessierte dürfen sich uns zur Verwirklichung der Idee gerne anschließen.”

Reichlich Applaus bekamen Margit Offer, Margit und Peter Reich für ihren spontanen Liedvortrag zur Ausstellungseröffnung. Die Idee dazu kam von Peter Reich, der gemeinsam mit Margit Offer im Chor singt.

Warum bist du gekommen
Wenn du schon wieder gehst,
Hast mir mein Herz genommen
Und wirfst es wieder weg,
Ich bin kein Bajazzo,
Bin auch ein Mensch wie du,
und leise schlägt mein Herz dir zu.

“Irgendwie passt das Lied zur Ausstellung”, meinte Sabine Ortner.

Margit Offer zum Hintergrund: “Die Opernfigur aus dem Bajazzo von Leoncavallo war möglicherweise der Ideengeber für das beliebte, mittlerweile zum Volkslied gewordene Lied «Warum bist Du gekommen«. Lorenz Maierhofer hat zu diesem Ohrwurm ein eindrucksvolles Chorarrangement geschrieben, das Sänger und Publikum immer wieder begeistern kann.”

Von den Besuchern war viel Zustimmung zur Sterbebilder-Ausstellung im Stadel Schneggenhausen zu hören. Dieser Einschätzung schließt sich #tirolbayern gerne an und gratuliert allen, vor und hinter den Kulissen, zu der sehr gut präsentierten Ausstellung.

Lob und Anerkennung geht insgesamt an das Chronikteam der Gemeinde Obsteig. Das sind neben Leiterin Sabine Ortner, Hannes Faimann, Herbert Krug, Toni Riser, Klaus Rieser und Martha Witsch.

Aus den privaten Sammlungen von Johannes M. Faimann und Klaus Rieser stammen die meisten Ausstellungsobjekte.

Spuren des Tirolers Hermann Rieser – Vom Tellerwäscher zum gefeierten Bildhauer

Quellenhinweise:

  • Dr. Hansjörg Bader, Sterbebilder, Vom Gebetsaufruf zur Erinnerung, Edition Tirol.
  • Sterbebilder zwischen Politik und Individualität,Ulrike Finkenstedt ORF-Tirol
  • Die Wiedergeburt des Sterbebilds, Judith Sam, Tiroler Tageszeitung
  • Lebendige Geschichte von Schneggenhausen am Mieminger Plateau, Ein Haus im Wandel der Zeit, von Clemens Perktold, meinbezirk.at/Bezirksblätter

Weblinks:

Fotos: Knut Kuckel

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Nahaufnahme Almabtrieb – von der Feldereralpe nach Mieming https://www.tirolbayern.de/2019/09/23/nahaufnahme-almabtrieb-von-der-feldereralpe-nach-mieming/ https://www.tirolbayern.de/2019/09/23/nahaufnahme-almabtrieb-von-der-feldereralpe-nach-mieming/#respond Mon, 23 Sep 2019 16:38:00 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=39214 Weniger als neun Stunden dauerte der beschwerliche Almabtrieb von der Hochfeldernalm nach Mieming. Das Eintreffen der Hirten mit ihrem Vieh daheim in Obermieming glich einem Triumphzug. Die Rinder wurden fürs Publikum geschmückt, weil in diesem Sommer keines der Tiere zu Schaden kam.

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Hunderte Zuschauer beobachteten das Spektakel. Darunter inzwischen zahlreiche Stammgäste. Vom Gesicht her kennt man sich häufig. Man nickt sich grüßend zu. Eben – wie bei einem richtigen Landfeiertag.

Um den Schmuck kümmerten sich die Obermieminger Bäuerinnen. Gefertigt in liebevoller Handarbeit. Ortsbäuerin Barbara Spielmann: „Das gehört dazu, hat Tradition“.

Über 230 Tiere verbrachten den Almsommer heuer auf der Feldereralpe. Die meisten von ihnen durften schon in den vergangenen Tagen zurück auf den Kälberhag, dem Vorberg der Obermieminger Almbauern. Beim Almabtrieb wurden deshalb nur noch 80 Tiere heimgeführt. Bei spätsommerlichen Temperaturen von 21 Grad, Sonne und wolkenlosem Himmel, war das fürs Vieh ziemlich anstrengend. Immer wieder musste unterwegs eine Pause eingelegt werden. Für Notfälle fuhr ein Viehtransporter mit. Der wurde auch gebraucht.

Auf der niederen Alm werden ab Mitte Juni die Rinder auf das Abenteuer Hochalm vorbereitet. Hier dürfen sie noch bei guter Wetterlage bis Mitte Oktober die heimischen Weidegründe genießen.  Dann gehts zurück in die Winterställe. Bis zum nächsten Frühjahr.

Am Vorabend wurde das Almvieh zur Sammelstelle unterhalb der alten Feldernalm gebracht. Man hatte den Eindruck, das Vieh wollte es nur noch hinter sich bringen. Drei Monate Hochalm bedeutet für die Tiere zwar, in weitgehender Freiheit zu leben, setzt sie allerdings auch vielen Gefahren aus. Dieser Almsommer war in dieser Hinsicht ein Erfolg.

[See image gallery at tirolbayern.de] Fotos: Elias Kapeller

Die Hirten Fabio Riml und Martin Reich konnten sich beim Zusammentreiben der Almtiere auf die tatkräftige Hilfe aller noch konditionell starken Almbauern aus Obermieming freuen. Die Nacht von Samstag auf Sonntag verbrachten alle in der Hochfeldern Alm. Am Samstag-Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, setzte sich das Hirtenteam in Bewegung. Pünktlich um 7 Uhr war der Almabtrieb schon unterwegs.

Es folgten 35 Kilometer Fußweg. Das ist nichts für Leichtgewichte. Mühsam für alle, die sich auf den Weg machten. Von den Almen, übers Gebirge, ins Tal.

Auf der für Mensch und Vieh kräftezehrenden Tour mussten talwärts rund 800 Höhenmetern überwunden werden. Bergwanderer schaffen das locker in knappen drei bis vier Stunden, die schwergewichtigen Huftiere brauchen dafür etwas länger. Was die Ausdauer angeht, sind sie aber den meisten Zweibeinern im Gebirge weit überlegen.

Andreas Schneider und Stefan Kapeller waren heuer die “Dienstältesten” im Kreise der Helferinnen und Helfer, die den langen Weg von der Feldernalm bis Obermieming gegangen sind. Bei ihrer Ankunft in Affenhausen begrüßte sie u.a. der 80jährige Otto Rappold. “Seitdem ich laufen konnte, war ich dabei,” erzählt er uns. “30 Jahre lang, ohne Unterbrechung.” Aus dieser Zeit ist heute niemand mehr mit dabei.

Die älteste Zeitzeugin, neben dem Rappold Otto, war die 96jährige Anna Scharmer. Sie schenkte den neuen Almleuten der Hochfeldern Alm ein gerahmtes Bild. Das hängt heute an einem prominenten Platz. Annas Familie gehört die Weide hinter dem Hotel Traube, wo das Almvieh vor dem Erreichen am Zielort in Obermieming noch einmal ruhen darf und versorgt wird.

Franz Kapeller versorgte in der Zwischenzeit das durstige Vieh mit frischem Wasser aus den Quellen der Mieminger Berge und half mit beim “aufprostern” – dem Schmücken der Tiere. Das Hirtenteam wurde von Service-Frau Silvia Schneider mit frischen Getränken und einem stärkenden Imbiss versorgt. Für Silvia war das auch ein besonderer Tag, weil sie ihren Geburtstag feierte. Den Kreis ihrer Gäste hätte niemand besser aussuchen können.

Der Almabtrieb von der Feldereralpe nach Obermieming findet auch heute noch, wie vor Jahrzehnten statt. Alles ist noch ursprünglich und wird von der Almbauernschaft organisiert. Touristiker sind nicht aktiv beteiligt, kommen aber vorbei, wie Franz-Josef Pirktl, der Juniorchef vom benachbarten Hotel Schwarz. “Wir freuen uns, dass das in Mieming noch so ist und so soll es auch aus Sicht des Tourismusverbandes bleiben.” Franz-Josef Pirktl ist im Bauernland aufgewachsen. Kennt die Mentalität seiner Nachbarn, die auch sein Hotel beliefern.

“Das macht wohl das Besondere aus und so soll es auch noch künftig sein”, kommentiert Martin Kapeller. Der Vizebürgermeister von Mieming ist für seine Gemeinde Almbeauftragter der Hochfeldern Alm und der Seeben Alm. Auch er schickt Vieh Jahr für Jahr im Sommer auf die Alm.

“Die Almwirtschaft war schon immer das prägende Element unserer alpinen Kulturlandschaften”, erzählt Martin Kapeller. “Die Almweiden sind charakteristisches Merkmal. Vielleicht ja auch, weil sie unterschiedlich genutzt werden.” Das Vieh spiele eine große Rolle zum Erhalt der Artenvielfalt.

Die Feldernalm im Gaistal ist seit Jahrhunderten die angestammte Almweide der Obermieminger Bauern. In einer Urkunde vom 3. Mai 1340 erteilen die Obermieminger Bauern als Gegenleistung für die Neuerrichtung der St. Gertraudenkirche – das ist die heutige Georgskirche – dem „Closter Stambs“ für 26 Jahre das Recht, „mit ihrem Vieh auf die Alpe zu fahren und diese zu benutzen“. Die neue Feldernalm wurde 1964 in Hochfeldern errichtet.

Der Almbetrieb konnte und kann nur durch hohe Eigenleistung der Almmitglieder aufrechterhalten bleiben.

Viele Generationen von Obermieminger Bauern haben das Ihre dazu beigetragen – und das war nicht immer leicht. Es ist ihr Verdienst, dass die Hochfeldernalm heute noch in jeder Hinsicht vorbildlich bewirtschaftet wird.

Nach der Neueröffnung am 28. August 2016 wurde die Hochfeldernalm noch mehr ein beliebtes Ausflugsziel im Sommer und im Winter.

Das Fest zum Almabtrieb wurde am Bauernhof der Familie Post gefeiert. Um die Bewirtung der Gäste kümmerte sich die Bergrettung Mieming. Getanzt wurde zur Musik der beliebten Formation „Halli Galli“.

Die Hirten der Hochfeldernalm brachten eine geschmückte Kuh mit zum Foto-Termin. Die hatte verständlicherweise überhaupt kein Vergnügen an der Aktion. Selfies sind halt nicht ihr Ding. Zu viel Menschen, zu viele mobile Telefoniergeräte. Das kommentierte jemand und brachte die erlebte Realsatire auf den Punkt: “Vor 30 Jahren haben wir noch alle aus öffentlichen Telefonzellen telefoniert. Heute hat jeder seine persönliche Telefonzelle in der Tasche. Das bemerkenswerte daran – mit diesen Geräten kann man Vieles, auch fotografieren.”

Am Abend trafen sich die Hirten zum “Hirtenmahl” im Gasthof Post. Ein alter Brauch. Für alle eine Gelegenheit, mal wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Geredet wurde über meist, was die Almwirtschaft zurzeit beschäftigt. Auch über das Unglück der benachbarten Mittenwalder Schafbauern in diesem Almsommer. Wir erinnern uns: bei einem Hangrutsch am Predigtstuhl war am 1. Juli ein Teil der Schafherde, die vor kurzem wieder ins Tal gekommen ist, in die Tiefe gerissen worden. So endete der “Schafscheid” in Mittenwald mit einem traurigen Ergebnis. Fast die Hälfte der Tiere hat das Unglück nicht überlebt.

Die Schafer kennen sich untereinander. Auch beim Almabtrieb in Mieming waren sie dabei. Den Freunden im Werdenfelser Land gilt ihre Anteilnahme, ihr Mitgefühl.

Festgestellt wurde in diesem Zusammenhang auch, dass die Freunde im oberbayerischen Mittenwald ihre Schafe schon zwei Wochen vorher – am 7. September – von den Almen heimführten. Am gleichen Tag war übrigens auch ein Almabtrieb mit Almfest in Wallgau im Oberen Isartal. Dann folgten weitere Almabtriebe in der Region Garmisch-Partenkirchen. Für den Tourismus in Oberbayern unverzichtbar. Heißt es.

Unseren Beitrag “Nahaufnahme Almabtrieb” haben wir mit Bildern dokumentiert, die man als Außenstehender üblicherweise nicht sieht. Das geht nur, wenn alle Kameraleute an einem Strang ziehen. Haben sie an diesem Wochenende, im Zeichen ein es gelungenen Almabtriebs.

Andreas Fischer war für Mieming.online mit seiner Kamera Teil des gesamten Almabtriebs. Sein Video-Beitrag lässt die Betrachter ahnen, wie beschwerlich der Weg talwärts für das Vieh und die Hirten war:

In Kooperation mit »Mieming.online«. Danke an alle, die uns ihre Fotos für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt haben.

Fotos: Andreas Fischer / Knut Kuckel

[See image gallery at tirolbayern.de] Weblink: Hochfeldern Alm

 

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“Gefallen für Gott und Vaterland” – Gedenktafeln mahnen zum Frieden https://www.tirolbayern.de/2019/09/20/gefallen-fuer-gott-und-vaterland-gedenktafeln-mahnen-zum-frieden/ https://www.tirolbayern.de/2019/09/20/gefallen-fuer-gott-und-vaterland-gedenktafeln-mahnen-zum-frieden/#respond Fri, 20 Sep 2019 11:36:13 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=22024 Die 265 Gedenktafeln der Gefallenen oder vermissten Soldaten zweier Weltkriege an den Aufgängen zur Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen stimmen nachdenklich. Jede Tafel steht für ein verlorenes Menschenleben, ist ein Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges.

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“Gefallen für Kaiser, Gott und Vaterland”, lese ich auf der Gedenktafel eines Soldaten, der sein Leben im 1. Weltkrieg verlor. Darauf stehen Aussagen wie “Im Gedenken unserer Helden” oder “Fern von der Heimat und den Lieben, ruht in fremder Erde…”.

In Kriegszeiten hatte der ein oder andere auch “sein hoffnungsreiches Leben für’s Vaterland geopfert”. Dieses und Ähnliches ist auf vielen Tafeln zu lesen. Zu sehen sind meist auch Bilder der Gefallenen oder Vermissten Soldaten.

Jede Tafel ist ein kleines Denkmal.

Vor diesem Hintergrund fragt man sich, passt die Erkenntnis von der Sinnlosigkeit des Krieges nicht auch zu den aktuellen Kriegsschauplätzen dieser Welt?

In Afghanistan, Syrien, im Jemen, Nigeria, Somalia, in der Ukraine, im Südsudan, in Nordwest-Pakistan, Libyen, dem Sinai, Mali und anderswo. Die Liste der aktuellen Kriege und Konflikte bleibt umfangreich. 

Beim Fotografieren der Tafeln, vor der Kirche, die dem Hl. Antonius gewidmet wurde, kommt man mit Menschen ins Gespräch. In allen Gesprächen steht die Sinnlosigkeit von Kriegen im Vordergrund. Die Kirche selbst verdankt Kriegen und Scharmützeln ihre Existenz. Bayern gegen Tirol und umgekehrt und mehr. Weil bei den letzen Erbfolgekriegen die siegreichen Österreicher auf Plünderungen in Garmisch und Partenkirchen verzichteten, brachten einflussreiche Bürger ihren Dank zum Ausdruck, indem sie oberhalb von Partenkirchen ein Kirchlein bauten.

Eine 82jährige Partenkirchnerin, die es schon in jungen Jahren nach Murnau verschlagen hatte, erinnerte sich an die letzten Jahre des 2. Weltkriegs. “Ich war noch ein Kind, zu Kriegsende gerade mal acht Jahre alt. Weiß aber noch, dass alle Familien damals jemanden vermissten. Unsere auch.”

Wann immer es sich einrichten ließe, käme sie mit dem Bus hier her. Zur Familie hätte sie keinen Kontakt mehr, aber das Elternhaus gäbe es noch. Unweit von St. Anton. “Mir wurde immer erzählt, die Zeit heilt alle Wunden. Das stimmt aber nicht. Wenn ich das hier sehe, sind alle Erinnerungen wieder da.”

Und immer wieder werde ich gefragt, weshalb ich die Tafeln fotografiere? Dann sage ich, meine Fotos sollen mahnen und nachdenklich machen. Jedes einzelne Bild erzählt die Geschichte einer ganzen Familie. Die Mütter der Gefallenen und Vermissten der Weltkriege haben ihre Kinder verloren. Wozu? Für wen?

Die meisten Tafeln bitten um ein “Gedenken im Gebet”. Vor jeder Tafel zu beten, scheint mir an nur einem Tag unmöglich zu sein. Bei allem Respekt vor dem Schicksal des Einzelnen. Hier und da versuche ich es. Lese, was drauf steht und stelle mir vor, wie es wohl war, als die Hinterbliebenen der rund 300 Soldaten all die Gedenktafeln an den westlichen Aufgängen zu St. Anton anbrachten?

Daran denkend, spiegeln meine Gedanken laufende Bilder. Wie in einem Film. Mütter, Väter, Großmütter – Tanten, Onkel, Nichten und Neffen – all die Verwandten, für die der Aufgang zur Kirche Ersatz für eine Grabstelle war. Jeder wollte für den verlorenen Angehörigen einen guten Platz finden. Sie kamen wohl alle mit kleinem Werkzeug. Hammer und Nagel. Hier und da auch ein wenig mehr. Montierten die zuvor von einem Handwerker geschnitzten tafelgroßen Denkmäler.

Gedenktafel für Gedenktafel. Jede einzelne ein Zeugnis der Dummheit derer, die sie in diese sinnlosen Kriege entsandt hatten. Damals waren es Kaiser oder Führer, heute sind es Präsidenten, Mullahs, Despoten – all die geistigen Führer einer nach wie vor kriegslüsternen Welt.

Sie führen Kriege im Namen einer Religion oder schlicht aus Hass auf den Nachbarn. Im wahrsten Sinne des Wortes, wahnsinnige, eiskalte Menschen. Besessene, denen es um so Vergängliches wie Macht, Geld oder Einfluss geht.

Mir fällt ein, dass ich als Schüler meinen Geschichtslehrer fragte, warum wir “Geschichte” lernen sollten? “Damit wir aus der Geschichte lernen”, war seine Antwort. Heute würde ich ihn gerne fragen, was wir – bitteschön – aus der Geschichte gelernt haben?

“Solange es Menschen gibt”, sagt ein älterer Herr, “wird sich daran nichts ändern.” Das Wort “Blutzoll” fällt. In kleiner Runde erzählt der Mann, dass er als früherer Finanzdienstleister vielen Menschen mit Einfluss begegnete. Vierzig Jahre lang sagt er, in den meisten Ländern dieser Welt. “Heute bin ich wieder daheim und frage mich, was wir davon haben? Wir zerstören, bauen wieder auf und so weiter und so fort. Denen, die daran verdienen, gehts dabei ganz gut. Alle anderen bezahlen dafür. Viele mit ihrem Leben.”

Über die Begegnungen und Gespräche vor den vielen Gedenktafeln der Gefallenen und Vermissten auf den Stufen von St. Anton in Partenkirchen habe ich im Freundeskreis berichtet. Eine Freundin sagte, sie möchte nicht, dass eines ihrer Kinder eines Tages zum Militär geht. “Sie sollen den Menschen im Leben beistehen, meinetwegen auch, wenn sie sich von dieser Welt verabschieden. Aber nicht ihr Leben auf irgendeinem Schlachtfeld hergeben. Fern von daheim.”

Ich habe ihr meine Bilder gezeigt. Die Stimmung war bedrückend. Ich frage, ob ich die denn wirklich veröffentlichen soll? Macht das denn Sinn, wenn sich ja ohnehin nichts ändert?

Die Freundin sagt dazu: “Gerade deshalb. Als Mahnung vor Krieg und Terror. Vor all dem Wahnsinn, den uns jeden Tag die Medien zeigen.”

Sie lebt in Österreich. Ihr Land hat viele Kriege geführt. Das will man heute und in Zukunft nie wieder. In Wikipedia lese ich dazu: Die Neutralität ist seit ihrer Beschlussfassung am 26. Oktober 1955 – dem Tag, an dem zum ersten Mal keine Besatzungstruppen nach dem Krieg mehr im Lande waren – ein grundlegendes Element in der österreichischen Außenpolitik. Seit 1965 ist der 26. Oktober in Erinnerung daran der Nationalfeiertag Österreichs.

In einem Informationskasten der Kirchenverwaltung von St. Anton wird mit einem Plakat um Spenden für die Kriegsflüchtlinge aus Syrien aufgerufen. Das Plakat titelt: „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“. Ich fotografiere das Plakat und denke, dass passt zum Beitrag. Beinahe würde ich sagen, wie bestellt.

Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen – Dank Dir “Schlampertoni”

Fotos: Knut Kuckel

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“92 Grenzsteine und Felszeichen” – Das Werdenfelser Land symbolisiert eine Burgruine https://www.tirolbayern.de/2019/08/29/92-grenzsteine-und-felszeichen-das-werdenfelser-land-symbolisiert-eine-burgruine/ https://www.tirolbayern.de/2019/08/29/92-grenzsteine-und-felszeichen-das-werdenfelser-land-symbolisiert-eine-burgruine/#respond Thu, 29 Aug 2019 07:27:56 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=21311 "I bin am liabstn dahoam!" sagt der alte Werdenfelser. Zwingen ihn Geschäfte oder Behördengänge sein "Dahoam" kurzzeitig zu verlassen, verkündet er kurz angebunden "Mir fahrn ins Boarland naus". Dann gehts häufig nur nach Murnau, Weilheim oder München.

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Selbstbewusstsein ist das Markenzeichen des Werdenfelsers. Das ist sozusagen genetisch vorbestimmt. Heutzutage ist der Alteingesessene zwar schon Bayer, aber in erster Linie noch immer Werdenfelser. Daheim im Werdenfelser Land. Dazu gehören die Gemeinden Mittenwald, Krün, Wallgau, Grainau und Farchant. Seine kulturellen Wurzeln hat der Werdenfelser – wenns hoch kommt – in Partenkirchen.

Für die Werdenfelser waren Murnau und Kochel, Oberammergau, Ettal und Oberau Ausland. Erst mit den Umbrüchen der napoleonischen Zeit kam diese Region zu Bayern.

“Werdenfelser Land” ist der Name für den Südteil des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Die Region erstreckt sich im Norden bis Farchant, im Osten bis Mittenwald und im Süden und Westen bis an die Grenze Österreichs.

Wenn man die Leute heute im Raum Garmisch-Partenkirchen befragt, woher das “Werdenfelser Land” seinen Namen hat, zeigen sie nach Farchant, zur Burgruine Werdenfels. Die mittelalterliche Burg Werdenfels gilt als Namensgeberin des Werdenfelser Landes.

Der österreichische Historiker Michael Henker hat sich als in Deutschland tätiger Museumsmann mit der “Geschichte der Grafschaft Werdenfels” beschäftigt und stellte dabei u.a. fest, dass zu einer Grafschaft auch ein Graf gehören müsse und es einen “Grafen von Werdenfels” strenggenommen niemals gab.

Michael Henker: “Nur einen einzigen “Grafen von Werdenfels” kennen die Akten: Der spätere König Ludwig I. von Bayern benutzte als Erbprinz auf seiner Italienreise 1804 diesen Namen als Pseudonym.”

Der Schriftsteller Ludwig Aurbacher, Sohn eines Nagelschmieds in Türkheim, hat mit seiner 1834 veröffentlichten Sage “Die Ruine Werdenfels – Das Fräulein von Schroffenstein” dem Werdenfelser ein literarisches Denkmal gesetzt. Bei ihm stirbt der reiche Graf von Werdenfels kinderlos, nachdem das Fräulein von Schroffenstein durch eine List, statt seiner, den Grafen von Eschenlohe geheiratet hat und sein ganzer Besitz fällt diesem Grafen von Eschenlohe zu.

Historisch belegt ist, dass Graf Berthold III. von Eschenlohe, der letzte männliche Vertreter der Familie, im Jahre 1294 seine Grafschaften Partenkirchen und Mittenwald an Bischof Emicho von Freising verkaufte.

Die Freisinger sicherten sich das Gebiet und die Rechte der Grafschaft Werdenfels. Sie ließen 1305 eine erste Grenzbeschreibung verfassen. Erst einmal in lateinischer Sprache: “Fines et mete adtinentes praescripto dominio in werdenvels et districtui domini Episcopi pertinente Castro Werdenfels”. Die deutsche Ausfertigung folgte 1316.

Damaligem Brauch entsprechend, enthielten die Grenzbeschreibungen nicht den exakten Verlauf einer Grenzlinie, sondern nur die Angabe markanter Punkte, entlang derer sich der eigene Besitz erstreckte.

Michael Henker: “Ein gravierender Mangel war es freilich, dass 1305 und 1316 nur die freisingische Sicht niedergeschrieben wurde, was den beiden mächtigen Nachbarn Tirol und Bayern in der Folgezeit Gelegenheit gab, Freising besonders im 14. und 15. Jahrhundert großflächig zurückzudrängen. So verlor die Grafschaft Werdenfels an Bayern Gebiete im Loisachtal bei Oberau, im Isartal bei Fall und Vorderriß sowie an Tirol weite Teile des Karwendels, des Leutaschtals und des Seefelder Sattels.”

Zahlreiche Grenzverträge schrieben diese Entwicklungen fest, bis 1768 die Vermarktung endgültig abgeschlossen war. Michael Henker schreibt dazu: “92 Grenzsteine und Felszeichen und 103 Marchbäume markierten nun die Grenzen des Territoriums der Grafschaft Werdenfels.”

Die Freisinger mussten die Anlage schon im 15. Jahrhundert aus Geldnot mehrmals verpfänden.

Ab 1676 beutete man die Veste als Steinbruch aus. Burgsteine wurden nachweislich beim Neubau der barocken Pfarrkirchen von Farchant und Garmisch wiederverwendet. Um den Erhalt der Anlage kümmert sich heute der Verein Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Burgruine Werdenfels.

Im Zuge der Säkularisation kamen Burg und Grafschaft 1802 an das Königreich Bayern. Die etwa 5000 Bewohner der ehemals reichsunmittelbaren Herrschaft konnten sich anfangs nur schwer an ihre neuen Herren gewöhnen. Aus dem Jahr 1806 ist die Klage eines Münchner Beamten überliefert, dass “viele Werdenfelßer noch keine Bairischen Herzen haben!”

1822 erwarb der bayerische Staatsrat Ignaz von Rudhart die Ruine, die sich seitdem in Privatbesitz befindet.

Ackerbau war in der Grafschaft Werdenfels wenig verbreitet. Auch die Viehzucht brachte nur geringe Erträge. Dafür spielten Handel und Gewerbe eine wichtige Rolle für die Menschen. Schon die alten Römer machten aus Mittenwald und Partenkirchen bedeutende Handelsniederlassungen. Zur Blüte gelangten die beiden Gemeinden in der Zeit vom 15. bis zum 17. Jahrhundert.

Die wichtige Straße nach Süden brachte allerdings nicht nur Vorteile, sie diente auch immer mal wieder als Heerstraße. So befestigte Tirol 1632 und 1648 dauerhaft die Talenge bei Scharnitz als Abwehr gegen die Schweden auf Werdenfelser Gebiet. An der Nordgrenze, beim so genannten “Steinernen Brückl” wurde 1646/48 eine Schwedenschanze errichtet.

Ab 1796 schließlich erlebte Werdenfels wechselnde militärische Besatzungen und Kriegshandlungen von Österreichern, Franzosen und Bayern.

Die Bedeutung der Grafschaft als Nachbar Tirols hatte bereits am 19. August 1802 zur Besetzung durch bayerische Truppen geführt, ehe im November 1802 die kurfürstliche Besitzergreifung das Ende der über 500-jährigen bischöflichen Herrschaft über die Grafschaft Werdenfels markierte.

Seit 1808 unterstand das Landgericht Werdenfels dem Isarkreis, wurde 1810 dem Innkreis und 1814 erneut dem Isarkreis zugeteilt, aus dem 1837 der Regierungsbezirk Oberbayern hervorging.

Und so, wie das Werdenfelser Land erst 200 Jahre bayerisch ist, ist sein weltberühmtes Aushängeschild Garmisch-Partenkirchen erst seit seit 84 Jahren eine Gemeinde. Am 1. Januar 1935 wurde die Vereinigung der beiden benachbarten Orte Garmisch und Partenkirchen zu einer Marktgemeinde von den Nationalsolzialisten wegen der anstehenden Olympischen Winterspiele 1936 erzwungen.

Doch schon 1889 nannte die königlich-bayerische Eisenbahndirektion in weiser Voraussicht den Bahnhof, der zwischen beiden Orten gebaut wurde, “Garmisch-Partenkirchen”. Auch wenn man sich inzwischen aneinander gewöhnt hat, zeigen sich bei näherem Hinschauen noch viele Eigenständigkeiten. Vieles gibt es doppelt. Ski-Clubs, Trachtenerhaltungsvereine, Musikkapellen, Kurparkanlagen und mehr.

Wanderern und Ausflüglern zur Burgruine Werdenfels empfehlen wir zur Einkehr die 770 Meter hoch gelegene Werdenfelser Hütte. Von dort hat man einen schönen Ausblick auf das Loisachtal, Ester- und Wettersteingebirge.

Megscht mitlousn?

Zur Einstimmung empfehlen wir den nachstehenden Film über den Dialekt im Werdenfelder Land und im Innsbrucker Land aus der Sendung vom Bayerischen Rundfunk: Unter unserem Himmel, vom 29. April 2018, Dialekt im Werdenfelser Land und in Nordtirol (44 Min.).

Quellen:

Weblink: hoehenrausch.de/Werdenfelser Hütte

Fotos: Knut Kuckel / #tirolbayern

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