Grenzgänger TirolBayern https://www.tirolbayern.de Erlebnisse und Begegnungen Sun, 09 Aug 2020 13:43:36 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.4.3-alpha-48366 https://www.tirolbayern.de/wp-content/uploads/2020/07/grenzgaenger_tirolbayern_500_500-214x214.jpg Grenzgänger TirolBayern https://www.tirolbayern.de 32 32 144418615 Veronika Gerber: „In meinen Bildern gehe ich spazieren“ https://www.tirolbayern.de/2020/08/06/veronika-gerber-in-meinen-bildern-gehe-ich-spazieren/ https://www.tirolbayern.de/2020/08/06/veronika-gerber-in-meinen-bildern-gehe-ich-spazieren/#respond Thu, 06 Aug 2020 16:47:15 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=38146 Von der Afra-Benefiz-Lithographie „Porto San Nicolo“ stehen 140 gerahmte Bilder abholbereit im Keller der Steindrucker in Affenhausen. Im Atelier arbeitet Veronika Gerber an ihrer neuen Lithographie am Stein. Am liebsten hört sie dabei Mozarts Klavierkonzerte.

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Wir dürfen zuschauen und die Entstehung einer Steindruck-Lithographie bis zur abschließenden Rahmung dokumentieren.

Die meisten Bilder von Veronika Gerber sind in der Galerie Augustin zu sehen. Ausstellungen gibt es im Wechsel – mal in Wien, mal in Innsbruck. „Seit 30 Jahren ist Peter Augustin mein Galerist“, erzählt die Tiroler Künstlerin. „Uns verbindet eine Zusammenarbeit, die von Vertrauen geprägt ist.“

Das 17. Afra-Fest darf heuer wegen Corona nicht stattfinden. Deshalb öffnen Annaliese und Günther Stecher ihr Haus von August bis September allen, die einmal ungestört hinter die Kulissen eines besonderen Kunstbetriebes schauen mögen.

„Wir freuen uns, dass unser Sommer-Angebot so viel Zuspruch findet“, sagt die Hausherrin. „Unsere Gäste dürfen sich beim Anschauen der Bilder alle Zeit der Welt lassen. Auf Wunsch öffnen wir auch gerne die Werkstatt und das Atelier.“

Großes Glück ist es allerdings, bei einem Besuch auch auf Künstler zu treffen, die gerade am Stein lithographieren.

Die Kunst des Druckens am Stein ist die Königsdisziplin aller künstlerischer Drucktechniken.

Das gilt heute mehr denn je, bestätigt Veronika Gerber. Die gebürtige Hallerin studierte bei Prof. Peter Prandstetter am Mozarteum. Der Heiligenkreuzer war in der Festspielstadt von 1976 bis 1993 Hochschulprofessor für Malerei.

„Was von Hand gemacht wird, hat bei jungen Studierenden immer einen hohen Stellenwert. Sie wissen, dass in digital dominanten Zeiten ein traditionell überliefertes Wissen von unschätzbarem Wert ist.“

Zum Einstieg lernt man, welche Bedeutung die gegensätzlichen Eigenschaften von Fett und Wasser für den Steindruck haben. Die Zeichnungen mit Kreide-, Feder oder Pinsel sind stark fetthaltig. Bleibt meist über Nacht liegen. Dabei entsteht wasserunlösliche Kalkseife.

Für den Steindruck wird ein Naturwerkstein aus dem Altmühljura der Fränkischen Alb in Bayern verwendet. Der Solnhofener Plattenkalk gilt noch immer als das beste Lithographie-Gestein. „Weil er glatt ist, ohne Maserungen oder Strukturen“, erklärt Günther Stecher, „und der Kalkstein ist gut zu polieren.“

Nach dem Druck werden die Steinplatten abgeschliffen. Jede signierte und nummerierte Lithographie ist einmalig.

Affenhausen ist für Kunstliebhaber längst kein Geheimtipp mehr. Selbst gestandene Drucker reisen gerne an, um hier ihr Wissen um die Steindruck-Technik zu vertiefen.

Günther Stecher lernte sein Handwerk vor vielen Jahren bei Prof. Carlo Ceci in Urbino. Die italienische Stadt, zwischen den Tälern des Metauro und des Foglia, hat den Ruf, ein berühmtes Druckerzentrum zu sein.

„Mein Fachwissen ist reine Kopfsache“, sagt der Steindrucker. „Das sollte ich vielleicht mal für die Nachwelt aufschreiben.“ Seine Familie engagiert sich schon seit Jahrzehnten für den Erhalt der alten Drucktechnik.

Tirol war bis in die 60er-Jahre für die Kunst des Steindrucks bekannt. Dann geriet diese Technik zunehmend in Vergessenheit, bis sie Günther Stecher mit seinem Vater Walter in den 80er-Jahren wiederbelebten.

Der Steindrucker hält eine Palette mit Ölfarben in seiner Hand. Die Grundtöne sind überwiegend gelb. Wenn Günther Stecher und Veronika Gerber passende Farben für eine neue Lithographie aussuchen, spürt man ihre Nähe zueinander. Fachlich wie menschlich.

Die Beziehung zwischen Künstler und Drucker ist vor diesem Hintergrund eine sehr sensible Angelegenheit. Die gemeinsame Augenhöhe entscheidet, ob das Werk gelingt oder nicht.

Eine Lithographie am Stein zu gestalten, ist für berufene Künstlerinnen und Künstler immer eine Herzensangelegenheit.

„Deshalb stimmen wir gerne zu, wenn man uns anbietet, am Stein zu arbeiten. Das sind Höhepunkte im Schaffen eines jeden Künstlers.“

Was für Künstler beim Malen am Stein anders ist?

„Das erfordert Deine volle Konzentration. Bei der Ölmalerei malst Du einfach drüber, um etwas zu korrigieren. Aber am Stein darf kein Fehler passieren.“

Veronika Gerber schaut auf ihre Vorlage und zeichnet mit dem dunklen Kreidestift erste Schraffuren auf den Kalkstein. „Das ist spannend, weil ich in meinen Bildern immer wieder aufs Neue spazieren gehe. Ein Schauen und Genießen.“

Die Malerin wirkt in gleicher Weise konzentriert wie entspannt. Ihre Aufmerksamkeit gilt einem Weg zum Monte Brione. Mit seinen drei Zinnen überragt er das nördliche Gardaseeufer. Zwischen Torbole und Riva. Die Landschaft rahmen Felsen, Berge, Wasser und Zitronen. Name und Farben der neuen Lithographie scheinen vorgegeben.

„Eine gelbe Gardaseelandschaft“, wird Veronika Gerber unter ihr nächstes Bild schreiben.

„Meine Großmutter stammt aus dem Trentino, aus Arco. Deshalb fühle ich mich dort auch so daheim. Ich mag die Menschen und ihre Lebensweise“, sagt sie, ohne dabei ihre Arbeit zu unterbrechen.

Wenn Veronika Gerber von ihrem Trentino spricht, meint sie die Provinz Trient. Das Trentino gilt noch heute als Kronland Südtirols. Kronländer hießen vor ca. 200 Jahren die Länder der Habsburgermonarchie.

Und ihr Zuhause, wo ist das?

„Ich lebe in Salzburg. In Bregenz habe ich lange gewohnt. Mein Geburtsort war Hall und ich komme aus Innsbruck. Hier ist meine angestammte Heimat. Die Nummer Eins. Mit Hall und Arco.“

Die Nähe zum Land und seinen Leuten spiegeln ihre Bilder. Zeigen eine sehr private, intime Welt. Die Künstlerin malt gerne Blumen, Früchte, Landschaften. Auch Gebrauchsgegenstände.

„Ihre Öl- und Eitempera-Arbeiten charakterisieren eine herbe Poesie.“ So beschreibt das Galerist Peter Augustin. „Die Bilder sind immer streng angelegt. In fast sachlicher Weise reduziert zu großen Formen. Dabei darf das Alltägliche in den Hintergrund treten.“

Starke Farben haben dabei einen großen Gestaltungsanteil. Die Farben werden in Affenhausen noch von Hand gemischt. Auch das ist eine Kunst, die vom Aussterben bedroht ist. Die Steindrucker suchen nach den besten Farben weltweit. „Die ursprünglichsten Pigmentfarben haben die weiteste Anreise“, erklärt Günther Stecher, „viele kommen aus den Anden in Südamerika.“

Die Farbe kommt bei Pigmenten direkt aus den bunten Steinen, Metallen und Mineralien. Die werden ganz fein gemahlen und dann in Lösungsmitteln aufgelöst.

Steindrucker Günther Stecher hat sein Handwerk vom Vater gelernt. Über der Werkbank hängt eine Karikatur von ihm. Walter Stecher, wie man ihn kennt. Humorvoll. Etwas verschmitzt dreinblickend, mit vielsagendem Augenaufschlag.

„Ich bin mir nicht sicher“, sagt der Sohn und zeigt auf das Bild, „kann sein, dass Leander Kaiser ihn so skizziert hat. Vielleicht ja beim Farbmischen?“

Der Innsbrucker hat neben vielen anderen auch schon im Kelleratelier der Familie Stecher lithographiert. Mit ihm waren das so prominente Künstler wie Paul Flora, Herbert Danler, Chryseldis, Franz Pöhacker, Jos Pirkner, Nino Malfatti, Elmar Kopp und Franz Mölk.

Aus der Tiroler Landeshauptstadt stammt auch Maria Tomaselli Cirne-Lima, die seit Jahrzehnten als erfolgreiche Malerin und Videokünstlerin jenseits des Atlantiks lebt, holte einmal ihren Drucker aus Brasilien für zwei Wochen nach Affenhausen, damit er „lernt, wies geht“, soll sie gesagt haben.

Wie nebenbei beschäftigt sich Günther Stecher mit dem Rahmen der letzten Afra-Lithographien von Veronika Gerber. „Porto San Nicolo“ wurde von ihr im Frühjahr auf 14 Steinen gemalt. Die limitierte Gesamtauflage von 140 Exemplaren war in nur wenigen Tagen ausverkauft.

Die 17. Afra-Benefiz-Lithographie „Porto San Nicolo”, von links, Günther Stecher, Veronika Gerber, Annaliese Stecher. Foto: Clemens Stecher
Die 17. Afra-Benefiz-Lithographie „Porto San Nicolo”, von links, Günther Stecher, Veronika Gerber, Annaliese Stecher. Foto: Clemens Stecher

„Das kam in Einzelfällen schon mal vor“, erinnert sich Annaliese Stecher, „aber – um ehrlich zu sein – so etwas haben wir noch nicht erlebt.“

An der Wand hängen hinter einer alten Druckerpresse ein paar Holzrahmen. „Seit über zehn Jahren arbeiten wir mit der Bild- und Rahmen-Werkstatt Auer in Landeck zusammen. Das hat sich bewährt“, erfahren wir von Günther Stecher.

In den Auer’schen Rahmen legt er ein Passepartout und die aktuelle Afra-Lithographie. Er verklebt das Bild mit einem Schutzblatt und dem Zertifikat, unterzeichnet von Veronika Gerber und ihm, dem Steindrucker Günther Stecher. Zum Schluss wird noch ein Nagel fürs Aufhängen eingeklebt.

„Das ist das berühmte Mehr an Schlagobers auf der Melange“, scherzt der Steindrucker. Er hält die gerahmte Lithographie gegen das Licht und prüft, ob noch irgendwo eine unsaubere Stelle zu sehen ist. Dann wird der Rahmen wieder geöffnet, alles noch einmal gründlich gereinigt. Fertig.

Bevor wir uns von diesem freundlichen Ort verabschieden, schauen wir vor unserer Rückreise noch kurz bei dem Urgestein der Tiroler Steindruckergilde vorbei. Mit Walter Stecher und seiner Frau Paula sitzen wir auf der Bank vor ihrem Haus. Mit Blick auf die Afra-Kapelle. Wir reden über all das, was man sich nach längerer Zeit so zu sagen hat.

Dann besuchen wir gemeinsam die Kapelle und danken der Heiligen Afra für den guten Tag. Die Sonne scheint durch die wunderschönen Fenster. Einst gestaltet von Chryseldis Hofer-Mitterer. Die holzgeschnitzte Maria auf dem Altar ist ein Werk von Walter Stecher. „Die Heilige Afra gilt als Namensgeberin von Affenhausen, sagt er. „Deshalb haben wir ihr diese Kapelle gewidmet.“

Andacht in der Afra-Kapelle von Affenhausen. Foto: Knut Kuckel
Andacht in der Afra-Kapelle von Affenhausen. Foto: Knut Kuckel

Wer einmal hier Gast war, dürfte anschließend einen tieferen Bezug zu den eigenen Lithographien daheim haben.

Allen, die sich für die Kunst am Stein interessieren, sei ein Besuch im Haus der Steindrucker in Affenhausen empfohlen. 

Die Grenzgänger TirolBayern bedanken sich für die herzliche Aufnahme bei Annaliese und Günther Stecher. Ganz besonders auch bei Veronika Gerber für ihre zugewandte Offenheit und Geduld.

Wir kommen wieder, versprochen.

Fotos: Knut Kuckel

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Bis Dienstag, den 22. September öffnet die Familie Stecher ihr Haus und Werkstatt allen interessierten Kunstfreunden.

Um telefonische Voranmeldung wird gebeten.

Weblink:
→ www.veronikagerber.at

Kontakt:
Steindruckerei Stecher & Stecher
6413 Wildermieming/Affenhausen
Leite 12
Österreich
Tel: +43 5264 5196
Mail: steindruck@stecher-stecher.at
Web: steindruck.stecher-stecher.at

OPEN HOUSE – Afra-Benefiz-Lithographie 2020 von Veronika Gerber

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Holzknechtmuseum Ruhpolding – Tiroler Holzarbeiter auf Saison in Bayern https://www.tirolbayern.de/2020/07/04/holzknechtmuseum-ruhpolding-tiroler-holzarbeiter-auf-saison-in-bayern/ https://www.tirolbayern.de/2020/07/04/holzknechtmuseum-ruhpolding-tiroler-holzarbeiter-auf-saison-in-bayern/#respond Sat, 04 Jul 2020 10:26:51 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=30318 Bilder des Pitztaler Bauernfotografen Josef Schöpf zeigt in diesem Sommer das Holzknechtmuseum in Ruhpolding. Darunter auch Fotos von Wanderarbeitern aus Tirol, die in den Wäldern Bayerns zum Einsatz kamen.

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Die Sonderausstellung im gerade umgebauten Holzknechtmuseum zeigt rund 30 historische Aufnahmen von Josef Schöpf.

Josef Schöpf wurde am 23. Dezember 1886 in St. Leonhard im Pitztal geboren. Nach der Einberufung in den Ersten Weltkrieg 1914, starb der damals 28-Jährige ein Jahr später. Am 3. Mai 1915, an der Ostfront, in der Schlacht bei Gorlice-Tarnów.

Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid geht bei unserem Rundgang durch die Ausstellung auf die Besonderheiten des Bauern- und Wanderfotografen ein. „Was auffällt, ist die große Offenheit, mit denen sich die Portraitierten von Josef Schöpf arrangieren und fotografieren lassen. Das war damals keineswegs selbstverständlich.“

Von Willi Pechtl aus Tarrenz (Oberinntal) stammen die Fotos zur Ausstellung im Holzknechtmuseum. Der Künstler und Fotohistoriker schreibt in seinem aktuellen Buch „Wanderjahre“ über den „Störgänger Josef Schöpf“ und seine Foto-Leidenschaft. Für das im Herbst des vergangenen Jahres erschienene Buch produzierte Pechtl Fotoglasplatten wie Josef Schöpf und führte Gespräche mit Zeitzeugen über dessen Leben. Das Buch ist der Geschichte der Fotografie im alpinen Raum gewidmet.

„Die alten Fotografien haben für die heutige Zeit auch deshalb so große Bedeutung, weil sie die Veränderungen sichtbar machen“, sagt Willi Pechtl. Seine Erzählungen, Briefe und Dokumente verweisen auf die Kreativität mancher Fotopioniere. Darunter Bauern- und Wanderfotografen wie Josef Schöpf.

„Zum Glück wurde sein umfangreicher Nachlass an Glasnegativen im 1912 errichteten Stadel am Schrofen aufbewahrt. Ganz wenige Originalabzüge haben sich in Privathäusern erhalten.“

Josef Schöpf stammte aus armen, bäuerlichen Verhältnissen. Das Errichten von Rindenhütten, die Wilderei und die Waldarbeit waren Schöpf von Kindheit an vertraut. Er war als Flickschuster und Holzarbeiter auf der Stör unterwegs, baute Fahrräder zusammen und beschäftigte sich mit elektrischem Licht.

Mit seinem Fahrrad der Marke Eigenbau zog es ihn über die Alpenpässe bis nach Trient. Im Gepäck hatte Schöpf seine Plattenkamera, mit der er Menschen fotografierte, die ihm auf seiner Wanderschaft begegneten. Darunter Holzfäller im Wald, Wilddiebe, Wirtshausbesucher, Kellnerinnen, Zimmerer oder Sargtischler. Aber auch Bauernfamilien, Sommerfrischler und erste Bergtouristen.

„Nur wenige wagten sich zu jener Zeit mit schwerem Gerät in die Gletscherregionen“, erzählt Willi Pechtl. „Josef Schöpf war mit seiner Kamera fast überall zur Stelle.“ Die Fotografien von ihm sind auch deshalb künstlerisch und ästhetisch von besonderem Wert.

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Fotos: Knut Kuckel / Sammlung Willi Pechtl

Ein Seh- und Hörerlebnis in der Fotoausstellung bietet auch ein Video von Inge Pechtl. Es zeigt Holzarbeiter bei einer Holzbringung im eisigen Winterwald.

Neben der aktuellen Sonderausstellung mit großformatigen Josef-Schöpf-Fotografien laufen im Holzknechtmuseum zurzeit die Vorarbeiten für ein weiteres Großprojekt. Im Sommer des kommenden Jahres soll die mehr als 30 Jahre alte Dauerausstellung auf 350 Quadratmetern Fläche in vollkommen neuer Architektur vorgestellt werden.

Der Bergwald wird in mehrdimensionaler Weise erlebbar gemacht. Museumsleiterin Ingeborg Schmid zum Umgestaltungskonzept: „Die Welt der Holzknechte mit ihren besonderen Herausforderungen ist heute noch viel mehr als in den 1980er Jahren von den Erfahrungen der Museumsbesucher entfernt. Dem wollen wir Rechnung tragen.“

[See image gallery at tirolbayern.de] Die Schwerpunkte verlagern sich von der Technik auf sozialgeschichtliche Aspekte. Dabei sind Identität der Waldarbeiter ebenso von Bedeutung wie die Entwicklung der Holzwirtschaft.

Das Museum kooperiert dabei eng mit dem benachbarten Forstlichen Bildungszentrum in der Laubau, der wohl ältesten Waldarbeiterschule Deutschlands. Eine Bildungseinrichtung der Bayerischen Staatsforsten.

Seit Monaten laufen schon die Vorbereitungen für die neue Dauerausstellung über das Leben der Holzknechte auf vollen Touren. Die Eröffnung soll im Frühjahr 2021 stattfinden.

In großem Umfang wurde zwischenzeitlich das Museumsarchiv digitalisiert. Darunter finden sich rund 170 Stunden Zeitzeugen-Interviews, die der Volkskundler und Naturschützer Dr. Josef Paukner im Rahmen seiner Dissertation über „Holzarbeiter im Chiemgau“ in den 1970er Jahren zusammentrug.

Josef Paukner dokumentierte im Buch Holzknechtmuseum Ruhpolding die Entwicklung der Waldarbeit vom Beginn der Salinenzeit bis heute (→  Josef Paukner (Verf.), Walter Fuger (Hrsg.): Holzknechtmuseum Ruhpolding. Bayerische Museen, Band 21. Weltkunst-Verlag, München 1994).

Die Tondokumente werden in die neue Dauerausstellung integriert. „Im Forum der Gegenwart“ sollen kontroverse und aktuelle Themen digital aufgearbeitet angeboten werden. Der Begriff „Holzknechte“ hat im Chiemgau, und dort besonders rund um Ruhpolding, schon seit Jahrhunderten einen hohen Stellenwert. „Wir möchten ihn zeitunabhängig kultivieren“, verspricht Ingeborg Schmid. „Wir bearbeiten im Holzknechtmuseum konzeptionell unterschiedlichste Vorschläge und prüfen, wie wir die besten davon zeitgemäß umsetzen können.“

[See image gallery at tirolbayern.de] Fotos: Knut Kuckel

Nach dem vorläufigen Umbau ist das Holzknechtmuseum in der Laubau seit kurzem wieder geöffnet. Zu sehen gibt es im Haupthaus aktuell zwei Sonderausstellungen.

Sonderausstellungen 2020 im Holzknechtmuseum. Foto: Knut Kuckel

„Endlich: Über Grenzen hinweg“, beschreibt Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid die diesjährigen Sonderausstellungen im Holzknechtmuseum Ruhpolding.

„Fast hätten wir ja schon nicht mehr daran geglaubt. Nun gehen die Grenzen auf und wir können unsere beiden Sonderausstellungen ins Land holen. Die eine erzählt von einer frühen tirolisch-bayerischen Beziehungsgeschichte, die andere von einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Salzburg und Bayern.“

Die Ausstellungen sind während der Museumssaison zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen

Holzknechtmuseum Ruhpolding
Laubau 12
D 83324 Ruhpolding
Tel. 0049 8663 639
www.holzknechtmuseum.com

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„Almenland am Miemingerberg“ – Geschichten bäuerlicher Lebensformen https://www.tirolbayern.de/2020/06/21/almenland-am-miemingerberg-geschichten-baeuerlicher-lebensformen/ https://www.tirolbayern.de/2020/06/21/almenland-am-miemingerberg-geschichten-baeuerlicher-lebensformen/#respond Sun, 21 Jun 2020 08:44:50 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=30253 Europas Geschichte steht auf den Schultern der Bauern. Bäuerliche Lebensformen prägen seit Jahrhunderten die soziale Wirklichkeit unserer Gesellschaft. Die Menschen der Mieminger Almen sind Grundlage einer geplanten Dokumentation.

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Zur Vorbereitung sammelt das digitale Tagebuch „MiemingerAlmen“ Geschichten der Bauern am Miemingerberg.

In alten Urkunden taucht der Gemeindename „Miemingerberg“ im Jahre 1318 zum ersten Mal auf. Dazu gehörten die heute selbstständigen Gemeinden Obsteig, Mieming, Wildermieming und Mötz. 1833 wurden daraus eigenverantwortliche Gemeinden.

Seit über 700 Jahren bewirtschaften Bauern der heutigen Gemeinden Mieming, Obsteig und Wildermieming die Almen hinter den Mieminger Bergen. Zum „Almenland am Miemingerberg“ gehören noch heute die Hochfeldernalm, Marienbergalm, Simmeringalm und die Tillfussalm.

Die geplante Dokumentation wird sich mit der verbrieften Geschichte der vier Almen nördlich des Mieminger Gebirges beschäftigen. Vor allem aber mit dem Alltag der Tiroler Bergbauern, damals wie heute.

Das Buch „Almenland am Miemingerberg“ (Hrsg. Knut Kuckel) soll in dieser Form ein geschichtlich wertvolles Nachschlagewerk der Almwirtschaft werden. Zu Wort kommen zahlreiche Zeitzeugen, gewürdigt wird die Leistung vieler Almbauern vergangener Tage und hilfreich dabei ist die Unterstützung aller Experten.

Verfasst in einer zeitgemäßen Sprache will das Buch Einblick in das Leben der Bergbauern geben. Erfolgreich wäre es – so der Herausgeber und Autor – wenn es die Gesellschaft zusammenbringt.

Für den Tourismus am Mieminger Plateau eröffnen sich neue Möglichkeiten. Statt vordergründig die Spaß- und Abenteuer-Zielgruppen zu bedienen, hin zum Erlebnis und Miterleben einer Alm-und Waldbauern-Kultur.

Almenland am Miemingerberg – Alltag wetterfester Menschen

Weblink: www.miemingeralmen.tirol

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Pfia Gott nach Bayern und Tirol – Zeit zum Aufbruch https://www.tirolbayern.de/2019/11/29/ein-grenzgaenger-sagt-pfia-gott-nach-bayern-und-tirol/ https://www.tirolbayern.de/2019/11/29/ein-grenzgaenger-sagt-pfia-gott-nach-bayern-und-tirol/#respond Fri, 29 Nov 2019 12:56:15 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=25915 Das Grenzgänger-Tagebuch legt eine kreative Pause ein. Nach fünf Jahren sagen wir Pfia Gott nach Bayern und Tirol. Zeit zum Aufbruch. Auf der Suche nach neuen Wegen. "Im Sommer des kommenden Jahres geht es weiter, versprochen."

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Bettina Blaß, eine Pionierin der Blogosphäre beschrieb kürzlich für ein Einsteigerportal, „was Blogger jenseits der 35 so drauf haben“. Die Kollegin schreibt in „Fit für Journalismus“, einem Blog von Timo Stoppacher:

„Neulich habe ich irgendwo in diesem Internet gelesen, es gäbe nur wenige Blogger, die älter als 35 sind. Und ich habe laut gelacht. Und den Kopf geschüttelt. Und dann beschlossen, einen Gegenartikel zu schreiben, in dem ich Blogger vorstelle, die älter als 35 sind. Ich selbst gehe ja schon hart auf die 50 zu. Und ich blogge ungefähr seit 1998.“

Man müsse gar nicht viel Zeit mit Recherche verbringen, um gleich auf ein ganzes Netzwerk an Blogger*innen zu stoßen, die längst die 35 hinter sich gelassen haben – und sehr umtriebig in diesem Internet sind, so Bettina Blaß.

Unabhängig von diesem lesenswerten  Beitrag, haben vergleichbare Überlegungen mit dazu beigetragen, den Blog „Grenzgänger TirolBayern“ noch vor dem Jahreswechsel in den vorübergehenden Urlaub zu schicken. Bevor uns eine dynamischere Welt die „Lizenz zum Bloggen“ entzieht. 

Inzwischen über sieben Jahre haben wir Nachbarn in Tirol und Bayern miteinander ins Gespräch gebracht und dabei viel lernen dürfen. Bayern und Tiroler sind sich vielfach ähnlich und deshalb war es auch so sinnvoll, diesen Blog ins Leben zu rufen.

Seit langem sorgt sich der Grenzgänger, irgendwie mitverantwortlich für den aktuell beklagten „Overtourism“ zu sein. Unser Anspruch an Bildern und Inhalten war und ist qualitätsorientiert. Deshalb sind unsere Dokumentationen mit schuld, wenn die Einheimischen in ländlichen Alpenregionen der Last des täglichen Ansturms nicht mehr gewachsen sind.

Viele wünschen sich, dass unsere Natur- und Kulturlandschaften schön bleiben. Dass man ihnen nicht die Würde nimmt, indem man sie zur Müllhalde unterschiedlicher Outdoor-Egoismen macht.

Der Grenzgänger TirolBayern wird weiterhin alle Bemühungen unterstützen, die das verhindern.

Danke und Vergelt’s Gott allen, die eine gute Idee mit auf den Weg gebracht haben. 

Vielleicht gibt es ja wen, der Interesse an unserem Projekt hat? Mit neuem Elan und konstruktiven Gedanken? Wir freuen uns über jede Unterstützung.

Bis dahin –  sagt der „Grenzgänger TirolBayern“.

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„BERG 2020“ – DAV-Jahrbuch mit Schwerpunkt Eis und Klimaerwärmung https://www.tirolbayern.de/2019/10/07/berg-2020-dav-jahrbuch-mit-schwerpunkt-eis-und-klimaerwaermung/ https://www.tirolbayern.de/2019/10/07/berg-2020-dav-jahrbuch-mit-schwerpunkt-eis-und-klimaerwaermung/#respond Mon, 07 Oct 2019 06:37:30 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=28373 Das Alpenvereinsjahrbuch „BERG 2020“ wird von den Alpenvereinen in Österreich, Deutschland und Südtirol veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich unter anderem mit der Bergregion Arlberg, dem Eis im Gebirge und der Dynamik der Klimaerwärmung.

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Die DAV-Kalender „Welt der Berge“ und „High“ begleiten durch das kommende Jahr – mit atemberaubenden Landschaften und luftigen Extremsportaufnahmen auf zwölf großformatigen Seiten.

Die Rubrik BergWelten befasst sich mit einer der Skiregionen der Alpen schlechthin – dem Arlberg. Denn dieser Landstrich hat so viel mehr zu bieten – der Kalk der Lechtaler im Norden und das Urgestein des Verwall im Süden bilden einen vielfältigen Lebens- und Naturraum. BergWelten beleuchtet die Gebirgsregion aus den unterschiedlichsten Perspektiven: Auf der einen Seite die Bedeutung und Entwicklung des Skifahrens und die damit verbundenen Erschließungen, auf der anderen Seite der wilde Oberlauf des Lechs mit seiner unberührten Natur.

Eis im Gebirge ist das Thema der Rubrik BergFokus. Die Gletscher schmelzen, der Permafrost taut auf – welche Auswirkungen das auf den Klimawandel und den Naturraum Alpen hat, bringt dieses Kapitel eindrucksvoll näher. Von der weiteren Entwicklung der Gletscher abhängig ist nicht nur der Betrieb der dort ansässigen Skigebiete. Auch das Eisklettern hat, obwohl die legendären Nordwände der Alpen inzwischen abgeschmolzen sind, nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt.

Beim BergSteigen steht das Eisklettern aus einer physikalischen Perspektive im Vordergrund. Der Beitrag stimmt ein auf das Hauptthema „Risiken am Berg“. Wie viel Risiko sein darf und muss, zeigen die Ausbildungskurse „YOUNGSTERS“ der Alpenvereinsjugend Österreich. Gewisse Risiken gehören zum Bergerlebnis dazu, wichtig ist eine gesunde Einschätzung und Reflexion. Der Rückblick auf die Expeditionen des vergangenen Jahres verdeutlicht, dass auch die erfahrensten und talentiertesten Ausnahmealpinisten vor den Risiken nicht gefeit sind.

Biathletin Laura Dahlmeier, zweifache Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin, ist im Herzen eine Vollblut-Alpinistin. Im Gespräch mit Klaus Vestewig erzählt sie, was für sie den Reiz der Berge ausmacht, wie sie mit Extremsituationen umgeht und wie sie nach dem Ende ihrer Profikarriere zum Biathlon steht. Außerdem stellt die Rubrik BergMenschen weitere spannende Persönlichkeiten vor, wie zum Beispiel den Neo-Bergbauern Kaspar Nickles, der in ein kleines Bergdorf im Friaul gezogen ist, um dort mit seiner Familie ein nachhaltiges Leben in zeitgemäß interpretierter Tradition zu führen.

In BergWissen zeigt Patagonien-Spezialistin Dörte Pietron anhand wissenschaftlicher Daten und eigener Erfahrungen, wie grundlegend die globale Erwärmung das Klima und damit auch das Bergsteigen in Patagonien verändert hat. Außerdem geht es auf Zeitreise in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts: Pit Schubert berichtet eindringlich über erfolgreiche und missglückte „Schleusungen“ von DDR-Bürgern über das Elbsandsteingebirge in den Westen.

BergKultur setzt mit drei Erzählungen von Robert Renzler, Nicholas Mailänder und Rudolf Alexander Mayr einen außergewöhnlichen literarischen Schwerpunkt. Auch die Bergfilmwelt findet Erwähnung – von Arnold Fanck, über Luis Trenker bis zu den aktuellen Bergfilmen und den dazugehörigen Festivals. Dabei wird durchaus auch aus einer kritischen Perspektive auf die Bergsport und -filmwelt sowie deren Akteure und Sponsoren gesehen.

„Die Berge und wir“ – Ausstellung zum Jubiläum des Alpenvereins in München

Weblinks:

 

Fotos: DAV/ÖAV/AVS

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Alpenvereinsjahrbuch „BERG 2020“ – Herausgeber: Deutscher Alpenverein (DAV), Österreichischer Alpenverein (ÖAV) und Alpenverein Südtirol (AVS); Redaktion: Anette Köhler, Tyrolia-Verlag Innsbruck, 256 Seiten, ca. 280 Farb- und viele SW-Abbildungen, 21 x 26 cm, gebunden. ISBN 978-3-7022-3810-0 € 20,90. Erschienen im September 2019

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Sterbebilder erzählen – „Tot ist nur, wer vergessen wird“ https://www.tirolbayern.de/2019/09/28/sterbebilder-erzaehlen-tot-ist-nur-wer-vergessen-wird/ https://www.tirolbayern.de/2019/09/28/sterbebilder-erzaehlen-tot-ist-nur-wer-vergessen-wird/#respond Sat, 28 Sep 2019 13:04:34 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=22526 "Tot ist nur, wer vergessen wird", mahnte Gemeinderätin Sabine Ortner zur Begrüßung ihrer Gäste. Vom Chronik-Team in Obsteig wurden vor diesem Hintergrund rund 500 Sterbebilder aus den Jahren von 1872 bis 2018 zusammengetragen.

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Mit der Ausstellung sollen Menschen geehrt werden, die in der Tiroler Gemeinde Obsteig Spuren hinterlassen haben. Unterschiedliche Tafeln setzten Akzente. In Sterbejahren organisiert und gewidmet (u.a.) im speziellen dem Larchhof, der Burg Klamm, Schneggenhausen, dem Fremdenverkehr, populären Wirtshäusern und engagierten Frauen.

Die dreitägige Ausstellung im Stadel Schneggenhausen wurde am Freitag, dem 27. September 2019 eröffnet und ist nur noch bis Sonntag, 29. September zu sehen. Öffnungszeiten von 9 bis 17 Uhr.

„Der Ideengeber zu unserer Ausstellung war Hansjörg Bader aus Hall mit seinem Buch »Sterbebilder – Vom Gebetsaufruf zur Erinnerung«“, erzählt Sabine Ortner im Gespräch mit #tirolbayern.

Der heute 70jährige Dr. Hansjörg Bader war Bibliothekar des Tiroler Volkskunstmuseums in Innsbruck. Für sein Buch untersuchte Bader Tausende Sterbebilder. „Die Sterbebilder erzählen Ortsgeschichten, eignen sich zur Ahnenforschung und sind nicht zuletzt auch begehrte Sammlerobjekte.“ Das habe die Chronisten aus Obsteig motiviert, ebenfalls auf Spurensuche zu gehen, so Ortner.

Dazu sagt Hansjörg Bader: „In gut 200 Jahren, in denen es Sterbebilder in Tirol gibt, hat sich deren Gestaltung und Funktion sehr stark verändert. Nachdem sie vor etwa 50 Jahren fast von der Bildfläche verschwunden waren, erleben sie heute anscheinend eine Wiedergeburt.“

Die Gemeinde Obsteig zählt aktuell über 1340 Einwohner und gehört politisch zum Bezirk Imst des österreichischen Bundeslandes Tirol. Obsteig ist die westlichste Gemeinde am Mieminger Plateaus, oberhalb des Oberinntals. Mit Blick auf die Mieminger Berge.

Bürgermeister Hermann Föger lobte zur Ausstellungseröffnung sein Chronik-Team. „Die haben vor ein paar Jahren die Arbeit unseres früheren Dorfchronisten Hubert Stecher wieder aufgenommen und sich seither in zeitgemäßer Weise mit der Geschichte unserer Gemeinde beschäftigt. Damit Jung und Alt erreicht.“

Unter den Zuhörern waren u.a. auch die Bürgermeister der Nachbargemeinden. Hermann Föger begrüßte aus Mieming Dr. Franz Dengg und aus Wildermieming Klaus Stocker. Die Politiker zeigten offensichtliches Interesse am Obsteiger Weg.

Die Vorbereitungen zur Ausstellung wurden vom ganzen Dorf unterstützt. Sabine Ortner: „Hilfreich beim Einstieg war das Totenbuch der Gemeinde Obsteig. Rund 500 „Obstoager Leit“ stehen drin. Sie prägten unsere Gemeinde.“ Die Überlassung der Sterbebilder, meist aus privatem Besitz, verdiene großen Respekt. „Das ist verständlicherweise eine sehr sensible Angelegenheit, das war uns immer bewusst“, so Sabine Ortner.

Aus den Sterbebildern erfuhr man früher wie heute, wer die Toten im realen Leben waren. Auch und vor allem, was sie beruflich gemacht haben. Darunter finden sich – für den ländlichen Raum nicht überraschend – viele Bauern. Aber auch Postmeister, Schneidermeister, Pfarrer, Mesner, Schmiede, Tischler, Sägewerker, Zimmerer, Baumeister, Förster, Imker und Gastwirte. Unter den Berufsangaben finden sich auch eher ausgefallenere Tätigkeiten wie der Wünschelrutengeher oder der Harfenmacher. Und auch – ob man es nun glaubt oder nicht – ein Nordpolfahrer.

Der „Nordpolfahrer“ war Johann Haller – von 1872 bis 1874 auf Expedition. Haller lebte von 1844 bis 1906 und verdiente seinen Lebensunterhalt als kaiserlich-königlicher Förster. 

Nicht wenige Sterbebilder lassen Rückschlüsse auf die Charaktereigenschaften der Verstorbenen zu. Johann Riser erblickte am 23. Dezember 1889 das Licht der Welt und starb am 25. September 1980. Drei Monate nach seinem Tod, an Heiligabend hätte er noch seinen 91. Geburtstag feiern können. Das war ihm nicht mehr vergönnt. Seine Hinterbliebenen vermerkten auf seinem Sterbebild: „Sein Leben war Ehre und tapfere Pflicht, war Liebe und Güte oft selbstlos und schlicht.“

Starke Frauen gab es auch schon immer in Obsteig. Die Ausstellung lässt in diesem Zusammenhang u.a. auch die Hebammen des Dorfes hochleben. Darunter Filomena Rappold, Katharina Wolff, Josef Falbesonder, Aloisia Rappold, Maria Hann und Maria Katharina Gassler. Die meisten Obsteigerinnen und Obsteiger verdanken wohl einer dieser Geburtshelferinnen ihr Leben. Sie haben ihrem Dorf – nicht nur im übertragenen Sinne – im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte auf die Beine geholfen.

Eine starke Frau war sicherlich auch Justina Sonnweber, Hausname „Stöckl“. Sie lebte von 1837 bis 1905, war Bäuerin und Krämerin. Justina führte mit ihrem Mann die vielleicht erste Krämerei in Obsteig. Später einen Laden beim Postmeister und schließlich bei Barbara Gabl eine Gemischtwarenhandlung. Ihr Sohn, Mathias Sonnweber (der „Stöckl Hiasl“), war Vorsteher (heute heißt das Bürgermeister) von Obsteig. Von 1912 bis 1922.

Als „Weißlerin“ machte sich Maria Höpperger einen Namen. Maria, Hausname „Tobian“, lebte von 1890 bis 1966 und war in ihrer Zeit Expertin für das Ausmalen der Häuser. Dazu benutzte sie Schablonen und Musterwalzen für Ornamente und farbige Verzierungen. Ihr Ansuchen um das Botengewerbe wurde abgelehnt. Marias Bruder, Joseph Höpperger, war von 1927 ab Besitzer des ersten elektrisch betriebenen Sägewerkes in Obsteig.

Chronist Toni Riser steht vor der Tafel „Schneggenhausen“ und erklärt seinem interessierten Publikum, welche Berühmtheiten darauf präsentiert werden. „Schaut mal hier, das ist das Bild unseres früheren Postmeisters Josef Föger.“ Die Heimatzeitung schrieb seinerzeit, etwas Vergleichbares wie sein Begräbnis habe man noch nie zuvor in Obsteig erlebt. Da waren alle da. Mit und ohne Rang.

„Des Postmeisters Vereine, allen voran die Musikkapelle, der Kirchenchor und die Feuerwehr. Der Josef half bei der Kirchenrenovierung und bei der Beschaffung der Glocken. Sogar die St. Josefsglocke läutete im Hintergrund mit ihrem hellem Klang zur Grabrede des Pfarrers.“ Josef Föger brachte es auf stattliche 87 Jahre. Viele Obsteiger wurden damals über 90 Jahre alt. Nachzulesen ist auch das im Totenbuch der Gemeinde.

Schneggenhausen selbst war und ist Teil der Geschichte Obsteigs, hat sie seit Jahrhunderten mit beeinflusst. Das frühere Gut Schneggenhausen, aus vormals kaiserlichem Besitz, war in zeitgeschichtlich jüngerer Vergangenheit u.a. das ehemalige Postamt. Seither bei den Obsteigern bekannt, als das Haus „beim Postmeister“. Das blieb es bis zum Neubau des Gemeindehauses im Jahre 1980. Die Gemeinde-Chronik vermerkt: „Das Postamt Obsteig wurde am 20. Juni 1871 gegründet und am 24. Juni 2005 geschlossen.“

Für das „Haus Schneggenhausen“ stehen bekannte Obsteiger Namen, die sich u.a. in der Sterbebilder-Ausstellung wiederfinden. Darunter der legendäre Lehrer Franz Gassler, der seiner Gemeinde und Pfarre stolze 61 Jahre lang als Lehrer, Organist und Mesner diente. Er löste im Jahre 1867 das Lehen aus kaiserlichem Besitz ab. Franz – so ist in der Chronik nachzulesen – hatte drei Töchter, von denen eine, die Agnes, den Löwenwirtssohn Ingenuin Föger heiratete. Bis vor kurzem trugen daher viele Besitzer den Namen Föger. Ingenuin Föger brachte im Haus Schneggenhausen die Poststelle unter. Das Gasthaus „Löwenwirt“ musste dem Neubau eines Supermarktes weichen.

Das Haus Schneggenhausen – gegenüber der Kirche – wurde 2003 von der Gemeinde Obsteig gekauft und  von 2018 bis 2019 restauriert. Es wird zum Wohnen und als Kinderhort genutzt. Das Anwesen ist seit vielen Jahrhunderten ununterbrochen bewohnt und bewirtschaftet. Ein erster Eintrag über das Anwesen findet sich im Stamser Urbar von 1336. In einem Vermerk zu lesen ist, das „Chunrads Sohn von Snekkenhusen“ dem Stift für sein Seelenheil einen Geldbetrag spendierte.

In den landesfürstlichen Lehenamtsbüchern im Tiroler Landesarchiv findet sich das direkt vom Landesfürsten vergebene Lehen Schneggenhausen neben zahlreichen anderen bekannten Ansitzen und Burgen in Nord- und Südtirol. Die erste schriftliche Belehnung eines Mannes mit Schneggenhausen stammt aus dem Jahr 1425, es folgten weitere Eintragungen in den Büchern bis zum Jahr 1867.

Die ausgestellten Sterbebilder im somit legendären Stadel Schneggenhausen offenbaren die wechselhafte Geschichte Obsteigs. Das interessiert auch ortsfremde Besucherinnen und Besucher.

Die Ausstellung bietet sehr viel Hintergrundinformation zum Thema „Sterbebild“. Hansjörg Bader schreibt in seinem Buch: „Die ursprüngliche Aufgabe von Sterbebildchen war der Aufruf zum Gebet. Hinterbliebene konnten für den Verstorbenen dessen Zeit im Fegefeuer verkürzen, indem sie durch Gebete einen Ablass in unterschiedlicher Länge bewirkten.“

Bader dokumentierte die Entwicklung von zur Herstellung der Sterbebilder von 1871 bis heute: „In Zeiten zunehmender Digitalisierung sind gedruckte Sterbebilder noch immer wertvolle Medien zur Erinnerung. Auch für Menschen mit schwächerer religiöser Bindung.“

Nicht zuletzt unterliegen die Sterbebilder einem historischen Wandel. Ulrike Fink hat sich in ihrem Beitrag für den ORF-Tirol damit beschäftigt. Sie schreibt: „Seit mehr als 200 Jahren transportieren die Sterbebilder neben der Religion auch politische Propaganda. Heute verdrängen allerdings zeitgenössische Kunst und Individualität die Religion auf dem Sterbebild.“

Vor gut 50 Jahren wären Sterbebilder in Tirol fast ausgestorben. In der Heute-Zeit feiern sie erfreulicherweise eine Renaissance. Der Grund ist leicht zu verstehen, meint Hansjörg Bader: „Werden für einen Verstorbenen nur wenige Dutzend Bilder bestellt, ist das für Druckereien nicht wirtschaftlich. Die übliche Auflage liegt meist zwischen 20 und 100 Bildern.“

„Wir würden uns freuen“, sagte Chronistin Sabine Ortner, „wenn sich unserem Engagement auch andere Gemeinden anschließen würden. Mit der Analyse von Sterbebildern lässt sich nämlich sehr gut die Entwicklung der Gemeinden dokumentieren. Wir leisten damit außerdem einen Beitrag gegen das Vergessen.“

Die Obsteiger Chronisten möchten bei ihrer Spurensuche weitermachen. „Einer unserer Planungsgedanken wäre ja vielleicht auch ein Buch“, verrät Sabine Ortner am Ende eines erfolgreichen Ausstellungstages. „Dafür brauchen wir aber viel Unterstützung. In jeder Hinsicht. Interessierte dürfen sich uns zur Verwirklichung der Idee gerne anschließen.“

Reichlich Applaus bekamen Margit Offer, Margit und Peter Reich für ihren spontanen Liedvortrag zur Ausstellungseröffnung. Die Idee dazu kam von Peter Reich, der gemeinsam mit Margit Offer im Chor singt.

Warum bist du gekommen
Wenn du schon wieder gehst,
Hast mir mein Herz genommen
Und wirfst es wieder weg,
Ich bin kein Bajazzo,
Bin auch ein Mensch wie du,
und leise schlägt mein Herz dir zu.

„Irgendwie passt das Lied zur Ausstellung“, meinte Sabine Ortner.

Margit Offer zum Hintergrund: „Die Opernfigur aus dem Bajazzo von Leoncavallo war möglicherweise der Ideengeber für das beliebte, mittlerweile zum Volkslied gewordene Lied «Warum bist Du gekommen«. Lorenz Maierhofer hat zu diesem Ohrwurm ein eindrucksvolles Chorarrangement geschrieben, das Sänger und Publikum immer wieder begeistern kann.“

Von den Besuchern war viel Zustimmung zur Sterbebilder-Ausstellung im Stadel Schneggenhausen zu hören. Dieser Einschätzung schließt sich #tirolbayern gerne an und gratuliert allen, vor und hinter den Kulissen, zu der sehr gut präsentierten Ausstellung.

Lob und Anerkennung geht insgesamt an das Chronikteam der Gemeinde Obsteig. Das sind neben Leiterin Sabine Ortner, Hannes Faimann, Herbert Krug, Toni Riser, Klaus Rieser und Martha Witsch.

Aus den privaten Sammlungen von Johannes M. Faimann und Klaus Rieser stammen die meisten Ausstellungsobjekte.

Spuren des Tirolers Hermann Rieser – Vom Tellerwäscher zum gefeierten Bildhauer

Quellenhinweise:

  • Dr. Hansjörg Bader, Sterbebilder, Vom Gebetsaufruf zur Erinnerung, Edition Tirol.
  • Sterbebilder zwischen Politik und Individualität,Ulrike Finkenstedt ORF-Tirol
  • Die Wiedergeburt des Sterbebilds, Judith Sam, Tiroler Tageszeitung
  • Lebendige Geschichte von Schneggenhausen am Mieminger Plateau, Ein Haus im Wandel der Zeit, von Clemens Perktold, meinbezirk.at/Bezirksblätter

Weblinks:

Fotos: Knut Kuckel

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„Gefallen für Gott und Vaterland“ – Gedenktafeln mahnen zum Frieden https://www.tirolbayern.de/2019/09/20/gefallen-fuer-gott-und-vaterland-gedenktafeln-mahnen-zum-frieden/ https://www.tirolbayern.de/2019/09/20/gefallen-fuer-gott-und-vaterland-gedenktafeln-mahnen-zum-frieden/#respond Fri, 20 Sep 2019 11:36:13 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=22024 Die 265 Gedenktafeln der Gefallenen oder vermissten Soldaten zweier Weltkriege an den Aufgängen zur Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen stimmen nachdenklich. Jede Tafel steht für ein verlorenes Menschenleben, ist ein Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges.

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„Gefallen für Kaiser, Gott und Vaterland“, lese ich auf der Gedenktafel eines Soldaten, der sein Leben im 1. Weltkrieg verlor. Darauf stehen Aussagen wie „Im Gedenken unserer Helden“ oder „Fern von der Heimat und den Lieben, ruht in fremder Erde…“.

In Kriegszeiten hatte der ein oder andere auch „sein hoffnungsreiches Leben für’s Vaterland geopfert“. Dieses und Ähnliches ist auf vielen Tafeln zu lesen. Zu sehen sind meist auch Bilder der Gefallenen oder Vermissten Soldaten.

Jede Tafel ist ein kleines Denkmal.

Vor diesem Hintergrund fragt man sich, passt die Erkenntnis von der Sinnlosigkeit des Krieges nicht auch zu den aktuellen Kriegsschauplätzen dieser Welt?

In Afghanistan, Syrien, im Jemen, Nigeria, Somalia, in der Ukraine, im Südsudan, in Nordwest-Pakistan, Libyen, dem Sinai, Mali und anderswo. Die Liste der aktuellen Kriege und Konflikte bleibt umfangreich. 

Beim Fotografieren der Tafeln, vor der Kirche, die dem Hl. Antonius gewidmet wurde, kommt man mit Menschen ins Gespräch. In allen Gesprächen steht die Sinnlosigkeit von Kriegen im Vordergrund. Die Kirche selbst verdankt Kriegen und Scharmützeln ihre Existenz. Bayern gegen Tirol und umgekehrt und mehr. Weil bei den letzen Erbfolgekriegen die siegreichen Österreicher auf Plünderungen in Garmisch und Partenkirchen verzichteten, brachten einflussreiche Bürger ihren Dank zum Ausdruck, indem sie oberhalb von Partenkirchen ein Kirchlein bauten.

Eine 82jährige Partenkirchnerin, die es schon in jungen Jahren nach Murnau verschlagen hatte, erinnerte sich an die letzten Jahre des 2. Weltkriegs. „Ich war noch ein Kind, zu Kriegsende gerade mal acht Jahre alt. Weiß aber noch, dass alle Familien damals jemanden vermissten. Unsere auch.“

Wann immer es sich einrichten ließe, käme sie mit dem Bus hier her. Zur Familie hätte sie keinen Kontakt mehr, aber das Elternhaus gäbe es noch. Unweit von St. Anton. „Mir wurde immer erzählt, die Zeit heilt alle Wunden. Das stimmt aber nicht. Wenn ich das hier sehe, sind alle Erinnerungen wieder da.“

Und immer wieder werde ich gefragt, weshalb ich die Tafeln fotografiere? Dann sage ich, meine Fotos sollen mahnen und nachdenklich machen. Jedes einzelne Bild erzählt die Geschichte einer ganzen Familie. Die Mütter der Gefallenen und Vermissten der Weltkriege haben ihre Kinder verloren. Wozu? Für wen?

Die meisten Tafeln bitten um ein „Gedenken im Gebet“. Vor jeder Tafel zu beten, scheint mir an nur einem Tag unmöglich zu sein. Bei allem Respekt vor dem Schicksal des Einzelnen. Hier und da versuche ich es. Lese, was drauf steht und stelle mir vor, wie es wohl war, als die Hinterbliebenen der rund 300 Soldaten all die Gedenktafeln an den westlichen Aufgängen zu St. Anton anbrachten?

Daran denkend, spiegeln meine Gedanken laufende Bilder. Wie in einem Film. Mütter, Väter, Großmütter – Tanten, Onkel, Nichten und Neffen – all die Verwandten, für die der Aufgang zur Kirche Ersatz für eine Grabstelle war. Jeder wollte für den verlorenen Angehörigen einen guten Platz finden. Sie kamen wohl alle mit kleinem Werkzeug. Hammer und Nagel. Hier und da auch ein wenig mehr. Montierten die zuvor von einem Handwerker geschnitzten tafelgroßen Denkmäler.

Gedenktafel für Gedenktafel. Jede einzelne ein Zeugnis der Dummheit derer, die sie in diese sinnlosen Kriege entsandt hatten. Damals waren es Kaiser oder Führer, heute sind es Präsidenten, Mullahs, Despoten – all die geistigen Führer einer nach wie vor kriegslüsternen Welt.

Sie führen Kriege im Namen einer Religion oder schlicht aus Hass auf den Nachbarn. Im wahrsten Sinne des Wortes, wahnsinnige, eiskalte Menschen. Besessene, denen es um so Vergängliches wie Macht, Geld oder Einfluss geht.

Mir fällt ein, dass ich als Schüler meinen Geschichtslehrer fragte, warum wir „Geschichte“ lernen sollten? „Damit wir aus der Geschichte lernen“, war seine Antwort. Heute würde ich ihn gerne fragen, was wir – bitteschön – aus der Geschichte gelernt haben?

„Solange es Menschen gibt“, sagt ein älterer Herr, „wird sich daran nichts ändern.“ Das Wort „Blutzoll“ fällt. In kleiner Runde erzählt der Mann, dass er als früherer Finanzdienstleister vielen Menschen mit Einfluss begegnete. Vierzig Jahre lang sagt er, in den meisten Ländern dieser Welt. „Heute bin ich wieder daheim und frage mich, was wir davon haben? Wir zerstören, bauen wieder auf und so weiter und so fort. Denen, die daran verdienen, gehts dabei ganz gut. Alle anderen bezahlen dafür. Viele mit ihrem Leben.“

Über die Begegnungen und Gespräche vor den vielen Gedenktafeln der Gefallenen und Vermissten auf den Stufen von St. Anton in Partenkirchen habe ich im Freundeskreis berichtet. Eine Freundin sagte, sie möchte nicht, dass eines ihrer Kinder eines Tages zum Militär geht. „Sie sollen den Menschen im Leben beistehen, meinetwegen auch, wenn sie sich von dieser Welt verabschieden. Aber nicht ihr Leben auf irgendeinem Schlachtfeld hergeben. Fern von daheim.“

Ich habe ihr meine Bilder gezeigt. Die Stimmung war bedrückend. Ich frage, ob ich die denn wirklich veröffentlichen soll? Macht das denn Sinn, wenn sich ja ohnehin nichts ändert?

Die Freundin sagt dazu: „Gerade deshalb. Als Mahnung vor Krieg und Terror. Vor all dem Wahnsinn, den uns jeden Tag die Medien zeigen.“

Sie lebt in Österreich. Ihr Land hat viele Kriege geführt. Das will man heute und in Zukunft nie wieder. In Wikipedia lese ich dazu: Die Neutralität ist seit ihrer Beschlussfassung am 26. Oktober 1955 – dem Tag, an dem zum ersten Mal keine Besatzungstruppen nach dem Krieg mehr im Lande waren – ein grundlegendes Element in der österreichischen Außenpolitik. Seit 1965 ist der 26. Oktober in Erinnerung daran der Nationalfeiertag Österreichs.

In einem Informationskasten der Kirchenverwaltung von St. Anton wird mit einem Plakat um Spenden für die Kriegsflüchtlinge aus Syrien aufgerufen. Das Plakat titelt: „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“. Ich fotografiere das Plakat und denke, dass passt zum Beitrag. Beinahe würde ich sagen, wie bestellt.

Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen – Dank Dir „Schlampertoni“

Fotos: Knut Kuckel

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„92 Grenzsteine und Felszeichen“ – Das Werdenfelser Land symbolisiert eine Burgruine https://www.tirolbayern.de/2019/08/29/92-grenzsteine-und-felszeichen-das-werdenfelser-land-symbolisiert-eine-burgruine/ https://www.tirolbayern.de/2019/08/29/92-grenzsteine-und-felszeichen-das-werdenfelser-land-symbolisiert-eine-burgruine/#respond Thu, 29 Aug 2019 07:27:56 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=21311 "I bin am liabstn dahoam!" sagt der alte Werdenfelser. Zwingen ihn Geschäfte oder Behördengänge sein "Dahoam" kurzzeitig zu verlassen, verkündet er kurz angebunden "Mir fahrn ins Boarland naus". Dann gehts häufig nur nach Murnau, Weilheim oder München.

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Selbstbewusstsein ist das Markenzeichen des Werdenfelsers. Das ist sozusagen genetisch vorbestimmt. Heutzutage ist der Alteingesessene zwar schon Bayer, aber in erster Linie noch immer Werdenfelser. Daheim im Werdenfelser Land. Dazu gehören die Gemeinden Mittenwald, Krün, Wallgau, Grainau und Farchant. Seine kulturellen Wurzeln hat der Werdenfelser – wenns hoch kommt – in Partenkirchen.

Für die Werdenfelser waren Murnau und Kochel, Oberammergau, Ettal und Oberau Ausland. Erst mit den Umbrüchen der napoleonischen Zeit kam diese Region zu Bayern.

„Werdenfelser Land“ ist der Name für den Südteil des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Die Region erstreckt sich im Norden bis Farchant, im Osten bis Mittenwald und im Süden und Westen bis an die Grenze Österreichs.

Wenn man die Leute heute im Raum Garmisch-Partenkirchen befragt, woher das „Werdenfelser Land“ seinen Namen hat, zeigen sie nach Farchant, zur Burgruine Werdenfels. Die mittelalterliche Burg Werdenfels gilt als Namensgeberin des Werdenfelser Landes.

Der österreichische Historiker Michael Henker hat sich als in Deutschland tätiger Museumsmann mit der „Geschichte der Grafschaft Werdenfels“ beschäftigt und stellte dabei u.a. fest, dass zu einer Grafschaft auch ein Graf gehören müsse und es einen „Grafen von Werdenfels“ strenggenommen niemals gab.

Michael Henker: „Nur einen einzigen „Grafen von Werdenfels“ kennen die Akten: Der spätere König Ludwig I. von Bayern benutzte als Erbprinz auf seiner Italienreise 1804 diesen Namen als Pseudonym.“

Der Schriftsteller Ludwig Aurbacher, Sohn eines Nagelschmieds in Türkheim, hat mit seiner 1834 veröffentlichten Sage „Die Ruine Werdenfels – Das Fräulein von Schroffenstein“ dem Werdenfelser ein literarisches Denkmal gesetzt. Bei ihm stirbt der reiche Graf von Werdenfels kinderlos, nachdem das Fräulein von Schroffenstein durch eine List, statt seiner, den Grafen von Eschenlohe geheiratet hat und sein ganzer Besitz fällt diesem Grafen von Eschenlohe zu.

Historisch belegt ist, dass Graf Berthold III. von Eschenlohe, der letzte männliche Vertreter der Familie, im Jahre 1294 seine Grafschaften Partenkirchen und Mittenwald an Bischof Emicho von Freising verkaufte.

Die Freisinger sicherten sich das Gebiet und die Rechte der Grafschaft Werdenfels. Sie ließen 1305 eine erste Grenzbeschreibung verfassen. Erst einmal in lateinischer Sprache: „Fines et mete adtinentes praescripto dominio in werdenvels et districtui domini Episcopi pertinente Castro Werdenfels“. Die deutsche Ausfertigung folgte 1316.

Damaligem Brauch entsprechend, enthielten die Grenzbeschreibungen nicht den exakten Verlauf einer Grenzlinie, sondern nur die Angabe markanter Punkte, entlang derer sich der eigene Besitz erstreckte.

Michael Henker: „Ein gravierender Mangel war es freilich, dass 1305 und 1316 nur die freisingische Sicht niedergeschrieben wurde, was den beiden mächtigen Nachbarn Tirol und Bayern in der Folgezeit Gelegenheit gab, Freising besonders im 14. und 15. Jahrhundert großflächig zurückzudrängen. So verlor die Grafschaft Werdenfels an Bayern Gebiete im Loisachtal bei Oberau, im Isartal bei Fall und Vorderriß sowie an Tirol weite Teile des Karwendels, des Leutaschtals und des Seefelder Sattels.“

Zahlreiche Grenzverträge schrieben diese Entwicklungen fest, bis 1768 die Vermarktung endgültig abgeschlossen war. Michael Henker schreibt dazu: „92 Grenzsteine und Felszeichen und 103 Marchbäume markierten nun die Grenzen des Territoriums der Grafschaft Werdenfels.“

Die Freisinger mussten die Anlage schon im 15. Jahrhundert aus Geldnot mehrmals verpfänden.

Ab 1676 beutete man die Veste als Steinbruch aus. Burgsteine wurden nachweislich beim Neubau der barocken Pfarrkirchen von Farchant und Garmisch wiederverwendet. Um den Erhalt der Anlage kümmert sich heute der Verein Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Burgruine Werdenfels.

Im Zuge der Säkularisation kamen Burg und Grafschaft 1802 an das Königreich Bayern. Die etwa 5000 Bewohner der ehemals reichsunmittelbaren Herrschaft konnten sich anfangs nur schwer an ihre neuen Herren gewöhnen. Aus dem Jahr 1806 ist die Klage eines Münchner Beamten überliefert, dass „viele Werdenfelßer noch keine Bairischen Herzen haben!“

1822 erwarb der bayerische Staatsrat Ignaz von Rudhart die Ruine, die sich seitdem in Privatbesitz befindet.

Ackerbau war in der Grafschaft Werdenfels wenig verbreitet. Auch die Viehzucht brachte nur geringe Erträge. Dafür spielten Handel und Gewerbe eine wichtige Rolle für die Menschen. Schon die alten Römer machten aus Mittenwald und Partenkirchen bedeutende Handelsniederlassungen. Zur Blüte gelangten die beiden Gemeinden in der Zeit vom 15. bis zum 17. Jahrhundert.

Die wichtige Straße nach Süden brachte allerdings nicht nur Vorteile, sie diente auch immer mal wieder als Heerstraße. So befestigte Tirol 1632 und 1648 dauerhaft die Talenge bei Scharnitz als Abwehr gegen die Schweden auf Werdenfelser Gebiet. An der Nordgrenze, beim so genannten „Steinernen Brückl“ wurde 1646/48 eine Schwedenschanze errichtet.

Ab 1796 schließlich erlebte Werdenfels wechselnde militärische Besatzungen und Kriegshandlungen von Österreichern, Franzosen und Bayern.

Die Bedeutung der Grafschaft als Nachbar Tirols hatte bereits am 19. August 1802 zur Besetzung durch bayerische Truppen geführt, ehe im November 1802 die kurfürstliche Besitzergreifung das Ende der über 500-jährigen bischöflichen Herrschaft über die Grafschaft Werdenfels markierte.

Seit 1808 unterstand das Landgericht Werdenfels dem Isarkreis, wurde 1810 dem Innkreis und 1814 erneut dem Isarkreis zugeteilt, aus dem 1837 der Regierungsbezirk Oberbayern hervorging.

Und so, wie das Werdenfelser Land erst 200 Jahre bayerisch ist, ist sein weltberühmtes Aushängeschild Garmisch-Partenkirchen erst seit seit 84 Jahren eine Gemeinde. Am 1. Januar 1935 wurde die Vereinigung der beiden benachbarten Orte Garmisch und Partenkirchen zu einer Marktgemeinde von den Nationalsolzialisten wegen der anstehenden Olympischen Winterspiele 1936 erzwungen.

Doch schon 1889 nannte die königlich-bayerische Eisenbahndirektion in weiser Voraussicht den Bahnhof, der zwischen beiden Orten gebaut wurde, „Garmisch-Partenkirchen“. Auch wenn man sich inzwischen aneinander gewöhnt hat, zeigen sich bei näherem Hinschauen noch viele Eigenständigkeiten. Vieles gibt es doppelt. Ski-Clubs, Trachtenerhaltungsvereine, Musikkapellen, Kurparkanlagen und mehr.

Wanderern und Ausflüglern zur Burgruine Werdenfels empfehlen wir zur Einkehr die 770 Meter hoch gelegene Werdenfelser Hütte. Von dort hat man einen schönen Ausblick auf das Loisachtal, Ester- und Wettersteingebirge.

Megscht mitlousn?

Zur Einstimmung empfehlen wir den nachstehenden Film über den Dialekt im Werdenfelder Land und im Innsbrucker Land aus der Sendung vom Bayerischen Rundfunk: Unter unserem Himmel, vom 29. April 2018, Dialekt im Werdenfelser Land und in Nordtirol (44 Min.).

Quellen:

Weblink: hoehenrausch.de/Werdenfelser Hütte

Fotos: Knut Kuckel / #tirolbayern

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Hochwasserschutz am Faukenbach – Becken und Böschungen wurden gesichert https://www.tirolbayern.de/2019/08/17/hochwasserschutz-am-faukenbach-becken-und-boeschungen-wurden-gesichert/ https://www.tirolbayern.de/2019/08/17/hochwasserschutz-am-faukenbach-becken-und-boeschungen-wurden-gesichert/#respond Sat, 17 Aug 2019 15:57:55 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=20444 Wer sich auf den Weg zum Wank macht, hat oberhalb der Schalmeischlucht einen prominenten Blick auf die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und Wetterstein. Talwärts fließt der Faukenbach in die Ober- und Unterwelt von Partenkirchen.

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Gut gepflegte Wanderwege führen unterhalb der Hacker-Pschorr-Brücke in zwei Richtungen durch Fauken- oder Schalmeischlucht. Heute kaum vorstellbar, wie das Umfeld unter der Faukenschlucht noch vor 14 Jahren aussah.

Viel ist zwischen 2012 und 2015 am Fauken-Oberlauf passiert: Gestaffelte Sperren wurden oberhalb Partenkirchens eingebaut, Hänge stabilisiert, ein Rückhaltebecken erweitert. Eine vorherige Sperre am Talausgang wurde erhöht.

Auch wenn noch immer einiges zu tun ist, die Hochwasserschutz-Projekte in Garmisch-Partenkirchen machen sichtbare Fortschritte. Für den Landkreis ist Horst Hofmann für Hochwasserschutz zuständig. In einem Gespräch mit dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt sagte er noch vor kurzem: „Am Fauken muss dringend etwas passieren. Und zwar noch mehr, als schon passiert ist.“

Oberhalb des Gebirgsbaches haben sich Fachleute intensiv mit Murenabgängen und Hangrutschen befasst, die schon zu starken Überflutungen im Ortsteil Partenkirchen geführt haben. „Vom Rathaus aufwärts, mussten wir durchs Wasser gehen,“ erinnert sich eine Anwohnerin an das Hochwasser im August 2005. Dort, wo sie wohnt, war „Land unter“.

Starke Niederschläge und Hochwasser führten entlang der Gebirgsbäche Kanker, Partnach und Fauken zu Hangrutschen und Murenabgängen. Heute ist Garmisch-Partenkirchen besser gerüstet. Ein Rückhaltebecken sorgt dafür, dass die Wassermassen erst gar nicht in den Ort kommen.

Die Wildbäche, die mitten durch die Marktgemeinde fließen, wurden zum Teil schon tiefer gelegt und die Läufe mit Beton ausgekleidet, damit sich kein Holz mehr verkeilt. Doch der Komplettausbau ist noch nicht vollzogen.

Rund 30 Millionen Euro wurden seither in Bayerns größtes Hochwasserschutzprojekt investiert. Land und Marktgemeinde teilen sich die Zuständigkeit. Oberirdisch trägt das Land Bayern Verantwortung, unterirdisch wird Garmisch-Partenkirchen in Anspruch genommen.

Die Marktgemeinde hat Ende 2018 ein Ingenieurbüro beauftragt, Planungsvorschläge für den Ausbau zu machen. Im Oberlauf habe man seine Hausaufgaben gemacht, sagten die Verantwortlichen vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim,

Die Wildbäche, die mitten durch die Marktgemeinde fließen, wurden zum Teil schon tiefer gelegt und die Läufe mit Beton ausgekleidet, damit sich kein Holz mehr verkeilt. Doch der Komplettausbau ist noch nicht vollzogen.

Wer in Partenkirchen statt über das Hasental, den Schalmeiweg Wank aufwärts wählt, kann im Hochwasserschutzbereich auf Informationstafeln nachlesen, was vor Ort getan wurde. Das ist nicht wenig.

In einer Sofortmaßnahme wurde nach dem Hochwasser im Sommer 2005 ca. 6000 m³ Geschiebe und Wildholz entfernt. Becken und Böschungen wurden mit Wasserbausteinen gesichert.
Seit Sommer 2012 wurden vier Gabionensperren und eine Betonsperre errichtet. Gabionenwände sind mit Stein gefüllte Drahtkörbe. Im Stecksystem beliebig erweiterbar.

Weblink:
 Hochwasserschutz Faukenbach, Garmisch-Partenkirchen, Wasserwirtschaftsamt Weilheim

Fotos: Knut Kuckel / #tirolbayern

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400 Jahre Salzgeschichte im Chiemgau – Höhepunkt ist der historische Samerzug https://www.tirolbayern.de/2019/08/09/400-jahre-salzgeschichte-im-chiemgau-hoehepunkt-ist-der-historische-samerzug/ https://www.tirolbayern.de/2019/08/09/400-jahre-salzgeschichte-im-chiemgau-hoehepunkt-ist-der-historische-samerzug/#comments Fri, 09 Aug 2019 16:16:11 +0000 https://www.tirolbayern.de/?p=19971 Der historische Samerzug hat Tradition. Gefeiert wird heuer „400 Jahre Salzgeschiche“. Jubiläumsauftakt war im Holzknechtmuseum in der Ruhpoldinger Laubau. Das Salz und die Holzwirtschaft prägen den Chiemgau. Heute wie damals.

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Die älteste „Pipeline“ der Welt wurde vor 400 Jahren gebaut. Sie transportierte Salz und machte die früheren Salzfuhrleute, überflüssig. Die treibenden Kräfte waren zu jener Zeit sieben neu entwickelte Pumpwerke. So überwand „die erste Pipeline der Welt“ einen Höhenunterschied von 250 Metern nach Traunstein. In der waldreichen Region gab es genügend Holz, um die Siedepfannen zu befeuern.

Am Freitag, dem 9. August 2019 trafen sich alle Beteiligten zum Jubiläumsauftakt bei den Ruhpoldingern Holzknechten in der Schneckenbach Stub’n. Die Stube wurde im Jahr 1879 erbaut und stand ursprünglich im Rachelgraben, bei Reit im Winkel. Im Holzknechtmuseum fand die Schneckenbach Stub’n ein bleibendes Zuhause und wird seither auch für Feierlichkeiten und zu besonderen Anlässen genutzt.

Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid begrüßte die Gäste. „Wir lassen Euch ohne Stärkung nicht auf den beschwerlichen Weg gehen“, sagte die Gastgeberin.

Am Holzofen wurde ein echtes „Holzknecht-Muas“ zubereitet. Ein einfaches und schnell zubereitetes Pfannengericht. Zwei Urgesteine des Vinzenzi-Vereins zeigten, wie man das kocht. Georg Bichler, der aktuelle Vorstandsvorsitzende des Holzknechtvereins und Josef Egger – mehr als 46 Jahre aktiv für seinen Verein – standen am Herd und waren mit der Zubereitung des Pfannengerichtes beschäftigt.

Sprachkundige sind sich uneins. Heißt es „Mues“ oder „Muas“? Dazu war auf alle Nachfragen hin, keine verlässliche Auskunft zu bekommen. Auch nicht von den beiden leibhaftigen Urgesteinen der Holzknechte. Deshalb behaupten wir – bis uns jemand vom Gegenteil überzeugt – in der oberbayerischen Sprache darf es so oder so geschrieben werden. Für die Holzknechte im Chiemgau war das „Muas“ jedenfalls eine Kraftnahrung. Die brauchten sie, um in den Bergwäldern ihre Schwerstarbeit zu verrichten.

„Es war das traditionelle Essen der Holzknechte“, sagt Georg Bichler, der Vorstand des legendären Ruhpoldinger Holzknechtvereins. Und alles musste damals schnell gehn. „In einer Stunde war die Sache erledigt. Dann ging es wieder in den Wald.“

Der „Muas“ war eine einfache Mahlzeit. Hauptbestandteile waren Wasser, Butterschmalz, Weizenmehl und Salz. Das musste reichen. Dreimal täglich gab es den „Holzknechtmuas“. Tagein, tagaus. Jahr für Jahr.

Für die hart arbeitenden Waldarbeiter musste das genügen. Zwischendurch gab es mal etwas extra.

Zur Erinnerung: der Holzknechtverein feierte erst im Frühjahr sein 400jähriges Jubiläum. Die Salzgeschichte der Region ist ohne die Leistung der Waldarbeiter kaum vorstellbar. Sie schlugen das Holz, das für die Saline in Traunstein und andernorts gebraucht wurde.

Holzknechtverein feierte 400-Jahr-Jubiläum – “Nachwuchs gesichert”

Christl Paretzke und Hans Sattlberger präsentierten den Jodler „Üblbacher“ zum Frühstück. Anschließend überbrachte der „Kirabiche Viergsang“ ein Ständchen. Die Gesangsgruppe ist regional bekannt. Zu ihr gehören Bürgermeister Claus Pichler, Pastoralreferent Georg Gruber, Bauamtsleiter Hans Hechenbichler und Kirchenpfleger Konrad Fegg.

Mit von der Partie waren auch Mitglieder vom Theaterverein Siegsdorf, die zur Eröffnung des historischen Samerzuges mit dem Stück „Aufruhr der Salzfuhrleute“ sozialkritischen Einblick in die Geschichte der Samer vor 400 Jahren gewährten. Das Bühnenstück schrieb Sepp Knott, Maria Mader war für das Arrangement verantwortlich. Dem begeisterten Publikum wurde mit dem Stück und die Vergangenheit auf in die Heute-Zeit übersetzt. Informativ und unterhaltsam.

Der Autor des Stück war unter den Gästen in der Schneckenbach Stub’n. Bei Führungen erzählt Josef Knott als „Salzmaier“ Geschichten über das Leben und die Arbeit in der Saline Traunstein. Seine Geschichten spielen in der Zeit um das Jahr 1800. Für die Stadt und die Menschen war das Salz in dieser Zeit das „weiße Gold“. Aus ihrer Sicht von unschätzbarer Bedeutung. Der „Salzmeier“ und die Samer lassen die Salzgeschichte des Chiemgaus wieder aufleben.

Wer weiß denn noch heute, was die Samer so alles zu tun hatten? Früher hieß das Verfrachten von Lasten „Säumen“. Die Samer (Säumer) transportierten auf ihren Pferden neben anderen Gütern auch das Salz der Saline in Reichenhall in den Chiemgau. Ab 1619 übernahm diese Aufgabe die Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein.

Die Gemeinden Ruhpolding, Inzell, Siegsdorf und die Kreisstadt Traunstein waren Veranstalter des Samerzuges.

Bürgermeister Claus Pichler (Ruhpolding) begrüßte seine Gäste. Darunter Oberbürgermeister Christian Kegel aus Traunstein, sein Siegsdorfer Kollege Thomas Kamm und Hans Egger, 1. Bürgermeister von Inzell.

Ein paar Worte zur Begrüßung sprach auch Herbert Ringsgwandl, Leiter der Tourist-Info Ruhpolding. Er ist der Bruder von Hildegard Ringsgwandl, die als Ärztin im populären Dokumentationsfilm „Alpgeister“ mitwirkt. Getroffen haben wir darüber hinaus auch bekannte Journalistinnen und Journalisten, darunter ein Team vom Bayerischen Rundfunk.

Nach dem Festakt mit Bühnenstück machten sich die Samer auf den Weg. Insgesamt elf Salzfuhrleute wanderteten mit ihren sieben bepackten Saumrössern über Inzell und Siegsdorf in die einstige Salinenstadt Traunstein. Der Samerzug wurde von Michi Sattelberger geführt, der von seinem Bruder, Hans Sattelberger, vor kurzem die Leitung des Zuges übernommen hat.

Und so gehts weiter: Die Ruhpoldinger Samer werden am Samstag mit ihren Pferden gegen 14 Uhr am Wochinger Spitz in Traunstein erwartet und vom Fanfarenzug der Veitsgroma Zunft zum neu eröffneten Salinenpark begleitet. Dort wird weiter gefeiert: So wird mit einer großen Sudpfanne, die aus Bad Reichenhall ausgeliehen wurde, das alte Handwerk des Salzsiedens vorgeführt. Das Salz kann in kleinen Säckchen gekauft werden.

Das „weiße Gold“ prägte über viele Jahrhunderte hinweg die Kulturgeschichte Südostbayerns. Das Lebens-, Würz- und Konservierungsmittel war unverzichtbar und wurde teuer gehandelt.

Neben den Pferdegespannen der Samer und dem Festwagen zum Deichelbau, treten Gruppen von Holzknechten und Eisenarbeitern, die Schäffler sowie die Nicolaibruderschaft aus Wasserburg bei den Feierlichkeiten auf.

Weblinks:

Fotos: Knut Kuckel

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