"Wir sehen uns wieder. Hier oder dort. Versprochen." (Foto: TirolBayern)
"Wir sehen uns wieder. Hier oder dort. Versprochen." (Foto: TirolBayern)

Schlechte Zeiten für Grenzgänger – TirolBayern-Blog hört auf

Juli, August, September – das waren die letzten Monate, die ich mit meinem Grenzgänger-Blog noch aktiv sein konnte. Dann wurde der kleine Grenzverkehr zwischen Bayern und Tirol schwieriger. Ein Jahr Pandemie, da geht so manchem die Puste aus.

Mein vorläufig letzter Beitrag titelte: „Die Corona-Krise hat uns fest im Griff – Schwere Zeiten für Grenzgänger“. Und mit Blick auf die aktuelle Situation, ist eher das Gegenteil der Fall.

Daraus ziehe ich Konsequenzen und beende mein persönliches Engagement als Grenzgänger, der aus dem Nahbereich der beiden Nachbarländer Tirol und Bayern geschrieben hat. Nah dran sein, ohne den Menschen zu nah zu kommen, das war ein Grundsatz, der Beiträge ermöglichte, die zum Teil sehr exklusiv waren.

Meine Erzählungen und die Bilder zu den Geschichten waren von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Viele Beiträge aus den vergangenen Jahren haben inzwischen einen zeitlosen Charakter. Sie werden immer und immer wieder angeschaut, gelesen. Beiträge dieser Art habe ich neu bearbeitet. Sie sind unter meinem Namen in meinem sehr persönlichen Blog weiterhin veröffentlicht. Wer zu der ein oder anderen Geschichte einen Bezug hat, mag mal vorbeischauen.

Es hat sich in der Darstellung vieles verändert. Auf Text folgen Bilder. Die Geschichten erhalten dadurch einen stärkeren Bezug zum Erlebnis. Ich schreibe nach wie vor über Begegnungen mit Tiefgang, bin aber nicht mehr sehr an den begrenzten Raum zweier Bundesländer in unmittelbarer Nachbarschaft gebunden.

All meine Geschichten spiegeln meine persönlichen Lebensräume, ohne dabei zu privat zu sein. Frühere Kolleginnen und Kollegen regten beispielsweise an, ich solle doch mal meine „Radiojahre in Belgien“ reflektieren. Den Vorschlag habe ich inzwischen umgesetzt. Wenn ich heute über Menschen und Begegnungen aus meinem früheren Lebensraum schreibe, leitet mich nicht der verklärte Blick zurück, sondern mehr meine Eindrücke von heute.

In der Eifelstadt Prüm kam ich zur Welt. Nach vielen Jahren der Abwesenheit bin ich häufiger zurückgekehrt. Ein paar Geschichten über die Karolingerstadt sind inzwischen veröffentlicht. Das besondere an ihnen ist der persönliche Blick auf Veränderungen.

Was mir vorschwebt, sind auch Geschichten aus und um die Nibelungenstadt Worms am Rhein. Dort bin ich zur Schule gegangen und groß geworden. Freunde von dort laden mich ein, mit ihrer Begleitung das Worms von heute zu besuchen. Auf dem Weg dorthin oder auf dem Rückweg fahre ich vielleicht ja mal nach Hessen und begebe mich auf die Spuren meiner „Radiojahre in Hessen“?

Und immer wieder werde ich meine Freunde in Tirol und Bayern besuchen. Angedacht ist eine Dokumentation über meine Zeit in Tirol. Warum bin ich dort gelandet? Weshalb so lange geblieben? Wie wurde mir das Tirol zur zweiten Heimat? Darüber gäbe es viel zu schreiben. Damit möchte ich gerne in der Zeit nach Corona beginnen. Auf das Schreiben dieser Geschichten freue ich mich sehr.

Auch in Bayern werde ich weiterhin Freundinnen und Freunde besuchen. Ich freue mich beispielsweise auf die ersten erlaubten Begegnungen mit „den Holzknechten“ im Chiemgau. Auf die Spurensuche entlang alter Pilgerpfade um das Kloster Maria Eck, bei Siegsdorf. Auf Ruhpolding und auf das nahe Salzburg. 

Solange ich einigermaßen fit bleibe, werde ich deshalb weiter schreiben.

An der Idee „Grenzgänger TirolBayern“ faszinierte mich die Sicht über den Zaun. Der bayerische Blick auf Tiroler Ereignisse und umgekehrt. Vorstellbar wäre, dass junge Journalistinnen und Journalisten, darin die Möglichkeit einer veränderten Regionalberichterstattung sehen? Über die Landesgrenzen hinweg? Mehrmedial. Wäre ich ein paar Jahre jünger, ich würde mich an solch einem Experiment glatt beteiligen.

Abwarten, aber meinen Blog „Grenzgänger TirolBayern“ lasse ich erst einmal ruhen. 

Wir sehen uns wieder. Hier oder dort. Versprochen. Und die ein oder andere Geschichte wird nach solchen Begegnungen auch weiter zu erzählen sein. Ich freue mich darauf, wieder ohne Auflagen Freunde besuchen zu dürfen. Wieder Teil ihres Lebens zu sein und umgekehrt.

Schaut mal vorbei, wäre mir ein Vergnügen:

Zuhören, schreiben, erzählen – Mein sehr persönliches Vergnügen

 

...danke für's WeitersagenFacebookTwitterPinterestWhatsAppE-Mail
Von
Knut Kuckel
Meine Meinung