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Festakt auf der Hochfeldern Alm – Mieminger Sänger verabschieden Gründungsmitglied
Seit 1966 gibt es die „Mieminger Sänger“. Gründungsmitglied der ersten Stunde war Hofrat Dr. Otto Thaler (4. Von links). Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern
Seit 1966 gibt es die „Mieminger Sänger“. Gründungsmitglied der ersten Stunde war Hofrat Dr. Otto Thaler (4. Von links). Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern

Festakt auf der Hochfeldern Alm – Mieminger Sänger verabschieden Gründungsmitglied

Mit der „Bauernmesse“ feierten die Mieminger Sänger vor über fünf Jahrzehnten ihre Chor-Premiere in der Pfarrkirche Untermieming. Zur Verabschiedung ihres Gründungsmitglieds, Hofrat Dr. Otto Thaler, waren die Almbauern deshalb auch die besten Gastgeber des Festaktes auf der Hochfeldern Alm.

Martin Reich und Fabio Riml luden am Sonntag zu einem außergewöhnlichen Almfest mit Bergmesse ins Tiroler Gaistal. Beide bewirtschaften die Hochfeldern Alm schon im 4. Jahr mit großem Erfolg. Ganzjährig, im Auftrag der Obermieminger Bauern.

Die Feldern Alm im Gaistal ist seit Jahrhunderten die Almweide der Obermieminger Bauern.

Feldernalm im Gaistal – Seit 1340 Almweide der Obermieminger Bauern

„Als Bauer ist man von Gott berufen, die Wertekultur unserer Gesellschaft zu erhalten“, mahnte Diakon Thomas Witsch in seiner bemerkenswerten Bergpredigt auf der Hochfeldern Alm.

Worte, die vor der unbeschreiblich schönen Kulisse nicht ihre Wirkung verfehlten. Im Gaistal, zwischen Leutasch und Ehrwald, in 1.732 Meter Höhe, auf der Sonnenseite – unterhalb der Zugspitze. Mit ziemlich exklusivem Blick auf die Mieminger Kette und das Karwendelgebirge. Im Grenzbereich – zwischen Tirol und seinen Nachbarn im Freistaat Bayern.

MMag. Thomas Witsch, geboren im März 1981, ist verheiratet, hat ein Kind und wohnt in Mieming und Lermoos. Witsch ist Pastoralassistent im Seelsorgeraum Zwischentoren im Außerfern. Als Diakon engagiert er sich im Bereich der Besuchsdienste, der Verkündigung und in der Liturgie.

Diakon Thomas Witsch. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern
Diakon Thomas Witsch. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern

Bischof Manfred Scheuer weihte im März 2016 im Innsbrucker Dom zu St. Jakob sechs verheiratete Männer zu Ständigen Diakonen. Einer davon war Thomas Witsch. Die Sakramentalität der Ehe und der Weihe sollen einander bereichern und zur gegenseitigen Vertiefung beitragen.

Die Grenzgänger #tirolbayern sind der Meinung, dass der eingeschlagene Weg des Innsbrucker Bischofs in die richtige Richtung weist. Weiter so. Kirche muss sich öffnen. Das Zeitalter des Patriarchats ist Vergangenheit.

Thomas Witsch ging in seiner Predigt auf die aktuelle Gesellschaftsdebatte ein. „Ich bin Anhänger der sozialen Bewegung »FridaysForFuture«, wünsche mir von uns Christen mit »SundaysForFuture« etwas Vergleichbares auf Kirchenebene. Wir sollten alle über eine neue Werte-Orientierung nachdenken. Eine Abkehr vom ausschließlich ökonomischen Denken der uneingeschränkten Gewinnmaximierung. Das gilt auch in ländlich strukturierten Regionen unseres Landes.“ 

Das Gehörte frei interpretiert auf den Punkt gebracht:

Geld und Vermögen sind wichtig zur Existenzabsicherung, aber niemals wichtiger als der Mensch und die Gemeinschaft.

Mit Blick auf die versammelte Bauernschaft sagte Thomas Witsch, als Almbauer sei man geradezu von Gott berufen, sich für den Erhalt unserer Wertekultur einzusetzen. „Der Bauer will doch in dieser Gesellschaft nicht nur seinen Ruf als Eiweiß-Lieferant festigen. Gerade wir, die wir heute um den Segen für diese Alm bitten, haben da eine Verpflichtung. Über alle Gesellschaftsgrenzen hinweg. Besinnen wir uns bei all unserem notwendigerweise wirtschaftlichen Handeln wieder darauf.“

Zum Abschluss seiner Predigt segnete Thomas Witsch die Alm und ihr Vieh sowie all diejenigen, die sich um die Almwirtschaft beruflich kümmern – rund um die Uhr. Gesegnet wurden auch die Gäste der Hochfeldern Alm, mit ihren Nachbarn im Ehrwalder Almgebiet und darüber hinaus.

Die Mieminger Sänger sorgten für die musikalische Begleitung der Almmesse. Der im Jahre 1966 gegründete Chor hat sich seither vor allem dem sakralen Gesang und dem traditionellen Tiroler Volkslied gewidmet. Die Sänger beleben das kulturelle Dorfgeschehen in Mieming, sind geschätzt bei Kirchenfesten und anderen feierlichen Ereignissen.

Den Chor leitet Johann Holzeis, der mit Otto Thaler und Karl Frauenhoffer zu den Gründungsmitgliedern der Mieminger Sänger gehört. Seit den Anfangsjahren waren mit dabei Josef Sonnweber, Siegfried Köll, Hansjörg Ciresa und Johann Krug. Stefan Pickelmann verabschiedete im Namen der Mieminger Sänger Otto Thaler als aktiven Sänger. Otto Thaler, heute stolze 72 Jahre alt, wurde schon im jungen Alter von erst 19 Jahren ein Mieminger Sänger. Der Geehrte bedankte sich und sagte, in seinem Herzen werde er immer ein Sänger bleiben.

„Unsere frühere Lehrerin Lisl Rofner hielt uns damals für talentiert, einen Männerchor zu begründen“, erzählte Otto Thaler. „Widerstand leistete anfangs noch unser Schuldirektor, aber Lisl Rofner konnte sich als geschätzte Organistin und Kirchenchorleiterin letztlich dann doch durchsetzen.“

Die Mieminger Sänger bedankten sich bei ihrem Gründungsmitglied, Horfrat Dr. Otto Thaler, für sein langjähriges Mitwirken im Chor. Die Sänger überreichten ihm ein Geschenk und verabschiedeten ihn als ebenso aktives wie verdientes Mitglied unter starkem Applaus aller Almfestgäste mit einem Gratulationsständchen.

Für die Unterhaltung des anschließenden Almfestes sorgten erfolgreich die »Längenfelder Musikanten« und der »Trachtenverein Edelweiss Mieming«.

Viele Gäste kamen über die bekannten Wege zur Hochfeldern Alm. Die meisten starteten vermutlich ab Bergstation Ehrwalder Alm oder fanden ihr Ziel als Almwanderer ab Parkplatz Leutasch. Bergerfahrene Kletterer bevorzugten die klassischen Klettersteige über die Mieminger Berge auf ihrem Weg zum Almfest. Als einen der Ersten konnten die Almleute Reinhard Neuner-Köll aus Barwies begrüßen.

„Reini ist bekannt für seine Klettererqualitäten und seine Ausdauer“, kommentierte Fabio Riml, einer der beiden Almchefs auf der Feldereralpe. „Wenn wir etwas Großes zu feiern habe, kommt er grundsätzlich wie unsere Altvorderen über die Berge zu uns.“

Wir erfahren später von Reini, dass er sich am Sonntag-Morgen, in aller Früh, um 6 Uhr, in Barwies auf den Weg machte. Der führte ihn übers Stöttltörl, Grünsteinscharte, Thajatörl, Brendlkar und Ganghofersteig zur Hochfeldern Alm. Für den Weg brauchte er nur knappe drei Stunden. „Ich hatte eigentlich eine halbe Stunde mehr eingeplant“, sagte der Reini im Gespräch mit dem Grenzgänger #tirolbayern und zeigte Richtung Stöttltörl. „Da gehts lang. Von dort ging alles wie von selbst.“

Unter den Gästen sahen wir lokale Politiker, benachbarte Almleute, die Repräsentanten der Jägerschaft, Bauernschaft, Vereinsobleute und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Zählen wir die auf, die unsere Wege persönlich kreuzten (stellvertretend für alle): Franz Dengg (Bürgermeister, Gemeinde Mieming), Klaus Stocker (Bürgermeister, Gemeinde Wildermieming), Kai Ilg (Jagdpächter Hochfeldern Alm), Benedikt van Staa (Almobmann Marienberg Alm/Gemeinderat Mieming), Martin Kapeller (Almbeauftragter und Vize-Bürgermeister, Gemeinde Mieming), Elias Kapeller (Obmann der Jungbauernschaft Landjugend Mieming), Theresa Wallnöfer (Ortsleiterin/Jungbauernschaft Landjugend Mieming), Lydia Neuner-Köll (Gemeinderätin in Mieming), Stefan Weber (Kommandant Stv./Freiwillige Feuerwehr Mieming), Burgi Widauer (Redaktionsleitung/Mieminger Dorfzeitung).

Aus der Bauernschaft (almübergreifend) trafen wir: Klaus Scharmer, Konrad Scharmer, Josef Sonnweber, Michael Sonnweber, Edi Thaler, Michael Wallnöfer und Andreas Grabner.

Der Almsommer

Martin Reich, Almhirt auf der Hochfeldernalm. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern
Martin Reich, Almhirt auf der Hochfeldernalm. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern

Bevor wir uns vom Team der Hochfeldern Alm verabschieden, setzen wir uns noch in der Stube auf ein kurzes Gespräch über den bisherigen Verlauf des Almsommers mit Martin Reich zusammen, einem der beiden Alm-Pächter.

Sein Partner, Fabio Riml, kümmerte sich derweil weiter um die vielen Gäste, die sich zum Teil wieder auf den Heimweg machten und sich von den Almleuten verabschieden wollten.

Martin erzählt, Viehauftrieb sei am 21. Juni gewesen. „Sechs Tage später als üblich“, so der Almhirt. „Wegen des langen Winters waren wir mit dem Futter auf der Alm später dran. Deshalb wird auch der Almabtrieb heuer – falls das Wetter mitspielt – erst am 21. September stattfinden.“

Bis heute – dem Tag des Almfestes – seien keinerlei Unfälle zu beklagen. „Wir haben das Vieh gut über den Sommer gebracht und hoffen, dass wir das auch bis zum Schluss noch schaffen. Dann können wir wieder unser Vieh aufgeprostert (für Nicht-Tiroler „geschmückt“) von der Feldereralpe, heim nach Obermieming führen.“

238 Stück Vieh waren heuer auf der Feldereralpe. „Um die 30 sind schon in ihren Heimatställen“, erzählt Martin Reich.

Der Almsommer war gut für die Tiere, so Martin Reich. „Für uns Almleute war der Übergang vom Winter zum Frühling nicht unproblematisch. Hindernis waren die Zugspitzbahnen in Tirol und in Bayern. „Als hätten sie sich abgesprochen, fiel zuerst die auf der Ehrwalderseite aus, dann – unfallbedingt –  auch noch die neue Zugspitzbahn in Bayern, am Eibsee. Wir mussten uns völlig neu organisieren, um die Alm bewirtschaften zu können.“

Man habe aus der Erfahrung gelernt und sei im kommenden Winter auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Wir danken für das kurze Gespräch und verabreden uns zum Almabtrieb in der 2. Septemberhälfte. Anschließend machen wir uns auf den Heimweg. Durchs Gaistal, ins Nachbarland Bayern.

Ein Dank an alle Freundinnen und Freunde in Tirol für Eure Gastfreundschaft und Unterstützung!

Hochfeldern Alm – Nahaufnahme Almabtrieb

Weblink: Hochfeldern Alm

Fotos: Knut Kuckel /#tirolbayern

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Von
Knut Kuckel
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