fbpx
„Haftie“ zum siebten Gebot – „In der Kirche klaut man nicht“
„Lieber Dieb, in der Kirche klaut man nicht!“ haben die Hausherren des Antoniuskirchleins auf einen Klebezettel über die Auslagen geschrieben. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern
„Lieber Dieb, in der Kirche klaut man nicht!“ haben die Hausherren des Antoniuskirchleins auf einen Klebezettel über die Auslagen geschrieben. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern

„Haftie“ zum siebten Gebot – „In der Kirche klaut man nicht“

Sooft es geht, besuche ich bei mir daheim St. Anton. Nicht nur unter Wallfahrern und Andacht suchenden ein geschätztes Gotteshaus, leider wohl auch bei Ganoven. Ein „Haftie“ über den Auslagen lässt diese Vermutung zu.

Bevor man die Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen verlässt, hat man die Möglichkeit, noch etwas mitzunehmen. Für kleines Geld. Ganz legal. Ein Kreuz und eine Alltagsbibel, Postkarten mit dem Motiv des Heiligen Antonius oder vergleichbar andere schöne Dinge.

„Lieber Dieb, in der Kirche klaut man nicht!“ haben die Hausherren der schönen Kirche auf einen Klebezettel über diese Auslagen geschrieben. Umgangssprachlich – wohl in der Hoffnung, so besser von der Zielgruppe verstanden zu werden. Die Bitte, an diesem Ort das Stehlen zu unterlassen, berührt und macht nachdenklich.

Das Antoniuskirchlein in Partenkirchen wird von Franziskanern behütet. Sie werden gute Gründe für ihre Aktion haben. Sie kämen ansonsten wohl kaum auf die Idee, solch einen Hinweis über Kerzen und Kreuze zu hängen?

Die freundlichen Ordensleute können die hohe Kostenbelastung zum Erhalt der Kirche verständlicherweise nicht alleine tragen. Ohne Spenden und andere Einnahmen gäbe es Kirchen wie die ihre nicht mehr. Umso verständlicher ist es, dass die Partenkirchner Franziskaner jene bitten, die wenig Respekt vor dem Eigentum anderer haben, auf das Klauen in ihrem Hause freundlicherweise zu verzichten.

Könnte ja sein, dass der ein oder andere Dieb nach Lektüre des Klebezettels überraschenderweise bekehrt umkehrt und auf das Klauen verzichtet. Ja, ich weiß, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber vorschnell aufzugeben, macht ja auch keinen Sinn.

Obwohl weniger Kunstgegenstände als früher gestohlen werden, „klauen sie in Gottes Häusern noch immer wie die Teufel“, sagen dazu Bayerns Kunstfahnder. Immer weniger Menschen würden sich heute noch Heilige ins Wohnzimmer hängen, hört man, das sei wohl der Grund, für die Rückläufigkeit der Straftaten.

Kleine Kirchen und Kapellen stehen bei Dieben hoch im Kurs, weil sie sich dort – meist unbeobachtet – ihrem schändlichen Tun hingeben können. Im oberbayerischen Murnau wurden vor wenigen Wochen gleich zwei kirchliche Einrichtungen überfallen. In der Riedhauser Kapelle wurde der Opferstock kurzerhand mit Hilfe eines Feuerlöschers geknackt. Geschätzte 80 Prozent der Diebstähle in Kirchen entfielen auf Opferstöcke, sagte LKA-Fahnder Franz Weber kürzlich im Münchner Kirchenradio.

Bei den Dieben handelte es sich in der Vergangenheit oft um Einzeltäter oder um kleine Banden, so der Polizeibeamte. Meist ist der Geldwert des Diebesguts gering. Anders in der Murnauer Christuskirche, dort schätzt man den Verlust nach einem kürzlichen Einbruch auf 500 bis 1000 Euro.

Dr. Peter Kottlorz, Senderbeauftragter der Katholischen Kirche am Südwestrundfunk, beschäftigt sich gelegentlich mit der Thematik in seinen Radiosendungen. Als es dabei einmal um das siebte Gebot ging, meinte Pfarrer Kottlorz: „Es gibt Menschen die klauen aus Wut. Aus Wut darüber, dass sie ungerecht behandelt werden. Manche Menschen klauen aus Not, aus materieller oder seelischer Not. Und manche klauen einfach aus Bosheit.“

Achten wir also ein wenig aufeinander, damit es gar nicht so weit kommt. Und denken gelegentlich auch an das siebte Gebot: „Du sollst nicht stehlen!“

Radio-Pfarrer Peter Kottlorz zum 7. von insgesamt zehn Geboten: „Ein so uraltes wie sinnvolles Gebot. Denn wenn das Eigentum des Anderen nicht unangetastet bleibt, dann gibt es Hauen und Stechen oder bestenfalls Chaos.“

Das Gebot gilt nach gültiger Rechtssprechung übrigens auch für Atheisten. Sich darauf zu berufen, nicht an Gott zu glauben, macht in diesem Zusammenhang somit wenig Sinn.

Aber mal unterstellt, die Menschen würden sich in ihrer Mehrheit an die zehn Gebote halten – egal, ob sie an Gott glauben oder nicht, wäre unsere Welt vermutlich ein „Himmelreich“ auf Erden.

Ich meine, selbst in dem Wissen, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, können wir den Dieben und anderen Fehlgeleiteten dieser Welt noch so viele Vorschläge für ein aufrechtes Leben machen, sie werden unsere Empfehlungen nicht lesen.

Auch dann nicht, wenn wir ihnen versprechen, dass Geben wirklich seliger ist denn nehmen.

Wer Antonius verehrt, glaubt u.a., dass der Heilige beim Wiederauffinden verlorener Gegenstände behilflich sein könnte. In Bayern hat er sich in diesem Sinne als Schutzpatron der „Schlamperten“ verdient gemacht, im Rheinland als „Schussels Tünn“.

Im Glauben daran, könnten die Fahnder ja gelegentlich dem Antonius die ein oder andere Kerze widmen. Oder am besten gleich bei ihm sitzen bleiben. Das schreckt ganz sicher Diebe und andre Ungustl ab.

Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen – Dank Dir „Schlampertoni“

Fotos: Knut Kuckel / #tirolbayern

...danke für's WeitersagenTwitterFacebookPinterestWhatsAppEmail
Meine Meinung

Meistgelesen