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Raucher nehmt Rücksicht – Die Natur ist kein Aschenbecher
„Geschätzte 30 bis 40 Prozent des Mülls sind Zigarettenstummel“, sagt ein ehrenamtlicher Aufheber. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern
„Geschätzte 30 bis 40 Prozent des Mülls sind Zigarettenstummel“, sagt ein ehrenamtlicher Aufheber. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern

Raucher nehmt Rücksicht – Die Natur ist kein Aschenbecher

Ein schöner Tag zum Wandern. Zeit für eine kurze Rast. Die ausgewählte Bank öffnet den Blick auf Alp- und Zugspitze. Schön. Das heißt: eigentlich nicht ganz. Denn die Füße stehen im Aschenbecher. Kaum zu glauben, aber so fühlt es sich an.

Am Boden liegen jede Menge Zigarettenstummel. Nur einen Handgriff entfernt, steht der Abfalleimer. Darin liegen Papiertaschentücher, Brotzeitreste, Hundekotbeutel, Plastikflaschen. Nur nicht die toxischen Hinterlassenschaften rauchender Naturfreunde. 

Erster Gedanken: „Die bedauernswerten Menschen müssen völlig abgestumpft sein.“

An diesem schönen Ort an Raucherinnen und Raucher denken? An übervolle Aschenbecher? Den üblen Geruch? Macht das Sinn?

Es macht Sinn. Auch wenn der darüber Nachdenkende nicht zur Zielgruppe gehört. In Erinnerung an einen Redner zur Eröffnung der Ausstellung „Neobiota“ in Ruhpolding. Der stand da und sagte „Gefragt sind Einfälle, statt Abfälle.“ Die Ausstellung thematisiert „Müll.Berge“. Zeigt was weggeworfener Müll in den Bergen anrichtet. Wer das alles gesehen hat und sich mit den Konsequenzen beschäftigt, kommt zwangsläufig zu seinem persönlichen Nachdenk-Ergebnis:

Der Unrat am Berg ist aus ästhetischen und ökologischen Gründen unerwünscht. Auf Tafeln und Bierdeckeln informieren u.a. auch die Alpenvereine darüber. Es scheint niemanden zu interessieren. Die Aktion „Saubere Berge“ stellte Schilder an Wegen auf, an den Hütten sind umweltfreundliche Maisstärketüten zu finden. Das berührt. – Offensichtlich nur Nichtraucher.

Aber wie erreicht man Raucher? Obwohl die wissen, wie ungesund ihre Sucht ist, rauchen sie weiter. Bekannt ist: vom Rauchen kann man impotent werden, Lungen- oder Kehlkopfkrebs bekommen. Bei Jugendlichen kann das Rauchen zu Wachstumsstörungen führen. Ziemlich uncool.

Die Folgen des Tabakkonsums beim Menschen sind weitestgehend bekannt, die Umweltprobleme durch die Giftkippen dagegen nicht.

Es gab und gibt in dieser Hinsicht zahlreiche Appelle an die Gesellschaft der Raucher. Nehmt Rücksicht auf Eure Mitmenschen, auf die Umwelt und so weiter. Nützt nichts. Also, was tun?

Erst einmal die herumliegenden Kippen mit spitzen Fingern und einem Taschentuch aufheben. In den Abfalleimer stecken. Ganz tief hinein, damit der Wind sie nicht aufs Neue verteilt. Bis zu zwei oder drei Drittel der gerauchten Zigaretten landen statt im Mülleimer direkt auf dem Weg. Geschätzte 30 bis 40 Prozent des gesamten Mülls sind Zigarettenstummel, meinen ehrenamtliche Müllsammler in den Städten. Das bestätigt die Weltgesundheitsorganisation WHO: Pro Tag werden alleine in Deutschland 400 Millionen Zigaretten geraucht. Drei Viertel davon landen nicht im Aschenbecher, sondern am Straßenrand oder in der Natur.

„Die Leute haben keinen Respekt mehr. Vor nichts“, beklagt eine Wanderin, die uns beim Aufheben beobachtet. „Darüber liest man zu wenig in der Zeitung.“

Stimmt nicht ganz. Es gibt inzwischen viele Informationen dazu. Bedienen wir uns:

Achtlos weggeworfene Glimmstängel sind sowohl ein Müllproblem als auch ein Vergiftungsfaktor. Die Stoffe, die nach dem Abrauchen in den Filtern stecken, machen die Reste der Glimmstängel zu toxischem Sondermüll.

Schon eine Kippe, aufgelöst in einem Liter Wasser, tötet nach vier Tagen kleine Lebewesen wie Fische. Nikotin hat eine direkte Wirkung – es ist ein Nervengift. Je mehr Kippen in der Natur landen, desto mehr Nikotin wird ausgewaschen und in Orts- oder Stadtgewässer, Seen oder Flüsse weitergeleitet.

Eine Zigarette ist in fünf Minuten geraucht, aber sie belastet die Umwelt noch jahrelang. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) vergiftet schon ein einziger weggeworfener Zigarettenstummel schätzungsweise 40 Liter Grundwasser.

Der Mensch löst die meisten Katastrophen aus.

Stichwort „Waldbrandgefahr“. Im Sommer bedeutet das auch in unseren Ländern: Hitze, Trockenheit, Wind – da brennen Wälder schnell. Kleine Brandherde reichen aus, um große Feuer zu entzünden. Etwas Blöderes kann man deshalb in Trockenzeiten kaum tun: eine noch brennende Zigarette auf den Waldboden werfen.

Die Natur ist kein Aschenbecher.

Zigarettenstummel dürfen nicht gedankenlos weggeworfen werden.

Gesucht sind – mehr denn je – aufgeschlossene Raucherinnen und Raucher, die auf all ihren Wegen einen „(T)aschenbecher“ dabei haben. Mitnehmen und daheim entsorgen.

Fotos: Knut Kuckel #tirolbayern

 

Auf den Spuren der „Neobiota“ – Ausstellung im Holzknechtmuseum Ruhpolding

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