fbpx
150 Jahre Deutscher Alpenverein – Bergsport ist heute eine Massenbewegung
Die Berge und wir. 150 Jahre Deutscher Alpenverein - Jubiläumsausstellung im Alpinen Museum, München. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern

150 Jahre Deutscher Alpenverein – Bergsport ist heute eine Massenbewegung

Seit 150 Jahren kümmert sich der Deutsche Alpenverein (DAV) um die Erschließung der Alpen durch Wege und Hütten. Mit aktuell rund 1,3 Millionen Mitgliedern ist der DAV die größte Bergsteigervereinigung der Welt und setzt sich auch für den alpinen Naturschutz ein.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) feiert am 9. Mai 2019  seinen 150. Geburtstag. Sein Werdegang führte von ei­ner Vereinigung zur Erforschung und touristischen Erschließung der Alpen zum fünftgrößten Sport- und größten Naturschutzverband Deutschlands. Mit 1.289.641 Mitgliedern in 356 selbstständigen Sektionen und einer Stiftung.

Die Bergwelt hat nichts von ihrer Faszination verloren. Inzwischen plant der Alpenverein – der Umwelt zuliebe – keine neuen Wege und keine neuen Hütten. Auch wenn der Andrang immer größer wird. 

„Wir nehmen das Vertrauen, das unsere Mitglieder in uns setzen, ernst und sehen uns als große zivilgesellschaftliche und unabhängige Organisation in der Verantwortung, Position zu beziehen und für diese Werte einzustehen. Und zwar nicht nur in den Bergen, sondern in der gesamten Gesellschaft“, so DAV-Präsident Josef Klenner.

Erst vor gut 200 Jahren begannen Wanderer mit Forschergeist, Gipfel zu erklimmen. Heute ist Bergsport eine Massenbewegung.

Am 9. Mai 1869 trafen sich im Münchner Gasthaus „Zur Blauen Traube“ 36 Bergbegeisterte, die die „Section München eines deutschen Alpenvereins“ gründeten. Anlass für die Gründung war die Unzufriedenheit mehrerer Mitglieder mit dem bereits seit 1862 bestehenden Österreichischen Alpenverein, der sich kaum für die praktische Erschließung des Gebirges einsetzte und seine Zusammenkünfte auf Wien beschränkte.

Franz Senn, Pfarrer in Vent/Ötztal, Paul Grohmann, Wien, Johann Stüdl, Kaufmann in Prag, Karl Hofmann, Student in München, und Theodor Trautwein, Buchhändler in München, initiierten die Neugründung.

Die Günder des Deutschen Alpenvereins. Informationstafel der Ausstellung "150 Jahre Deutscher Alpenverein". Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern
Die Günder des Deutschen Alpenvereins. Informationstafel der Ausstellung „150 Jahre Deutscher Alpenverein“. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern

Der Ötztaler Pfarrer Franz Senn warb um Mitglieder. Um Urlauber, die sich in seinem Gästebuch verewigt haben. Mit Erfolg. Innerhalb von nur wenigen Wochen hatte der Alpenverein rund tausend Mitglieder. Das Interesse an der Bergwelt wuchs.

Anfänglich stand für die Mitglieder vor allem das Erleben und Erforschen der Alpenwelt im Vordergrund, für das sie unter anderem ein umfangreiches Hütten- und Wegenetz einrichteten. Seit dem Ersten Weltkrieg wendete sich der Verein verstärkt dem leistungsbezogenen Bergsteigen zu, während er heute zusätzliche Schwerpunkte im Sport- und Wettkampfklettern sowie im Breitensport setzt. Im breiten Spektrum seines Betätigungsfeldes setzte sich der Alpenverein von Beginn an auch für den Naturschutz im Alpenraum ein, wobei die Schwerpunkte unter anderem mit seinen veränderten bergsportlichen Interessen in Beziehung standen.

Die Alpen waren zum Gründungszeitpunkt des Deutschen Alpenvereins bereits bedeutendes touristisches Ziel. Seit 1867 ermöglichte die Brennerbahn ein bequemes Reisen nach Tirol, Hotels und Gasthäuser hatten Orten wie der Ramsau, Berchtesgaden, Gastein, Salzburg und dem Gosausee bereits ein „kosmopolitisches Gepräge“ gegeben.

Was heute neben den Alpenvereinen auch die Outdoor-Szene leistet, war seit 1870 Aufgabe der DÖAV. In der „Zeitschrift“ des Alpenvereins konnten sich die Leserinnen und Leser über neue Tourenmöglichkeiten informieren. Der damalige Alpenverein organisierte im übrigen auch das Bergführerwesen. Für den Großteil der Touristinnen und Touristen war es nicht vorstellbar, ohne fachkundige Begleitung vergletschertes Gelände und schwierigere Felspartien zu begehen. Noch heute Basis für die meisten Bergtouren ist ein umfangreiches Hütten- und Wegenetz.

Seit Ende der 1880er-Jahre kam es zu Kritik an der wissenschaftlichen und breitentouristischen Ausrichtung des Alpenvereins. Die heranwachsende Generation war verstärkt an einem leistungsorientierten Bergsteigen interessiert. Ausübung, Ausbildung und Förderung des Bergsteigens war Anfang des 20. Jahrhunderts schon eine Kernaufgabe des Alpenvereins.

Mitte der 1970er-Jahre vollzog sich im Bergsport abermals ein Paradigmenwechsel. Die Idee des Freikletterns, ausgehend vom Yosemite in den USA sowie dem Elbsandsteingebirge in Sachsen, verbreitete sich. Es war nicht nur Sport sondern auch Gegenkultur, Ausdruck von Freiheit und Utopie und provokativer, neuer Lebensstil. Erst 1984, angesichts der drohenden Abwanderung der Jugend, entschloss sich der DAV zur Aufnahme des Freikletterns, später Sportkletterns, in seine Aktivitäten. Der Verband schuf neue Strukturen für das leistungsorientierte Sportklettern wie beispielsweise Trainingsprogramme. In vielen Sektionen wurden Sportklettergruppen gegründet, die ersten künstlichen Kletteranlagen gebaut und Kletterwettkämpfe organisiert. 1995 trat der Deutsche Alpenverein dem Deutschen Sportbund bei.

Vizepräsident Jürgen Epple: „Der Deutsche Alpenverein entwickelt sich ständig weiter, wird größer und mit zurzeit 42,6 % auch weiblicher.“ Zwar macht die größte Gruppe nach wie vor die Altersklasse von 41 bis 60 Jahren aus, doch die Gruppe der 19- bis 25-Jährigen wächst stärker (um 6,28 %), was vor allem an den beliebten Kletter- und Boulderhallen liegt. Epple führte das Wachstum auch auf den anhaltenden gesellschaftlichen Trend zum Natursport zurück, der ein Gesundheitsversprechen mit sich führe. „Es geht aber vor allem um das Lebensgefühl, das man teilen möchte.“

Viele Mitglieder schätzen den Service und die Vergünstigungen auf den Alpenvereinshütten quer durch die Alpen. Der DAV übernimmt für Mitglieder weltweit die Rettungskosten, wenn beim Bergsport etwas passiert. Pro Jahr sind es mehr als tausend Mitglieder, die Unfälle bei der Versicherung des DAV geltend machen.

Als Naturschutz- und Sportverband hat der DAV immer wieder Interessenskonflikte zu überbrücken: Erschließen für den Sport – oder schützen für die Umwelt? Für Präsident Josef Klenner ist klar: „Wir müssen sorgsamer mit den Alpen umgehen. Der Klimawandel zeigt sich nirgends so wie im Alpenraum.“

Die Ursprünge des modernen Alpinismus liegen im 18. Jahrhundert. Früh kam im Alpenverein Antisemitismus auf. Schon in den 1920er-Jahren waren Wege mit Hakenkreuzen markiert, auf manchen Hütten stand ein Schild: „Juden unerwünscht“. Ein trauriges Kapitel in der Geschichte des Vereins.

In den 1990er Jahren begann der Deutsche Alpenverein sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Das Buch „Die Berge und wir“ zur Ausstellung "150 Jahre Deutscher Alpenverein" widmet der Aufklärung großen Raum. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern
In den 1990er Jahren begann der Deutsche Alpenverein sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Das Buch „Die Berge und wir“ zur Ausstellung „150 Jahre Deutscher Alpenverein“ widmet der Aufklärung großen Raum. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern

„Dass der DAV zur NS-Zeit und schon davor jüdische Mitglieder ausgeschlossen hat, ist uns heute jeden Tag eine Mahnung, dass wir offen und tolerant sein wollen und müssen gegenüber allen – egal welche Herkunft, sexuelle Orientierung, körperliche oder geistige Einschränkung sie haben“, sagt DAV-Präsident Josef Klenner heute.

Klenner wünscht sich Meinungsbildung auf allen Ebenen des Vereins. Heute sei der Deutsche Alpenverein offen für alle.

Video-Tipp zum Thema:

Bayern erleben | Heimat-Doku
Der Film „150 Jahre Deutscher Alpenverein“ ist eine spannende Reise in die Geschichte des Bergsteigens, erzählt am Beispiel der Alpenvereinssektion Regensburg. Sie wurde 1870 – ein Jahr nach dem Deutschen Alpenverein – gegründet und spiegelt dessen Geschichte und Entwicklung beispielhaft in wesentlichen Wegmarken.
Von Höhen und Tiefen – 150 Jahre Deutscher Alpenverein, BR Fernsehen, 06.05.2019, 44 Min

Ausstellung

Die Jubiläumsausstellung im Alpinen Museum auf der Münchner Praterinsel erzählt von der Freude am Entdecken der Bergwelt, der Suche nach einem intensiven, gefährlichen Leben, dem Versprechen von Freiheit und Genuss, dem Kampf um unerschlossene Landschaften, der Verlagerung des Bergsports in die Stadt und den Versuchen, unserer digitalisierten Gesellschaft gerecht zu werden. Zu sehen vom 12. Mai bis 13. September 2019.

“Die Berge und wir” – Ausstellung zum Jubiläum des Alpenvereins in München

Video 150 Jahre Deutscher Alpenverein (DAV)

Fotos: DAV Archiv / Knut Kuckel / #tirolbayern

Weblink: Alpines Museum München

...danke für's WeitersagenTwitterFacebookPinterestEmailWhatsApp
Von
Knut Kuckel
Meine Meinung

Meistgelesen