21. Februar 2019
Das Ramsachkircherl St. Georg liegt am Nordrand des Murnauer Mooses. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern
Das Ramsachkircherl St. Georg liegt am Nordrand des Murnauer Mooses. Foto: Knut Kuckel / #tirolbayern

Ramsachkircherl „s’Ähndl“ am Murnauer Moos – das älteste Gotteshaus der Region

„Ähndl“ nennt der Volksmund das Ramsachkircherl, südlich von Murnau am Staffelsee. Offiziell trägt die kleine Kirche am Murnauer Moos den Namen St. Georg. Begründet vermutlich vom heiligen Magnus von Füssen.

Über den Gründer gibt es allerdings mehrere Varianten. Neben dem Heiligen Mang könnte es auch Bonifatius gewesen sein. Doch das scheint eher unwahrscheinlich, da zur Gründungszeit dem Kloster St. Mang in Füssen die Eigentumsrechte zugeordnet werden.

Aufgrund dieser Legende gilt jedenfalls St. Georg an der Ramsach als das älteste Gotteshaus der Region und wird von Einheimischen auch als „s’Ähndl“, also Ahn aller Kirchen genannt.

Die barocke Kirche liegt auf einem kleinen Hügel, der sich in den Hang des Molasse-Rückens einfügt, durch den das Murnauer Moor nach Norden begrenzt wird. Sie ist umgeben von einem heute aufgelassenen Friedhof. Kirche und Kirchhof sind von einer Mauer mit mittelalterlichem Zugang eingefriedet. Westlich der Kirche steht der ehemalige Hof Ramsach, ein Blockbau mit Flachsatteldach und Zierbund aus dem 18. Jahrhundert. Das heutige Gasthaus war das ehemalige Mesnerhaus. Seit vermutlich 1930 eine beliebte Ausflugsgaststätte ist. Bis etwa 1970 war der Wirt auch der Mesner der Kirche.

Eine historische Kostbarkeit der Kirche ist die Eisenglocke, die rechts neben dem Altar steht. Sie ist die „sakralhistorisch bedeutendste Glocke Deutschlands“, so ein Glockensachverständiger. Es handelt sich um eine geschmiedete Eisenglocke, die iro- schottische Wandermönche Mitte des 8. Jahrhunderts als Handglocke zu Fuß vom Kloster Iona in Westschottland mitbrachten. Diese unscheinbare Missionsglocke ist die älteste Kirchenglocke auf dem kontinentalen europäischen Festland.

Das Ramsachkircherl St. Georg ist ab dem 14. Jahrhundert nachweisbar, im Kern spätgotisch und weist heute eine barocke Fassung nach größeren Umbauten im 15. und 17. Jahrhundert auf. Heute erfüllt die Ramsachkirche nicht mehr die Aufgaben einer Dorfkirche. Wird aber gerne weiterhin in Anspruch genommen als Ort für Taufen, Trauungen, Familienfeiern oder Andachten.

Jedes Jahr am 1. Mai treffen sich Murnauer und Hechendorfer nach einem kurzen Bittgang in St. Georg, um das Patrozinium zu feiern.

Vom Ramsachkircherl führt auch der Moos-Rundweg um das Murnauer Moos. Wer gut zu Fuß ist, schafft den über 12-einhalb Kilometer langen Wanderweg entlang der Bäche Ramsach und Lindach in gut drei Stunden. Auf Schnee und eisglatten Wegen – wie in diesen kalten Januartagen – kann es etwas länger dauern. Belohnt wird man von besonders schönen Bildern rund um das wohl größte noch erhaltene Moorgebiet Mitteleuropas. Informationstafeln geben Einblicke in die besondere Tier- und Pflanzenwelt.

Das Murnauer Moos – mehr als nur „Ein Stück übriggebliebene Natur“

Quellen:

Fotos: Knut Kuckel / #tirolbayern

Hinweis:
Die Fotos haben wir mit der Canon EOS 6D Mark II aufgenommen, einen Teil aber auch mit dem Samsung Galaxy S8+. Das erklärt die abweichenden Formate und Qualitätsunterschiede.

Knut Kuckel

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