17. Januar 2019
Der Eibsee ist einer der schönsten Bergseen in Bayern. Foto: Knut Kuckel/#tirolbayern
Der Eibsee ist einer der schönsten Bergseen in Bayern. Foto: Knut Kuckel/#tirolbayern

Wintertag am Eibsee – Bayerns Perle am Fuße der Zugspitze

Der Eibsee tut gut. Besonders im Winter. Der über sieben Kilometer lange Rundwanderweg kann in zwei Richtungen gestartet werden. Wer nicht pausenlos fotografiert, schafft die Strecke bequem in zwei Stunden.

Weil wir mit der Kamera auf dem Weg sind, nehmen wir uns viel Zeit.

Ein mit erkennbar ruhiger Hand gemaltes Hinweisschild am Parkplatz nahe der Zugspitzseilbahn informiert:

Der Eibsee liegt rund 9 km südwestlich von Garmisch-Partenkirchen, unterhalb der Zugspitze, gehört zur Gemeinde Grainau und ist in Privatbesitz. Maximal 36 Meter tief, bedeckt er eine Fläche von 1,77 km², bei einer Länge von 2,4 km und einer Breite von 1,1 km. 

Mit diesem Grundwissen ausgestattet, freuen wir uns auf den schönen Rundwanderweg und über eine beeindruckende Bergseekulisse. Mit Blick auf Wettersteinwand und Zugspitze.

Von Dezember 2018 bis Mitte Januar 2019 wird am Eibsee Holz geerntet. Deshalb ist der gesamte Rundwanderweg aus Sicherheitsgründen zurzeit gesperrt (während dieser Zeit nur an den Weihnachtsfeiertagen und am Silvestertag geöffnet). Darauf verweisen Schilder der Bayerischen Staatsforsten. Für den Forstbetrieb am Eibsee ist Oberammergau zuständig.

Wer vom Parkplatz am Eibsee, unweit der Zugspitz-Seilbahn, rechts abbiegt – also seinen Weg gegen den Uhrzeigersinn auswählt, schafft es bis zur Nordwestspitze. Spätestens ab dem Zufluss Kotbach müssen wir wegen der Holz-Ernte-Arbeiten umkehren und beschließen, in einem 2. Rundgang am Südufer unseren Weg fortzusetzen. Bis Wankl oder Schönbühl – dann begegnen wir wieder den Forstleuten.

Hinschauen lohnt:  Die unmittelbar am Seeufer gestapelten Stämme tragen das Qualitätslabel „Holz aus Bayern“. Das Holz schaut nicht nur gut aus, es riecht auch so.

Mit knapp fünf Millionen Festmetern im Jahr, sind die Bayerischen Staatsforsten größter Holzproduzent in Deutschland.

Die Wälder rund um den Eibsee und die Gipfel der ihn überragenden Berge mit dem Waxenstein-Kamm und der Zugspitze sorgen für eine imposante Kulisse. Ein begehrtes Motiv für Fotografen sind aber auch die acht kleinen Inseln nahe des Nordurfers.

Einheimische kennen die Namen der kleinen und mittleren Inseln. Wir hören zu und schreiben mit: „Almbichl, Ludwigsinsel, Scheibeninsel, Maximiliansinsel, Schönbichl, Braxeninsel, Sasseninsel und Steinbichl.“

Was die Anzahl der Inseln angeht, müssen wir bei Gelegenheit noch einmal nachzählen. Die einen meinen acht Inseln gesehen zu haben, andere bis zu neun. Selbst die populärsten Wanderbücher legen sich nicht gerne fest. Alle scheinen sich auf unterschiedliche Quellen zu berufen.

In grauer Vorzeit stand am Eibsee droben nur ein kleines Fischerhaus, dort – wo heute das Eibsee-Hotel steht. Das Fischerhaus wurde erstmals 1530 urkundlich erwähnt.

Im 19. Jahrhundert kam Bewegung ins Geschehen.

Der Spediteur August Terne kaufte 1884 den Eibsee, samt aller Inseln für 20.000 Mark. 1900 erwarb die Familie auch das Fischerhaus.

Zu jener Zeit besaß die in Partenkirchen ansässige Unternehmung von August Terne neben einer Spedition für Reisegepäck auch eine Lohnkutscherkonzession, um die Reisenden aus Murnau zum eigenen „Gasthof Eibsee“ zu bringen.

Gasthof Eibsee – Postkarte aus der Reihe Archivbilder, Garmisch-Partenkirchen, Sutton Verlag, Erfurt

August Terne baute im Jahre 1900 am Seeufer einen Gasthof, exakt dort, wo zuvor 370 Jahre lang die Fischerhütte stand. Des Unternehmers Söhne, Karl und Hans leiteten schon 13 Jahre später die nächste Großbaumaßnahme ein. Aus dem Gasthof wurde ein Hotel. Das alles ereignete sich noch vor dem 1. Weltkrieg.

Damals reichten den frischgebackenen Hotelbetreibern noch 60 Betten, schon sieben Jahre später avancierte das Haus am Eibsee zum internationalen Gebirgshotel. Mit bis zu 230 Betten. 

Das Kriegsgeschehen des 2. Weltkriegs setzte der Gastfreundschaft der Familie Terne ein vorläufig tragisches Ende. 1941 nahm die Luftwaffe das Hotel in Beschlag. Vom Kriegsende bis 1972 diente es den US-Streitkräften als „recreation area“.

Nach der Rückgabe des Hotels an die Familie Terne-Rieppel, haben Peter K. H. Rieppel und seine Frau Nanni vor der Neueröffnung am 1. Juli 1977 „unter größten wirtschaftlichen Anstrengungen“ einen Teil des Hotels komplett abgerissen und neu erbaut.

Das Eibsee-Hotel bei Grainau in Oberbayern schmücken inzwischen vier Sterne.

Politiker, Künstler, berühmte Ärzte, Wirtschaftsgrößen und Sportskanonen gaben sich seither am „Eibsee“ ein Stelldichein. In den Gästebüchern finden sich Namen wie Richard Strauss, Dalai Lama, Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, Magdalena Neuner, Felix Neureuther, Reinhold Messner und Udo Jürgens.

Von Garmisch-Partenkirchen aus, sind es mit dem Auto weniger als zehn Kilometer bis zum Eibsee, Bayerns Perle im Wettersteingebirge. Die Wegstrecke kann aber auch bequem mit dem Bus oder der Zugspitzbahn bewältigt werden.

Der See gilt aufgrund seiner Lage unterhalb der Zugspitze und des klaren, grün getönten Wassers als einer der schönsten Seen der bayerischen Alpen. Er entstand, als sich am Ende der Würm-Kaltzeit der Isar-Loisach-Gletscher zurückzog und eine Senke hinterließ, die sich mit Wasser füllte. Vor etwa 3400 bis 3700 Jahren querte ein gewaltiger Bergsturz mit einer Fläche von 13 km² und einem Volumen von 350 Millionen m³ den mittleren und östlichen Teil des Sees.

Im Eibsee fühlen sich seither auch Fische wohl. Während der Angelsaison – vom 1. Mai bis zum 31. Oktober – werden hauptsächlich Hechte, Bachforellen, Regenbogenforellen, Renken, Karpfen, Schleien und verschiedene Weißfischarten von Hobbyanglern gefischt.

Nachbarn vom Eibsee sind der Frillensee, Steingringpriel, Braxensee, Frosch- und Steinsee.

Wer Goethes Schauspiel „Götz von Berlichingen“ kennt, weiß allerdings nur zu gut, „wo viel Licht ist, ist auch Schatten“.

Ein Aktivist aus Grainau fotografiert von der Brücke zum Untersee eine der vielen Fotoschulen beim Unterricht  und kommentiert mit negativem Zungenschlag: „Die siehst Du überall. Sind mit dran schuld, dass man hier von Frühjahr bis Herbst keinen Parkplatz mehr bekommt.“

Wir denken halblaut „ja, ja – schuld sind immer die anderen“. Für den „Sehnsuchtsort Eibsee“ ist der Winter allerdings wirkich die schönste Jahreszeit. In der warmen Jahreszeit sieht hier alles ganz anders aus. Da meiden Kenner, die ansonsten von der Bergsee-Idylle schwärmen, den Eibsee-Rundwanderweg. Warum nur?

Die Journalistin Theresa Krinninger hat nachgezählt – „beim Bildnachrichtendienst Instagram, hatte der Hashtag #Eibsee im Sommer des vergangenen Jahres mehr als 36.000 Beiträge, inzwischen sind es schon rund 93.000. Mit weiterhin steigender Tendenz. Täglich.

Das hat Konsequenzen. „Drohnen, Paddler, Hip-Hop: Unter der Zugspitze geht es zu wie auf einer Party“ schreibt die junge Kritikerin.

Wer Ruhe und Einsamkeit liebt, sollte deshalb in der Hauptsaison den Bergsee meiden.

Besonders nach der Lektüre der „Chronik eines frühsommerlichen Feiertags am Eibsee“ von Theresa Krinninger (# Eibsee, das Ende der Idylle, SZ-Online, 02. Jui 2017).

Für die Autorin hat der Eibsee als Sehnsuchtsort „endgültig ausgedient“. Na ja – „wenigstens bis zum ersten Herbstnebel“, räumt sie versöhnlich ein.

Weblinks:
Zugspitze Eibsee
Hotel Eibsee
→ Eibsee (Wikipedia)

Fotos: Knut Kuckel/#tirolbayern

Hinweis: Die meisten Fotos haben wir mit der Canon EOS 6D Mark II aufgenommen, einen Teil aber auch mit dem Samsung Galaxy S8+. Das erklärt die abweichenden Formate und Qualitätsunterschiede.

Knut Kuckel

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