17. Januar 2019
Bayerns höchstgelegener Bahnhof gehört der Gemeinde Klais. Foto: Knut Kuckel/#tirolbayern
Bayerns höchstgelegener Bahnhof gehört der Gemeinde Klais. Foto: Knut Kuckel/#tirolbayern

23 Züge halten in Klais – Im höchsten Bahnhof Bayerns

Den höchsten Bahnhof im Bahnland Bayern, bei dem die baye­ri­schen Bahnen auf der Nor­mal­spur fahren, finden wir in Klais. 933 Meter über dem Mee­res­spie­gel. Doch es geht noch höher: Der höchst­ge­le­ge­ne Bahnhof Deutsch­lands befindet sich nämlich auch in Bayern.

Das ist der Gletscherbahnhof Zug­spitz­platt mit 2.588 Meter über dem Mee­res­spie­gel. Hier fährt die Baye­ri­sche Zug­spitz­bahn al­ler­dings mit Zahn­rad­an­trieb auf einer Schmal­spur.

Unter den Normalspur-Bahnhöfen, nimmt  die Bahnstation in Klais somit wirklich eine Sonderrolle ein. Und das zeigt man auch stolz:

Wer mit dem Zug in den Bahnhof Klais einführt, liest unterhalb des mit Holz verkleideten Giebels: „Bayerns höchstgelegener Bahnhof – Höhe 933 Meter“. Immerhin gibt es in Bayern 1.060 Bahnhöfe und Hal­te­punk­te.

Die Gemeinde Krün (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) hatte die renovierungsbedürftige Immobilie Ende 2008 von der Bahn gekauft. 250 000 Euro steckte die Kommune in die Komplettsanierung, am 2. Juni 2011 wurde das Schmuckstück eingeweiht. Zum G 7-Gipfel spendierte der Staat nochmal barrierefreie Bahnsteige.

Aber nicht nur dieser Beschriftung verdankt der Bahnhof seine Berühmtheit. Dafür gibt es sicherlich noch viele weitere Gründe. Aber die Inschrift ist es sicherlich, die Menschen mit großen und kleinen Kameras verlockt, diesen schönen Bahnhof zu fotografieren.

Ich bin einer von ihnen. Immer wenn ich von meinem Weg aus München kommend nach Tirol fahre, schaue ich mit verklärtem Blick auf den gepflegten zweigleisigen Bahnhof.

Nicht selten biege ich von der Bundesstraße ab und besuche die kleine Bahnstation.

Er riecht wie ein Bahnhof, hat aber nichts von der unsympathischen Kühle anderer Bahnhöfe. Hier kümmert man sich. Um die Blumen vor und hinter dem Gebäude. Die Sauberkeit im Warteraum, auf dessen zweigeteilter Holzbank der Kreisbote und andere Blätter ausliegen.

Alles ist sauber. Obwohl hier viele Menschen ein und ausgehen.

Unter der Woche halten 23 Züge in Klais. Die sehen heutzutage supermodern aus und dampfen nicht mehr wie vor über 100 Jahren als der Bahnhof begründet wurde. Weil damals wie heute viel Holz geschlagen wurde, in der Region um Krün, Wallgau und Elmau, hat man 1912 einen Bahnhof auf der Strecke zwischen Mittenwald und Garmisch eröffnet. Der Bahnhof brachte Wohlstand in das Gebiet im Oberen Isartal, südlich von München. Schon deshalb haben hier alle eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Bahnhof. Das spürt man.

Vor hundert Jahren war verständlicherweise vieles anders als heute. Da hieß der Fahrdienstleister noch Stellwärter. Im Volksmund Weichenwärter. Den Fahrdienstleiter gibt es heute auch noch. Er weicht höflich zur Seite, wenn ihn neugierige Menschen wie ich bitten, einen Blick auf das Stellwerk richten zu dürfen. Fotografiert werden möchte er nicht. Sein Bahnhof ist schließlich kein Museum. Und seine Tätigkeit erfordert noch trotz aller moderner Technik seine ganze Aufmerksamkeit.

Der Fahrdienstleiter gestattet mir, vom Stellwerk ein Foto machen zu dürfen. Das mache ich. Mit großem Respekt vor ihm, seinem Bahnhof und der fühlbar würdevollen Atmosphäre, belasse ich es, entgegen meiner üblichen Gewohnheiten, bei nur einem Bild.

Es ist anzunehmen, dass die meisten Menschen dem Fahrdienstleiter in der Zeit von 5 Uhr früh bis kurz vor Mitternacht begegnen. Der erste Zug von Mittenwald nach Klais fährt noch vor Sonnenaufgang um 05:07 Uhr ab. Der letzte um 23:36 Uhr. Die Frühen und die Späten sind meistens Nachtzüge. Für die Fahrten zwischen Mittenwald und Garmisch planen die Reisenden ca. 20 Minuten ein. Wenn die Dinge nach Plan verlaufen, braucht der Zug für die kurze Strecke exakt 21 Minuten.

Auf Nachfrage ich erfahre ich, dass hier noch vor rund 10 Jahren der IC halt machte. Das ist heute zwar nicht mehr der Fall, hat aber den Bahnhof in Klais auch nicht gerade kleiner gemacht. Das Reisenden-Aufkommen am höchst-gelegenen Bahnhof Bayerns hält sich in Grenzen. Es sind weniger als 500 am Tag.

In meinen Gedanken plane ich schon eine Bahnfahrt von Mittenwald nach Klais. Finanziell auch für mich noch erschwinglich. Der Fahrpeis kostet zurzeit um die 2-Euro-60. Gute Gedanken verdienen Anerkennung. Die hole ich mir anschließend im nahegelegenen Gasthaus „Zum Schweizerbartl“ inKaltenbrunn ab.

Die immer fröhliche Chefkellnerin Madeleine serviert mir einen Capuccino. Mit gleich zwei Schokoherzen und einem gerade aus dem Backrohr geholten Apfelstrudel.

„Sie ist ein Original?“ fragt mich vom Nebentisch aus ein vornehmer Gast. „Ja“, antworte ich. „Das ist sie.“ Wir kennen uns nämlich schon lange. Es gibt nicht viele Gasthäuser, in denen der Gast noch mit Handschlag begrüßt wird. Bei der ursprünglich aus dem Elsass stammenden Service-Dame Madeleine vom „Schweizerbartl“ ist das Teil ihres Berufsverständnisses. Wann immer es gerade passt, gönne ich mir auf der Durchfahrt bei ihr eine Pause.

Ich denke noch, wie gut es mir doch geht und bin mir sicher, dass mich mein Besuch am Bahnhof in Klais noch stärker als bisher mit ihm verbinden wird.

Bevor ich es vergesse: Klais ist der älteste Ort mit urkundlicher Erwähnung im Werdenfelser Land. Diese ist in Form einer Gründungsurkunde des Benediktinerklosters Scharnitz in Klais im Jahre 763 vorhanden. Nachzulesen in Wikipedia.

Quellen:

Bahnland Bayern

Gemeinde Krün

Fotos: Knut Kuckel/#tirolbayern

Knut Kuckel

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